Neben Ruhr und Lippe ist die Emscher einer der drei prägenden Flüsse des Ruhrgebiets. Mit der Industrialisierung stieg die Bevölkerungzahl in der Region rapide an, ebenso die privaten und gewerblichen Abwassermengen. Ende des 19. Jahrhunderts war die Situation nicht mehr tragbar: Immer wieder kam es zu Überschwemmungen, durch Krankheitserreger im Wasser breiteten sich Seuchen aus. 1899 wurde die Emschergenossenschaft von Unternehmen und Kommunen gegründet, um das Problem anzugehen. Doch die durch den Kohleabbau verursachten Bergsenkungen machten eine unterirdische Kanalisation unmöglich. Stattdessen wurde die Emscher verkürzt und begradigt, damit das Abwasser schneller abfließen konnte. Fast ein Jahrhundert lang prägten die ausgebaute Emscher und ihre schnurgeraden Nebenläufe das Gesicht der Region. 1991 beschloss die Genossenschaft den Umbau des gesamten Emschersystems.
Der Umbau der Emscher ist das größte Infrastrukturprojekt in NRW und ein wichtiger Baustein in der sozial-ökologischen Transformation der Region. Die NRW.BANK steht der Emschergenossenschaft seit über 20 Jahren als Finanzierungspartnerin zur Seite und fördert das Projekt über ihr Programm NRW.BANK.Grüne Emscher-Lippe, refinanziert über die NRW.BANK.Green Bonds.


Einst war die Emscher als dreckigster Fluss Europas bekannt. 1992 begann die Emschergenossenschaft mit dem Umbau. Mittlerweile ist aus dem offenen Abwasserkanal eine blau-grüne Oase geworden, die sich Stück für Stück zu einem Naherholungsgebiet entwickelt.
Die Emscher als Abwasserkanal
Vorher: Um den Abwassertransport durch die Gewässer zu regulieren, wurden die Flüsse und Bäche begradigt, tief eingedeicht und mit Betonsohlschalen verkleidet.
Nachher: Bei der naturnahen Umgestaltung der mittlerweile abwasserfreien Gewässer werden zunächst die Betonsohlschalen entfernt, bevor die Böschungen aufgeweitet sowie flacher und vielseitiger gestaltet werden.
© EGLV/Andreas Fritsche
Das größte Infrastrukturprojekt in NRW
Heute ist der Fluss kaum wiederzuerkennen: 436 Kilometer an unterirdischen Abwasserkanälen wurden verlegt, vier Großkläranlagen und ein 51 Kilometer langer Abwasserkanal mit drei Pumpwerken errichtet. 130 Kilometer Rad- und Fußwege machen den Fluss für die Menschen im Ruhrgebiet erlebbar. Etwa 500 Tierarten und Wasserpflanzen, 23 Fischarten und sogar Biber und Eisvögel sind an und in der Emscher zuhause.
Für das Projekt wurden bisher rund 5,5 Milliarden Euro aufgewendet. Die NRW.BANK begleitet das Projekt seit über 20 Jahren und stellte insgesamt 3,6 Milliarden Euro an Förderdarlehen und Zuschüssen bereit. Über den NRW.BANK.Green Bond wurde ein großer Teil der Förderung refinanziert. „Uns verbindet mit der Emschergenossenschaft seit über zwei Jahrzehnten ein gemeinsamer Wille: die Region nachhaltig, lebenswert und zukunftsfähig weiterzuentwickeln und zu gestalten. Mit dem Umbau des Abwassersystems und der großangelegten Renaturierung wurde die Lebensader der Region wiederbelebt“, so Gabriela Pantring, Vorstandsvorsitzende der NRW.BANK.
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Förderprogramm für Renaturierung
Nachdem das Projekt Emscher zunächst aus einer Vielzahl verschiedener Förderprogramme unterstützt wurde, rief die NRW.BANK 2020 ein eigenes Förderprogramm ins Leben. Über NRW.BANK.Grüne Emscher-Lippe werden Renaturierungsmaßnahmen gefördert, zum Beispiel der erste Emscherstrand in Castrop-Rauxel, der im Sommer 2025 eröffnet wurde. „Die neue Emscher ist eine Generationenaufgabe und unser größtes Förderprojekt“, sagt Ralph Ishorst, Direktor Kundenbetreuung Öffentliche Kunden bei der NRW.BANK. „Bis 2027 vergeben wir allein über unser eigens aufgestelltes Programm NRW.BANK.Grüne Emscher-Lippe 1,3 Milliarden Euro an Förderung.“ Dieses Engagement macht die Landesförderbank zu einer wichtigen Partnerin: „Die NRW.BANK unterstützt uns zuverlässig auf unserem Weg hin zur ökologisch und sozial nachhaltigen Transformation der Region. Ohne diese Zusammenarbeit wäre der tiefgreifende Umbau des Emschersystems kaum möglich gewesen,“ so Prof. Dr. Uli Paetzel, Vorstandsvorsitzender der Emschergenossenschaft.
Innovative Kläranlagen


Im April 2025 erreichte das Projekt einen weiteren Meilenstein. Die in den 1990er-Jahren gebaute Kläranlage in Dortmund-Deusen nahm eine vierte Reinigungsstufe in Betrieb. Dadurch können schädliche Spurenstoffe aus dem Abwasser gefiltert werden. Die Tuchfilteranlage ist die größte weltweit. Hier entspringt die Emscher sozusagen ein zweites Mal, denn 90 Prozent des Emscher-Inhalts in diesem Bereich besteht in Trockenzeiten aus gereinigtem Abwasser aus dieser Anlage. Dadurch wird sichergestellt, dass die Emscher nicht trockenläuft. Auch deshalb war der Ausbau eine ökologisch wichtige Investition in den Lebensraum Emscher. Circa 70 Prozent der Kosten für die Nachrüstung und Optimierung der Anlage fördert das Land NRW über eine Förderrichtlinie für ressourceneffiziente Abwasserbeseitigung. Die Abwicklung übernahm die NRW.BANK.
Hochwasserschutz wird ausgebaut
Als Nächstes soll die Kläranlage in Bottrop die vierte Reinigungsstufe erhalten. Weiter vorantreiben will die Emschergenossenschaft auch den Hochwasserschutz. Neben dem weiteren Ausbau der Rückhaltebecken sollen die Emscherdeiche erhöht und die Hochwasser-Vorhersage optimiert werden.
Vom Abwasserfluss zum Lebensraum: eine Zeitreise
Klicken Sie sich durch die Geschichte der Renaturierung. Bilder erzählen, wie aus Beton wieder Ufer, Auen und Artenreichtum wurden.
NRW.BANK.Grüne Emscher-Lippe
- Darlehen und Forward-Darlehen ohne Höchstbeträge - mit einer Laufzeit von bis zu 30 Jahren
- Für Emschergenossenschaft und Lippeverband
- Finanziert die nachhaltige Entwicklung der Wasserwirtschaft





















