Nach der leichten Aufhellung im Mai hat sich die Stimmung in der nordrhein-westfälischen Wirtschaft im Juni wieder etwas eingetrübt. Der Rückgang war allein auf den Dienstleistungssektor zurückzuführen. Alle anderen Branchen verzeichneten dagegen ein solides Stimmungsplus. Aufgrund seines hohen Gewichts im Gesamtindikator überlagerte die Entwicklung bei den Dienstleistungen jedoch das Plus in Handel, Bau und Industrie.
Das NRW.BANK.ifo-Geschäftsklima ist im Juni leicht um 0,5 Punkte auf -17,4 Saldenpunkte gesunken. Beide Teilindikatoren gaben nach: Der Umfragewert zu den Geschäftserwartungen sank um 0,2 auf -23,9 Punkte. Bei der aktuellen Geschäftslage ging der Indikatorwert um 0,7 Punkte auf -10,6 Zähler zurück.
Der Stimmungsrückgang ging allein auf den Dienstleistungssektor zurück, der aufgrund seines hohen Gewichts das Gesamtergebnis prägte. In den übrigen Branchen hellte sich die Stimmung dagegen teils deutlich auf. Trotz des schwächeren Gesamtwerts senden die jüngsten Zahlen damit ein vorsichtig hoffnungsvolles Signal. Dazu tragen auch die gesunkenen Öl- und Gaspreise infolge der Gespräche zwischen Washington und Teheran bei. Sollte die für den Energieexport wichtige Straße von Hormus langfristig offenbleiben, dürfte sich die Stimmung in der NRW-Wirtschaft insgesamt weiter aufhellen.
Im Handel hat sich das NRW.BANK.ifo-Geschäftsklima unter allen Branchen am stärksten aufgehellt: Der Konjunkturindikator stieg um 4,7 auf -23,8 Punkte. Die befragten Handelsunternehmen bewerteten ihre aktuelle Geschäftslage besser als zuvor. Auch ihre Geschäftserwartungen legten spürbar zu. Die positive Entwicklung war sowohl im Einzel- als auch im Großhandel zu beobachten.
Auch im Bauhauptgewerbe hat sich das Geschäftsklima im Juni spürbar verbessert: Der Indikator stieg um 3,8 auf -20,7 Saldenpunkte. Die befragten Bauunternehmen bewerteten sowohl ihre aktuelle Geschäftslage als auch ihre Erwartungen an die kommenden sechs Monate besser. Außerdem berichteten sie von leichten Preisrückgängen, nach deutlichen Preissteigerungen in den Vormonaten. Besonders deutlich stieg das Geschäftsklima im Wohnungsbau. Dagegen trübte sich die Stimmung im öffentlichen Hochbau unerwartet stark ein.
Im Verarbeitenden Gewerbe hellte sich das Geschäftsklima ebenfalls deutlich auf. Der Indikator stieg um 3,5 auf -21,4 Punkte. Ausschlaggebend waren spürbar bessere Erwartungen, während die aktuelle Lageeinschätzung nur leicht nach oben korrigiert wurde. In den einzelnen Industriebranchen fiel die Entwicklung uneinheitlich aus: In den Metallbranchen hellte sich die Stimmung deutlich auf, während sie sich in der Automobilbranche spürbar eintrübte. Auch in der landesweit bedeutenden chemischen Industrie ging das Geschäftsklima zurück. Der Preisdruck nahm in allen Industriebranchen ab.
Einzig im Dienstleistungssektor trübte sich das Geschäftsklima im Juni ein. Der Indikator sank hier von -10,7 auf -13,5 Punkte. Die befragten Dienstleistungsunternehmen schätzten sowohl ihre aktuelle Lage als auch die Aussichten schlechter ein. Besonders deutlich fiel der Rückgang in der Logistik aus. Grund sind Störungen der globalen Lieferketten. Auch im Gastgewerbe trübte sich das Geschäftsklima angesichts anhaltender Inflationssorgen stark ein.



