Der neue Risiko-Report Mittelstand 2026 macht die Zukunftsrisiken kleiner und mittlerer Unternehmen erstmals systematisch greifbar. Auf Basis von 1.071 Interviews mit Inhaberinnen und Inhabern zeigt die Studie: Nicht ein einzelnes Problem belastet den Mittelstand, sondern die Gleichzeitigkeit mehrerer Risiken.

Der Risiko-Report Mittelstand 2026 wurde vom Institut für Entrepreneurship, Mittelstand und Familienunternehmen (EMF) der HWR Berlin in Kooperation mit dem Deutschen Mittelstands-Bund (DMB) erstellt. Grundlage sind 1.071 Interviews mit KMU-Inhaberinnen und -Inhabern aus dem Zeitraum Januar bis April 2026. Die Befunde sind auch für die Finanzierungspraxis aufschlussreich, da sie zeigen, unter welchem strukturellen Druck Investitions- und Entwicklungsentscheidungen heute getroffen werden. Die vollständige Studie steht beim Deutschen Mittelstands-Bund kostenfrei zum Download bereit.

An der Spitze der Risikobewertung steht die Bürokratie: 65,0 Prozent der Befragten bewerten sie als hohes Risiko – der höchste Wert der gesamten Erhebung. Es folgen steigende Energiepreise (62,9 Prozent), Nachhaltigkeitsvorschriften als regulatorische Belastung (57,1 Prozent) und der Fachkräftemangel als strukturelles Entwicklungsrisiko (56,3 Prozent). Als zentrales internes Einzelrisiko gilt die Inhaberabhängigkeit, die 54,7 Prozent als hohes Risiko einstufen.

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Die Studie identifiziert drei wiederkehrende Muster. Im „Investitionsdilemma" blockieren steigende Kosten, Regulierung und fehlende Liquiditätspuffer genau jene Investitionen in Digitalisierung, Energieeffizienz und Innovation, die langfristig nötig wären – ein Drittel der KMU hält die eigenen Liquiditätsreserven für unzureichend. Die „Resilienzfalle" beschreibt, dass mit steigendem Risikodruck zwar der Bedarf an Widerstandsfähigkeit wächst, gleichzeitig aber die Mittel zu ihrem Aufbau fehlen. Das „Zukunftsparadoxon" zeigt, dass Innovation als wichtig gilt, unter operativem Druck jedoch systematisch vertagt wird.

Besonders die Unternehmensführung gerät in den Fokus: Inhaberabhängigkeit (54,7 Prozent) und ungeklärte Nachfolge (31,1 Prozent) zählen zu den meistgenannten Einzelrisiken – verschärft dadurch, dass über die Hälfte der Befragten 55 Jahre oder älter ist. Für die Finanzierungspraxis lautet eine zentrale Erkenntnis: Viele KMU verschieben notwendige Investitionen nicht aus fehlendem Willen, sondern wegen struktureller Engpässe. Finanzierungspartner können hier ansetzen – insbesondere bei Investitionen in Energieeffizienz, Digitalisierung und Unternehmensnachfolge, wo Inhaberabhängigkeit und offene Nachfolgefragen einen erhöhten Beratungs- und Finanzierungsbedarf erzeugen.

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