Wandeldarlehen sind ein beliebtes Finanzierungsinstrument für Start-ups in der Frühphase. Im Vergleich zu einer klassischen Beteiligungsrunde lassen sie sich meist schneller, einfacher und kostengünstiger abschließen. Das Kapital fließt zunächst als Darlehen und kann später in Unternehmensanteile umgewandelt werden. Wie das funktioniert, zeigt das Mülheimer Start-up Pheno-Inspect.

Dr. Philipp Lottes (l.) und Dr. Josef Exler (CEO) sind Mitgründer des Start-ups Pheno-Inspect, das eine KI-basierte Software für die Landwirtschaft entwickelt hat.

Eine vielversprechende Technologie, ein ambitioniertes Team und ein wachsender Markt: So legen viele junge Unternehmen mit großem Potenzial los. Gleichzeitig benötigen sie Kapital, um aus einer Idee ein marktfähiges Produkt zu entwickeln. Klassische Beteiligungsrunden sind in dieser frühen Phase häufig schwierig. Ein Knackpunkt: Die Firmenbewertung.

Kapital heute, Unternehmensbewertung später

Genau hier setzt das Wandeldarlehen (engl.: Convertible Loan) an: Das Start-up erhält zunächst ein festverzinsliches Darlehen. Bei einer späteren Kapitalerhöhung kann dieses zu vorab vereinbarten Bedingungen in Unternehmensanteile umgewandelt werden. Der entscheidende Vorteil: Die Finanzierung ist möglich, ohne eine konkrete Firmenbewertung festzulegen.

„Bei einer klassischen Eigenkapitalfinanzierung müssen sich Start-up und Investoren bereits früh auf einen exakten Unternehmenswert verständigen. Ein Wandeldarlehen verschiebt diese Entscheidung auf einen späteren Zeitpunkt, an dem sich das Potenzial des Unternehmens meist besser einschätzen lässt“, erklärt Moritz Kaschub, Experte im Bereich Eigenkapitalfinanzierungen der NRW.BANK. „Das Start-up erhält trotzdem frühzeitig Kapital und kann wichtige Entwicklungsschritte finanzieren.“

Weniger Aufwand in der frühen Phase

Mithilfe einer handelsüblichen Drohne können Landwirte Luftaufnahmen ihrer Felder machen, die anschließend durch die Software analysiert werden.

Da zunächst keine Unternehmensanteile abgegeben werden, ist der Abschluss eines Wandeldarlehens in der Regel weniger aufwendig als eine Finanzierungsrunde. Die Verträge können schlanker ausfallen, der Abstimmungsbedarf ist häufig geringer. Das spart Zeit sowie Kosten für rechtliche und notarielle Beratung.

„Wandeldarlehen lassen sich häufig schneller, einfacher und kostengünstiger abschließen als eine klassische Beteiligung“, sagt Moritz Kaschub. „Zugleich können sie als Brücke zu einer größeren Finanzierungsrunde dienen und jungen Unternehmen bis dahin den nötigen finanziellen Spielraum verschaffen.“

Wie genau ein Wandeldarlehen ausgestaltet ist, hängt vom jeweiligen Vertrag ab. Darin werden unter anderem Laufzeit, Verzinsung und die Voraussetzungen für eine Wandlung geregelt. Auch die späteren Wandlungskonditionen werden festgelegt. Diese regeln die Zahl der Anteile, die ein Investor bei der Wandlung erhält. Dabei wird häufig auch ein Bewertungsabschlag (Discount) für den Investor sowie eine Mindest- (Floor) und Höchstbewertung (Cap) definiert.

Von der Forschung zum marktfähigen Produkt mit NRW.BANK-Wandeldarlehen

Wie Wandeldarlehen in einer frühen Phase als Finanzierungsinstrument genutzt werden können, zeigt das Mülheimer Start-up Pheno-Inspect. Das Unternehmen entwickelt eine KI-basierte Software, die Aufnahmen landwirtschaftlicher Flächen auswertet. Handelsübliche Drohnen fotografieren die Felder aus der Luft. Die Software analysiert anschließend die Pflanzen und erkennt dabei unter anderem Unkraut, Krankheiten und Bestandslücken.

Die Idee entstand an der Universität Bonn. Dort beschäftigte sich das spätere Gründungsteam mehrere Jahre damit, Pflanzen mithilfe von Robotik, Bilddaten und künstlicher Intelligenz zu analysieren. Im Jahr 2020 gründeten Dr. Philipp Lottes und Prof. Dr. Cyrill Stachniss schließlich Pheno-Inspect. 2025 stieß Dr. Josef Exler als Mitgründer hinzu und ergänzte das Team um seine langjährige Erfahrung aus der Agrarindustrie.

Zu diesem Zeitpunkt war das Potenzial der Technologie bereits erkennbar. Für den Weg aus der Forschung hin zu einem marktfähigen Produkt benötigte das junge Unternehmen jedoch zusätzliches Kapital. Pheno-Inspect erhielt daher zwei Wandeldarlehen der NRW.BANK über insgesamt 500.000 Euro.

„In unserer frühen DeepTech-Phase war es schwierig, einen fairen Unternehmenswert festzulegen, weil viel Wert noch in der Technologie, den Daten und der künftigen Skalierung steckte“, erklärt Dr. Philipp Lottes, Mitgründer von Pheno-Inspect. „Gerade deshalb war das Wandeldarlehen für mich als Unternehmer eine schnelle, flexible und unkomplizierte Möglichkeit, Kapital für den weiteren Aufbau zu erhalten.“

Die Finanzierung ermöglichte es Pheno-Inspect, die KI-Software weiterzuentwickeln, erste Anwendungen im Markt zu erproben und die anschließende Finanzierungsrunde vorzubereiten.

Die Software zeigt Landwirtinnen und Landwirten auf einen Blick, wie sich die Pflanzen entwickeln und wo Unkraut wächst.

Aus dem Darlehen wird Eigenkapital

Anfang 2026 schloss Pheno-Inspect eine Seed-Finanzierungsrunde ab. Damit trat der im Wandeldarlehen vorgesehene nächste Schritt ein: Die NRW.BANK wandelte ihre beiden Darlehen in eine Beteiligung am Unternehmen um. Mit dem Kapital möchte Pheno-Inspect, sein Team ausbauen, seine KI-Technologie weiterentwickeln und sein Produkt in weiteren Ländern ausrollen.

„Wir wollen zu einer nachhaltigeren, kosteneffizienteren und weniger energie- und importabhängigen Landwirtschaft beitragen“, sagt Mitgründer Dr. Josef Exler. „KI soll dort Wirkung entfalten, wo sie konkrete Probleme löst: auf dem Feld.“

NRW.SeedCon

  • Wandeldarlehen bis 200.000 €
  • Für innovative, wachstumsorientierte Unternehmen der Frühphase bis 3 Jahre nach Unternehmensgründung
  • Finanziert Investitionen und Betriebsmittel zum Aufbau und Wachstum des Unternehmens