Nach zwei deutlichen Eintrübungen im März und im April hat sich die Stimmung in der nordrhein-westfälischen Wirtschaft im Mai leicht aufgehellt. Die Unternehmen zeigten sich wieder etwas zufriedener mit ihrer aktuellen Geschäftslage. Ihre Erwartungen an die kommenden Monate blieben hingegen unverändert. Die Wirtschaft in Nordrhein-Westfalen gewinnt damit etwas Halt, bleibt aber in schwierigem Fahrwasser.
Das NRW.BANK.ifo-Geschäftsklima ist im Mai um 0,6 auf -16,9 Saldenpunkte gestiegen. Ausschlaggebend für das Plus war allein eine bessere Bewertung der aktuellen Geschäftslage, die um 1,2 auf -9,9 Zähler zulegte. Die Umfragewerte zu den Geschäftserwartungen stagnierten bei -23,7 Punkten. Die einzelnen Wirtschaftssektoren entwickelten sich unterschiedlich. Während die Dienstleister und der Handel ein Stimmungsplus verbuchten, trübte sich das Geschäftsklima in der Industrie und der Bauwirtschaft deutlich ein.
Trotz der leichten Erholung im Mai bleibt die Stimmung der Unternehmen in NRW infolge des Irankriegs gedrückt. Je länger die Straße von Hormus geschlossen bleibt, desto größer werden die Risiken für die Konjunktur. Vor allem die Unsicherheit über die weitere Entwicklung der Öl- und Gaspreise sorgt für Zurückhaltung in vielen Unternehmen.
Im Handel ist das Geschäftsklima deutlich gestiegen, um 6,1 auf -28,5 Punkte. Das Plus ging allein auf die Großhandelsunternehmen zurück, die sowohl ihre aktuelle Geschäftslage als auch ihre Geschäftserwartungen besser beurteilten. Im Einzelhandel trübte sich die Stimmung angesichts der anhaltenden Kaufzurückhaltung der Verbraucherinnen und Verbraucher hingegen ein. Sowohl die Groß- als auch die Einzelhändler berichteten von stark gestiegenen Preisen.
Auch im Dienstleistungssektor hellte sich das Geschäftsklima auf und stieg um 3,4 auf -10,7 Punkte. Insbesondere die Geschäftserwartungen erholten sich nach dem Einbruch in den beiden Monaten zuvor. Ihre laufenden Geschäfte bewerteten die Dienstleistungsunternehmen hingegen nahezu unverändert. Die Stimmung in der Logistikbranche blieb zwar auch im Mai angespannt, war aber nicht mehr so trüb wie im Vormonat. Gleiches galt für das Gastgewerbe.
Im Verarbeitenden Gewerbe hat sich das Geschäftsklima im Mai eingetrübt. Es sank um 3,1 auf -24,9 Punkte. Ausschlaggebend waren vor allem die Geschäftserwartungen. Aber auch ihre aktuelle Lage schätzten die Industrieunternehmen schlechter ein. Besonders in den Metallbranchen und in der chemischen Industrie gab die Stimmung weiter nach. Diese Branchen stehen durch die hohen Energiepreise besonders unter Druck. Hinzu kam ein ausgeprägter Preisdruck, der mittlerweile sämtliche Industriebranchen erfasst hat und sich in der chemischen Industrie besonders stark bemerkbar macht.
Im Bauhauptgewerbe ist das Klima im Mai ebenfalls gesunken, um 3,3 auf -24,5 Punkte. Die befragten Bauunternehmen bewerteten sowohl ihre aktuelle Geschäftslage als auch die Erwartungen an die kommenden sechs Monate pessimistischer. Zudem gingen die Auftragsbestände im Mai in allen Baubereichen zurück. Entsprechend rechnen die Unternehmen in den nächsten Monaten mit einer rückläufigen Bautätigkeit.



