Düsseldorf/Münster, 1. April 2026
Die Stimmung in den nordrhein-westfälischen Unternehmen hat sich im März branchenübergreifend eingetrübt und ist auf den niedrigsten Stand seit mehr als einem Jahr gesunken. Ausschlaggebend sind wachsende Sorgen über die wirtschaftlichen Folgen des Iran-Kriegs. Das zeigt das aktuelle NRW.BANK.ifo-Geschäftsklima, für das im Auftrag der Förderbank monatlich 1.500 Unternehmen aus Nordrhein-Westfalen zu ihrer wirtschaftlichen Situation sowie ihren Zukunftsaussichten befragt werden.
„Infolge des Iran-Kriegs sind die Preise für Öl und Gas bereits deutlich gestiegen. In Nordrhein-Westfalen trifft das insbesondere energieintensive Branchen wie die chemische Industrie. Aber auch Logistikunternehmen spüren die Folgen unmittelbar, etwa an der Tankstelle, jeden Tag. Das drückt natürlich die Stimmung“, sagt Dr. Peter Stemper, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der NRW.BANK. „Wie stark die wirtschaftlichen Folgen ausfallen, hängt entscheidend von der Dauer des Konflikts ab.“
In Zahlenwerten sank das NRW.BANK.ifo-Geschäftsklima im März um 6,0 auf -14,1 Saldenpunkte. Damit wurden die Fortschritte der vergangenen zwölf Monate fast vollständig aufgezehrt. Beide Teilindikatoren, aus denen sich das Geschäftsklima zusammensetzt, gingen zurück: Deutlich niedriger bewerteten die befragten Unternehmen ihre Geschäftserwartungen. Hier sank der Umfragewert um 7,9 auf -16,7 Punkte. Der Wert zur aktuellen Geschäftslage sank um 4,2 auf -11,5 Zähler.
Verarbeitendes Gewerbe: Industrie rechnet mit Preissteigerungen
Im Verarbeitenden Gewerbe hat sich das NRW.BANK.ifo-Geschäftsklima im März am stärksten eingetrübt. Es sank um 11,3 auf -21,2 Zähler. Vor allem die Geschäftserwartungen der Industrieunternehmen gaben deutlich nach. Aber auch ihre aktuelle Geschäftslage bewerteten sie schwächer als im Vormonat. Besonders stark betroffen waren energieintensive Branchen wie die Metallerzeugung und -bearbeitung sowie die landesweit bedeutende chemische Industrie. Gleichzeitig rechnet ein außergewöhnlich hoher Anteil der befragten Unternehmen in den nächsten drei Monaten mit Preissteigerungen.
Bauhauptgewerbe: Geschäftserwartungen sinken deutlich
Auch im Bauhauptgewerbe ist das Geschäftsklima im März deutlich zurückgegangen. Hier sank der Umfragewert um 9,9 auf -13,9 Punkte. Der Rückgang der Geschäftserwartungen war mit einem Minus von 17,5 Punkten der stärkste seit März 2022, als infolge des russischen Angriffs auf die Ukraine die Energiepreise deutlich anzogen. Die aktuelle Geschäftslage wurde hingegen nur leicht schlechter beurteilt. Vor allem im gewerblichen Hochbau trübte sich die Stimmung im März ein. Im öffentlichen Hochbau gab es hingegen ein Stimmungsplus. Auch bei den befragten Bauunternehmen zeichnen sich Preiserhöhungen ab.
Dienstleistungssektor: Geopolitische Krisen treffen Logistikbranche
Im Dienstleistungssektor ging das Geschäftsklima um 4,3 auf -9,4 Punkte zurück. Der Rückgang war sowohl auf die aktuelle Geschäftslage als auch auf die Erwartungen der Unternehmen zurückzuführen. In der Logistik trübten sich die Geschäftsaussichten besonders deutlich ein. Die Branche ist von den gestiegenen Energiepreisen und der Störung der Handelsströme unmittelbar betroffen.
Handel: Aktuelle Lage etwas besser, Erwartungen trüber
Im Handel trübte sich die Stimmung um 4,0 Punkte auf -24,9 Zähler ein. Das Minus war auf die Geschäftserwartungen zurückzuführen. Die durch den Nahost-Konflikt gesteigerten Inflationssorgen der Bevölkerung wirkten sich somit spürbar negativ auf die Aussichten im Groß- und Einzelhandel aus. Mit ihren laufenden Geschäften waren die Handelsunternehmen hingegen etwas zufriedener.


Hintergrund
Das NRW.BANK.ifo-Geschäftsklima ist ein Frühindikator für die konjunkturelle Entwicklung in Nordrhein-Westfalen. Im Auftrag der NRW.BANK werden monatlich über 1.500 Unternehmen aus den Wirtschaftsbereichen Verarbeitendes Gewerbe, Bauhauptgewerbe, Großhandel, Einzelhandel sowie Dienstleistungen zu ihrer aktuellen wirtschaftlichen Situation sowie ihren Zukunftsaussichten befragt. Die Ergebnisse analysiert und veröffentlicht die NRW.BANK monatlich.
Detaillierteres Zahlenmaterial finden Sie unter www.nrwbank.de/ifo.
NRW.BANK – Förderbank für Nordrhein-Westfalen
Die NRW.BANK ist die Förderbank für Nordrhein-Westfalen. In enger Partnerschaft mit ihrem Eigentümer, dem Land NRW, trägt sie dazu bei, dass Mittelstand und Gründungen gestärkt, bezahlbarer Wohnraum geschaffen und öffentliche Infrastrukturen verbessert werden. Die NRW.BANK bietet Menschen, Unternehmen und Kommunen in NRW passgenaue Finanzierungs- und Beratungsangebote. Dabei arbeitet sie wettbewerbsneutral mit Finanzierungspartnerinnen und -partnern, insbesondere allen Banken und Sparkassen, zusammen. Um die Transformationsprozesse zu verstärken, setzt sie gezielte Förderimpulse – hin zu einem nachhaltigen, klimaneutralen und digitalen NRW.

