Öffentliche Fördermittel sind für Deutschlands Kommunen unverzichtbar. Ein professionelles Fördermittelmanagement hilft ihnen, die Bewilligungschancen zu optimieren und die Mittel revisionssicher einzusetzen. Die NRW.BANK unterstützt nordrhein-westfälische Städte, Gemeinden und Kreise beim Aufbau entsprechender Strukturen. Wie ein Fördermittelmanagement in der Praxis funktioniert und wie man es etabliert, zeigen die Beispiele Sundern und Jüchen.

Ein leerstehendes Ladenlokal in der Innenstadt bietet als „Sunderns Wohnzimmer“ Platz für Kunst, Kultur, Engagement und Begegnung.

Das neue Feuerwehrhaus in Meinkenbracht, der generalüberholte Dorfplatz in Enkhausen, das zur Begegnungsstätte umgebaute Ladenlokal in der Innenstadt – Doris Rohe-Weber kennt sie alle. Nicht nur die Projekte, auch die Fördermittel, mit denen sie realisiert wurden: der NRW-Sondertopf für „Feuerwehrgerätehäuser in Dörfern", das Landesprogramm „Dritte Orte", die Förderung für „Struktur- und Dorfentwicklung des ländlichen Raums".

Als zentrale Fördermittelmanagerin der Stadt Sundern ist Rohe-Weber maßgeblich daran beteiligt, solche Infrastrukturprojekte möglich zu machen. Sie recherchiert Förderprogramme von Bund, Land und der EU, prüft, ob sie für anstehende Vorhaben passen, hält die Fachämter auf dem Laufenden, verfasst gemeinsam mit ihnen die Anträge und behält alle Fristen für Mittelabruf und Verwendungsnachweise im Blick.

Zentrales Fördermittelmanagement ermöglicht bessere Planung

Doris Rohe-Weber ist langjährige Fördermittelmanagerin der Stadt Sundern.

„Zudem bin ich von Anfang an in die strategische, inhaltliche und zeitliche Ausrichtung kommunaler Großprojekte einbezogen. Fördermittel erfordern immer einen Eigenanteil. Wir müssen also stets austarieren, was die Stadt finanziell leisten kann und was personell sowie technisch machbar ist, damit wir alle geforderten Meilensteine einhalten", ergänzt die Diplomverwaltungswirtin, die den regelmäßigen Austausch im NRW.BANK-Netzwerk zum Fördermittelmanagement sehr schätzt und dort ihre Erfahrungen gerne mit anderen Kommunen teilt.

Im Schnitt managt Rohe-Weber für die 28.000-Einwohner-Stadt rund 30 geförderte Infrastrukturmaßnahmen gleichzeitig – von der Schulsanierung bis zum Sportplatz. Hinzu kommen rund 100 kleinere Förderverfahren, die noch Folgen eines Unwetters aus 2021 beseitigen.

Den Erfolg ihrer Arbeit in Sundern in Euro zu beziffern, fällt Doris Rohe-Weber schwer – der Vergleich fehlt. Aber es sei im Hause unstrittig, dass sich das zentrale Vorgehen rechnet. „Wir lassen keine öffentlichen Mittel liegen. Unsere Förderquote ist hoch. Wir bekommen mehr Infrastruktur umgesetzt für unser Geld."

Modell gewinnt Anhänger

Seit 2016 hat Sundern die Fördermittelakquise und -betreuung zentral im Fachbereich „Finanzen" gebündelt. Die NRW.BANK hatte der Stadt damals beratend zur Seite gestanden. Mit der Einführung war die Kommune im Hochsauerlandkreis recht früh dran. Inzwischen nutzen bundesweit zahlreiche, vor allem größere Städte ein solches System. Trotzdem ist es vielerorts weiterhin üblich, dass jedes Fachamt Fördermittel für seine Anliegen selbst identifiziert, beantragt und abwickelt.

Doch auch hier setzt langsam ein Umdenken ein, beobachten kommunale Förderexperten wie Angelika Steinhäuser. Sie war lange selbst Fördermittelmanagerin und unterstützt heute in der NRW.BANK Kommunen und öffentliche Unternehmen in den Regierungsbezirken Düsseldorf und Köln beim Aufbau eines Fördermittelmanagements. „Angesichts der Vielzahl nötiger Investitionen und der angespannten Haushaltslage wächst die Bedeutung öffentlicher Fördermittel", stellt sie fest. „Deshalb ist es umso wichtiger, dass wir als wettbewerbsneutrale Förderbank unser Wissen, wie man ein Fördermittelmanagement etabliert, an die Städte und Gemeinden in NRW weitergeben.“ Keine Kommune könne es sich mehr leisten, hier Möglichkeiten zu verschenken.

Fördermittelmanagement macht Optionen sichtbar

Hochrangige Vertreter der Stadt und der Ortsfeuerwehr Sundern-Meinkenbracht bei der Übergabe des neuen Feuerwehrgerätehauses.

Tatsächlich beziffern die deutschen Städte und Gemeinden ihren Investitionsrückstand mit 216 Milliarden Euro, so das KfW-Kommunalpanel 2025. Öffentliche Fördermittel spielen bei der Finanzierung bereits eine zentrale Rolle. Rund ein Viertel aller Investitionen wird laut der Friedrich-Ebert-Stiftung über Zuschüsse und Zuwendungen aus Förderprogrammen von Bund, Ländern und EU bestritten.

Zugleich beklagen viele Kommunen, dass es immer schwerer werde, den Überblick zu behalten und Anforderungen sowie Fristen zu erfüllen. Kein Wunder: Die Förderdatenbank des Bundes führt aktuell 840 Programme und gut 800 Mittelgeber für Kommunen auf. – Diesen Herausforderungen können Kommunen mit einem professionell aufgestellten Fördermittelmanagement begegnen.

Knowhow bündeln und Synergien nutzen

Organisatorisch bringe die zentrale Bündelung klare Strukturen, erklärt Katharina Schrot, ebenfalls Expertin für die Fördermittelmanagementberatung der NRW.BANK und für die Regierungsbezirke Arnsberg, Detmold und Münster zuständig: „Standardisierte Prozesse vom Antrag bis zum Verwendungsnachweis sorgen dafür, dass nichts untergeht. Fachämter haben feste Ansprechpartner, die nicht nur die Förderlandschaft kennen, sondern auch gegenüber Bewilligungsbehörden als verlässliche Kontakte auftreten." Das beschleunigt die Bearbeitung – die zentrale Stelle greift auf erprobte Abläufe zurück. Fachämter können sich auf ihre eigentlichen Aufgaben fokussieren.

Finanziell zahlt sich das System ebenfalls aus: Durch gebündelte Expertise lassen sich die Bewilligungschancen erhöhen, weil Anträge präziser auf die Programmvorgaben zugeschnitten sind. Zudem sinkt das Risiko von Rückforderungen, weil Mittelabrufe, Nachweise und Fristen professionell dokumentiert werden.

Strategisch verschafft ein zentrales Fördermittelmanagement der Verwaltungsspitze einen umfassenden Gesamtüberblick: Welche Projekte laufen mit welchen Fördermitteln? Wo drohen Engpässe? Diese Transparenz erleichtert Steuerung und Controlling erheblich, merkt Angelika Steinhäuser an. „Gleichzeitig baut sich kontinuierlich Wissen auf – von Erfahrungen mit bestimmten Fördergebern bis zu bewährten Strategien –, das der gesamten Kommune zugutekommt und nicht mit einzelnen Personen verloren geht."

Geballte Erfahrung

Auch beim Beratungsangebot der NRW.BANK profitieren Städte, Gemeinden und Kreise von einem breit aufgestellten Erfahrungsschatz der beiden Expertinnen. Während sich Angelika Steinhäuser umfassend mit dem Aufbau und der Pflege eines Fördermittelmanagements in kleinen und mittleren Kommunen und ihrem entsprechenden Fördermittelbedarf auskennt, bringt Katharina Schrot langjährige Erfahrung aus größeren Städten und mit EU-Fördermitteln ein. In der Summe können so Kommunen aller Größen quer durch Nordrhein-Westfalen kompetente Unterstützung für ihre Anliegen erhalten.

„Und egal, in welchem Stadium sich ihr Fördermittelmanagement gerade befindet,“ ergänzt Schrot. „Wir können in allen Entwicklungsphasen mit hilfreichen Tipps und Trainings zur Seite stehen.“ Sei es, dass man zum Start gemeinsam Strukturen, Zuständigkeiten und Abläufe entwirft, in der Folge dann bei der Umsetzung begleitet oder einfach Hinweise zu relevanten Förderprogrammen und deren Beantragung gibt (mehr Infos zum Angebot unter Mit NRW.BANK-Beratung zum erfolgreichen Fördermittelmanagement - NRW.BANK).

Die Palette der Anfragen reicht aktuell, so die Expertinnen, tatsächlich von A wie „anfangen“ über N wie „nachjustieren“ bis Z wie „zentralisieren“. Dank der kurzen Wege – als Förderbank des Landes ist die NRW.BANK traditionell mit den meisten nordrhein-westfälischen Kommunen eng verdrahtet – ist der Kontakt schnell hergestellt. 

Schritt für Schritt zum System

Kai Cornetz baut im niederrheinischen Jüchen ein zentrales Fördermittelmanagement auf.

Wie Kommunen ihr zentrales Fördermittelmanagement personell ausstatten, ist höchst unterschiedlich. Große Städte, wie etwa Freiburg oder Dortmund, haben ganze Teams im Einsatz, während kleinere mit einer Stelle oder weniger disponieren. In Hessen betreut eine Fördermittelexpertin interkommunal den Landkreis Gießen und 26 umliegende Gemeinden.

Auch das niederrheinische Jüchen hat sich auf den Weg gemacht: Seit Juni 2025 baut Kai Cornetz dort ein zentrales Fördermittelmanagement auf. Die 25.000-Einwohner-Stadt wird als Anrainerkommune des Tagebaus Garzweiler die Zukunft des Rheinischen Reviers mitgestalten können – und müssen. „Die Förderlandschaft hier ist zurzeit sehr auf den Strukturwandel ausgerichtet," erläutert er. „Davon sollen auch unsere Infrastrukturprojekte profitieren. Die attraktiven Förderungen über die Fördertöpfe des Strukturwandels wie ‚Klimaanpassung im Rheinischen Revier‘ oder ‚Energetische Sanierung von kommunalen Gebäuden‘ bringen Handlungspotenziale, die wir intern auf Umsetzung prüfen und nach Möglichkeit nutzen wollen."

Cornetz ist bei der Implementierung der zentralen Stelle strategisch vorgegangen: Erst machte er sich mit der Fördermaterie vertraut, dann klopfte er bei den Fachämtern und Dezernenten an. Per Interviewleitfaden und amtsinternen Workshops lotete er aus, wie das Fördermittelmanagement dort bisher läuft und was sich die Kollegen für die Zukunft wünschen. Aus den Antworten entstand ein Strategiepapier – ein Rahmen, aber mit genug Spielraum zum Ausprobieren.

Besonders wichtig ist ihm die Akzeptanz in den Fachämtern. „Mit kompakten Fact-Sheets über relevante Förderungen möchte ich sie auf dem Laufenden halten. Kommt es zum Antrag, übernehme ich die Details." Regelmäßige Follow-ups sollen alle im Bilde halten. Eine zentrale Fördermittelübersicht ist geplant – für mehr Haushaltstransparenz und bessere Budgetplanung.

NRW.BANK unterstützt bei Bestandsaufnahme und Konzept

Einer der wichtigsten Faktoren für eine nachhaltige Implementierung: die Unterstützung durch die Führungsspitze. „Wenn bei allen Beteiligten der Wille zur Veränderung und Zusammenarbeit da ist, kann es losgehen", sagt NRW.BANK-Expertin Steinhäuser, die auch für Kai Cornetz regelmäßige Sparringspartnerin beim Aufbau des Jüchener Fördermittelmanagements ist.

Dann gilt es zunächst, den Status-Quo aufzunehmen – wie und von wem werden Fördermittel aktuell akquiriert, wie läuft der Antrag, wie die Abwicklung, wo hakt es et cetera. Daraus ergeben sich die Felder, wo Handlungsbedarf besteht. Die Beispiele Sundern und Jüchen zeigen: Mit einem klaren Konzept lohnt sich der Weg – für die Projekte, die Finanzen und die gesamte Verwaltung.

Im Sunderner Ortsteil Enkhausen ist der Dorfplatz instandgesetzt und aufgewertet worden.

Stand: 30. Juni 2026

Beratungssituation mit zwei Frauen, die sich am Schreibtisch gegenüber sitzen
Beratungssituation mit zwei Frauen, die sich am Schreibtisch gegenüber sitzen

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