Düsseldorf/Münster, 18. November 2021

Die Gewinner des NRW.BANK.Kunstpreises 2021 – dotiert mit 33.000 Euro – stehen fest: Drei Preise gehen nach Düsseldorf, einer nach Essen und einer nach Münster. Die Auswahl traf eine Jury aus Fachexperten sowie die Besucher der virtuellen Ausstellung aus insgesamt 24 nominierten Werken in vier Sparten. 

Die Gewinnerinnen und Gewinner sind:

Kategorie „Malerei und Grafik“: David Benedikt Wirth, Sekhmet, 2021, Kunstakademie Düsseldorf 

Kategorie „Skulptur und Installation“: Magdalena Frauenberg, Ouroboros, 2020, Kunstakademie Düsseldorf 

Kategorie „Foto und Medienkunst“: Adéọlá Ọlágúnjú, Born Throw Way!, 2020-2021, Folkwang Universität der Künste Essen 

Kategorie „Performance“: Manuel Talarico, 11 12 13, 2020, 
Kunstakademie Münster 

Publikumspreis: Lara Werth, Abfahrt MS Ulla, 2021, Kunstakademie Düsseldorf

„Wir fördern, was NRW bewegt, und dazu gehört das Schaffen junger Künstlerinnen und Künstler“, erklärt Eckhard Forst, Vorstandsvorsitzender der NRW.BANK. „Kunst eröffnet neue und einzigartige Zugänge zu der Wirklichkeit, in der wir leben. Kunstförderung ist deshalb für uns als NRW.BANK ein zentraler Teil unseres Auftrags.“

Isabel Pfeiffer-Poensgen, Ministerin für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen, sagt: „Der Kunstpreis der NRW.BANK gibt Künstlerinnen und Künstlern Freiraum für ihre künstlerische Tätigkeit – das ist insbesondere nach den vergangenen schwierigen Monaten der Corona-bedingten Einschränkungen ein klares Zeichen der Ermutigung und ein wichtiger Beitrag zum kulturellen Förderspektrum unseres Landes.“

Der NRW.BANK.Kunstpreis wurde zum fünften Mal von der Förderbank für Nordrhein-Westfalen ausgelobt. Er richtet sich an alle staatlichen Kunsthochschulen in NRW: die Kunstakademien Düsseldorf und Münster, die Folkwang Universität der Künste in Essen sowie die Kunsthochschule für Medien Köln. 
Teilnehmen durften Studierende und Absolventen, deren Abschluss nicht länger als zwei Jahre zurücklag. 

Das Video der digitalen Preisverleihung sowie eine Übersicht über alle Kunstwerke finden Sie unter: www.nrwbank.de/kunstpreis


Die Jurybegründungen:

Kategorie „Malerei und Grafik“
David Benedikt Wirth, Sekhmet, 2021, Kunstakademie Düsseldorf

Bei den alten Ägyptern wurde Sekhmet, die als Frauenkörper mit Löwenkopf dargestellt wird, als Göttin des Krieges, aber auch des Schutzes vor Krankheiten und der Heilung verehrt. Im Mythos „Die Vernichtung der Menschheit“ wird darüber berichtet, wie sie im Blutrausch mehr und mehr Menschen als Vergeltung für deren Schlechtigkeit tötet und erst durch eine List anderer Götter außer Gefecht gesetzt werden kann. In ihrer Rolle bleibt sie sowohl für die Götter als auch die Menschen unfassbar und als Figur in ihrer Verehrung ambivalent. In seinem Gemälde, das den Namen der Göttin trägt, nähert sich David Benedikt Wirth diesen Ambivalenzen Farbauftrag um Farbauftrag an. Er tastet die Oberfläche der originalen Keramik ab, entdeckt Nuancen, Reflexe, Strukturen und übersetzt sie mit malerischen Mitteln in ein verblüffend realistisches Abbild, das dem Betrachtenden schließlich in Lebensgröße begegnet. Das Unfassbare dieser Frauenfigur reflektiert sich in der Brillanz der malerischen Repräsentation und lädt dazu ein, sich diese im Verlauf der Betrachtung Schicht um Schicht in all ihrer Vieldeutigkeit zu erschließen. 
Auch in seinem weiteren malerischen Werk lenkt David Benedikt Wirth unseren Blick immer wieder auf das Faszinierende, das sich einem vollständigen Begreifen entzieht. Seien es Bilder von Meeresbodenscans, die aus unendlicher Tiefe kommend als Ausschnitt auf die Leinwand gebannt werden, ein Maschinengewehr, ein Detail einer Militäruniform oder eine unvollständig dargestellte Flagge. Alle diese Bilder sind ambivalent: Sie weisen hin, aber erzählen nicht, stellen dar, aber urteilen nicht. Der Betrachtende ist aufgefordert, sich selbst in seiner Wahrnehmung und Beurteilung des Gesehenen zu befragen und sich seine eigene Bilderzählung zu erschließen. Neben der malerischen Qualität des Werks von David Benedikt Wirth war es besonders der Mut zur eindeutigen, aber ergebnisoffenen Adressierung von Themen, die uns als Jury überzeugt hat. 
Tasja Langenbach, Leiterin Videonale

Kategorie „Skulptur und Installation“
Magdalena Frauenberg, Ouroboros, 2021, Kunstakademie Düsseldorf 

Mit der Installation „Ouroboros“ gelingt es Magdalena Frauenberg, ein aus der Ikonographie des Alten Ägyptens belegtes Bildsymbol – eine Schlange, die sich selbst in den Schwanz beißt und so einen Kreis bildet – in einen aktuellen Kontext zu überführen. Durch die Verknüpfung dieses Themas, welches durch die Jahrhunderte und Weltkulturen als in sich kreisende Unendlichkeit und Ewigkeit benutzt wurde, mit aktuellen Materialien wie Lederstiefel, Fahrradhelm, Hasenmaske, Bomberjacke, Schellengürtel, Schaukästen und Puh der Bär-Schlüsselanhänger erzeugt Frau Frauenberg ein Setting aus zeitgenössischen, symbolisch aufgeladenen Relikten, die durch ihre bildhauerische Qualität überzeugen. 
Max Schulze, Künstler und Professor für Malerei an der Universität Paderborn

Kategorie „Foto und Medienkunst“
Adéọlá Ọlágúnjú, Born Throw Way!, 2021, Folkwang Universität der Künste Essen, 

Die multimediale Vielfalt und die besondere Form der Annäherung von Adéọlá Ọlágúnjú an ihr Thema haben die Jury in der Kategorie „Foto und Medienkunst“ überzeugt. 
Die Künstlerin richtet den Fokus auf die lose Gemeinschaft einer sozial ausgegrenzten Straßengang in Lagos, Nigeria. Der Titel ihrer Arbeit „Born Throw Way!“, nigerianisches Pidgin-Englisch, bedeutet frei übersetzt: Ein Kind, geboren und weggeworfen. Damit wird die Frage nach dem Wert und den Chancen eines Menschen im Leben verhandelt: Was bedeutet es, von Geburt an nicht dazuzugehören, ohne gesellschaftliche und familiäre Unterstützung auskommen zu müssen? Ọlágúnjú fragt in ihrer Arbeit nach Gruppenidentität als Kompensation und Möglichkeit der Selbstvergewisserung und macht die verbindenden, gemeinschaftsbildenden Ausdrucksformen – Habitus, Sprache, Graffiti, Mode oder Musik – unmittelbar und vielgestaltig sichtbar. Männlich konnotierte Posen, gruppendynamische Machtstrukturen, Gewaltbereitschaft aber auch Verletzlichkeiten bilden sich unkommentiert in ihren Fotografien, ihrer Sound- und Videoinstallation sowie in den graffitiartigen Illustrationen einer einfachen, an eine Hütte erinnernden Ausstellungsarchitektur ab. Ọlágúnjú hat nicht nur über, sondern auch mit ihren Protagonisten gearbeitet und sie am Entwurf und der Realisierung einer Art Uniform für die „area boys“ beteiligt. Genäht aus Stoffen mit traditionellen Mustern, wird die Kleidung zum Erkennungsmerkmal und zum Vehikel einer Rückversicherung der eigenen Herkunft und Heimat. Die Intensität der komplexen Arbeit von Adéọlá Ọlágúnjú teilt sich Betrachterinnen und Betrachtern unmittelbar mit, gleichzeitig werden Gefühle von Fremdheit und Differenz nicht einfach aufgehoben – der Abstand zwischen den Lebensrealitäten auf der Straße und im Kunstraum bleiben vielmehr erkennbar und spürbar. 
Dr. Martina Padberg, Leiterin Kunstmuseum Ahlen

Kategorie „Performance“ 
Manuel Talarico, 11 12 13, 2021, Kunstakademie Münster 

In der Performance von Manuel Talarico geht es um die Konstruktion von (angeblichen) Wahrheiten und behandelt in der Form eines Vortrags die fatale Vermengung von Wissen, Pseudowissen und Unwissen. Vor dem Hintergrund der neueren Exzesse um Fake News und Verschwörungsmythen wirkt die Performance hochaktuell und entlarvend. Dabei gelingt es Talarico, einen Mechanismus der manipulativen Wahrheitsbildung zu Tage zu fördern: Indem er Fakten, Informationen und Erkenntnisschnipsel vernetzt, die zwar an und für sich plausibel sind, aber in eine völlig unzusammenhängende Kausalkette gebracht werden, täuscht er eine argumentative und rhetorische Richtigkeit vor. Die ad absurdum geführte Beweisführung gerät zu einer Farce mit schizophrenen Zügen, zu einer Parodie des wissenschaftlichen, rationalen Denkens.
Bei seiner performativen Aufführung weist Manuel Talarico sowohl eine große Konzentration als auch eine manische Energie auf. Trotz des hanebüchenen Charakters seiner Aussagen schafft er es, einen glaubwürdigen Tonfall zu behalten, der die Zuschauerinnen und Zuschauer zu überzeugen vermag.
Dr. Emmanuel Mir, Leiter Landesbüro für Bildende Kunst NRW


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    NRW.BANK.Kunstpreis 2021: Die Gewinner stehen fest

    Die Gewinner des NRW.BANK.Kunstpreises 2021 – dotiert mit 33.000 Euro – stehen fest: Drei Preise gehen nach Düsseldorf, einer nach Essen und einer nach Münster. Die Auswahl traf eine Jury aus Fachexperten sowie die Besucher der virtuellen Ausstellung aus insgesamt 24 nominierten Werken in vier Sparten.

Über den NRW.BANK.Kunstpreis

Seit 2017 vergibt die NRW.BANK unter dem Motto „Junge Kunst im Wettbewerb“ den NRW.BANK.Kunstpreis. Mit dem Preis gibt die Förderbank im Rahmen ihres gesellschaftlichen Engagements Nachwuchskünstlern der vier staatlichen Kunsthochschulen in NRW eine Bühne und unterstützt sie mit insgesamt 33.000 Euro. Die kulturelle Förderung ist Teil des gesetzlichen Auftrags der NRW.BANK.

Über die NRW.BANK

Die NRW.BANK ist die Förderbank für Nordrhein-Westfalen. Sie unterstützt ihren Eigentümer, das Land NRW, bei dessen struktur- und wirtschaftspolitischen Aufgaben. In ihren drei Förderfeldern „Wirtschaft“, „Wohnraum“ und „Infrastruktur/Kommunen“ setzt die NRW.BANK ein breites Spektrum an Förderinstrumenten ein: von zinsgünstigen Förderdarlehen über Eigenkapitalfinanzierungen bis hin zu Beratungsangeboten. Dabei arbeitet sie wettbewerbsneutral mit allen Banken und Sparkassen in NRW zusammen. In ihrer Förderung berücksichtigt die NRW.BANK auch bestehende Angebote von Bund, Land und Europäischer Union.

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Caroline Gesatzki

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