Die eeden GmbH aus Münster betreibt chemisches Textilrecycling – und ist besonders gut darin, Mischfaserprodukte aus Baumwolle und Polyester zu verarbeiten. In der Branche gilt das als Königsdisziplin. Auf dem Weg zur industriellen Skalierung der Technologie unterstützt die NRW.BANK das innovative junge Unternehmen mit Wachstumskapital.

Dr. Tobias Börnhorst (l., CTO) und Steffen Gerlach (CEO) sind Gründer des Start-ups eeden und stehen vor einem bunten Bild an einem Schreibtisch
Dr. Tobias Börnhorst (l., CTO) und Steffen Gerlach (CEO) sind Gründer des Start-ups eeden und stehen vor einem bunten Bild an einem Schreibtisch
Dr. Tobias Börnhorst (l., CTO) und Steffen Gerlach (CEO) sind Gründer des Start-ups eeden, das ein innovatives chemisches Recyclingverfahren für Alttextlilien entwickelt hat.

Jedes Jahr landen weltweit rund 120 Millionen Tonnen Kleidung im Müll, ein Großteil davon kaum getragen. Das zeigt eine Analyse der Boston Consulting Group. Zur Veranschaulichung: Mit diesem Kleiderberg ließen sich über 200 Fußballstadien füllen. Das ist nicht nur ein großes Umweltproblem, sondern auch eine verpasste Chance. Denn laut BCG-Analyse steckt in den ungenutzten Textilien ein Materialwert von umgerechnet 130 Milliarden Euro.

Das Start-up eeden aus Münster hat es sich daher zum Ziel gemacht, diese Chance zu nutzen und deutlich mehr Alttextilien zu recyceln. Aktuell liegt die Recyclingquote mit nur einem Prozent nämlich sehr niedrig. Einer der Gründe dafür: Auf dem Markt dominieren Mischfasern aus Baumwolle und Polyester. Sie zu trennen, ist schwierig. Genau hier setzt eeden an. „Wir haben einen chemischen Recyclingprozess entwickelt, der Mischfasern in ihre Grundbausteine zerlegt und daraus wieder Rohstoffe für neue Textilfasern erzeugt“, sagt Steffen Gerlach, einer der Gründer von eeden.

Energieeffizient und wettbewerbsfähig

Ein besonderer Vorteil: Der von eeden entwickelte Prozess ist energieeffizienter als viele klassische chemische Recyclingverfahren. „Wir nutzen ein Engineering-System, das Wärme und Energie optimal nutzt, um die Prozesskosten niedrig zu halten. So können wir wirtschaftlich mit Neuware konkurrieren“, erklärt der Jungunternehmer.

Entstanden ist die Idee im Fachbereich Textil- und Bekleidungstechnik der Hochschule Niederrhein in Mönchengladbach, wo sich ein interdisziplinäres Team aus einem Chemieingenieur, einem Chemiker und einem Betriebswirt zusammenfand. Im Jahr 2019 ging aus dieser Runde die eeden GmbH hervor, die heute von Steffen Gerlach (CEO) und Dr. Tobias Börnhorst (CTO) geführt wird. Einer Phase intensiver Forschung und Entwicklung folgte 2022 der Umzug nach Münster und der Aufbau einer Pilotanlage. Dafür erhielten die Gründer eine Seed Finanzierung von Venture-Capital-Investoren und einem Business Angel.

18 Millionen Euro schwere Series-A-Finanzierung

Nach der Seed-Phase schloss das Unternehmen im April 2025 die nächste große Investitionsrunde ab: In der Series-A-Finanzierung sammelte eeden insgesamt 18 Millionen Euro ein. Auch die NRW.BANK beteiligte sich und investierte zwei Millionen Euro über ihren Venture-Capital-Fonds NRW.Venture. „Das Geschäftsmodell von eeden ist für uns aus ökologischer und ökonomischer Sicht äußerst interessant“, sagt Florian Stinauer, Investmentmanager bei NRW.Venture. „Mit unserer Beteiligung unterstützen wir den Bau einer Demonstrationsanlage, die als Blaupause für künftige industrielle Anlagen dient.“

Für diesen Schritt zieht das aktuell rund 25 Personen starke Unternehmen an einen neuen Standort in Münster um. Hier sollen Labor, Büro und Anlage vereint werden – und bis zu 20 zusätzliche Arbeitsplätze entstehen. Ziel ist es, die Wirtschaftlichkeit und Skalierbarkeit der Technologie im größeren Maßstab nachzuweisen und Partnerschaften für Rohstoffzulieferung und Produktabnahme auszubauen.

Den Prozess weiter verbessern

Plastikbehälter in einem Regal mit eingepckten Kleidungsstücken
Plastikbehälter in einem Regal mit eingepckten Kleidungsstücken
In den Räumen des Unternehmens in Münster lagern verschiedene Textilien, mit denen die Pilotanlage gefüttert wird.

Damit eeden seine Technologie weiter skalieren kann, braucht das Unternehmen verlässliche Materialquellen. Die größte Quelle sind derzeit Industriewäschereien, deren ausgemusterte Textilien sich gut für die ersten industriellen Schritte eignen. Gleichzeitig arbeitet eeden bewusst auch mit schwieriger zu recycelnden Textilabfällen, um den Prozess weiter zu verbessern. „Je robuster unser Verfahren wird, desto größer wird der Teil des Rohstoffmarktes, den wir erschließen können“, sagt Steffen Gerlach.

Auch was die Produktabnahme angeht, stellt eeden sich breit auf. Aus der Baumwollkomponente des Materials gewinnt das Unternehmen hochreine Zellulose, die zu dünnen, papierartigen Platten, sogenannten Sheets gepresst wird. Diese können in der Textilindustrie zu neuen Zellulosefasern verarbeitet werden. Möglich wäre zudem der Einsatz für die Herstellung von Papier und Verpackungen. Aus der Polyesterkomponente wiederum gewinnt eeden Monomere, die als Ausgangsstoff für Polyestertextilien, Harze, Spezialchemikalien oder Kunststoffanwendungen dienen.

Mit starken Partnern auf Erfolgskurs

„Mit einer Kreislaufwirtschaft in der Textilindustrie können wir zwei Probleme auf einmal lösen“, zieht Steffen Gerlach Bilanz. „Zum einen gehen wir das ökologische Problem am Ende der Wertschöpfungskette an, also die gigantischen Abfallmengen. Zum anderen versorgen wir die Produzenten am Anfang der Kette mit zirkulär produzierten Rohstoffen für neue Textilien und andere Produkte.“

Damit eeden seine Vision einer textilen Kreislaufwirtschaft verwirklichen kann, stehen dem jungen Unternehmen starke Partner wie die NRW.BANK zur Seite. Dazu Steffen Gerlach: „Die Kooperation ist von Beginn an ausgesprochen positiv. Wir erleben ein Arbeiten auf Augenhöhe.“ Besonders schätzt das Unternehmen den aktiven Austausch. Die NRW.BANK bringe sich nicht nur finanziell ein, sondern liefere auch sonst wichtige Impulse. „Die NRW.BANK denkt mit, unterstützt unkompliziert und trägt dazu bei, dass wir unseren Weg schneller und besser gehen können.“

Stand: 21. Januar 2026

Zur Website: www.eeden.world

NRW.BANK unterstützt bei der Skalierung

Steffen Gerlach von der eeden GmbH aus Münster berichtet in diesem Beitrag über die Rolle der NRW.BANK bei der Weiterentwicklung des Unternehmens. Mit Wachstumskapital unterstützt die Förderbank eeden auf dem Weg zur industriellen Skalierung seiner chemischen Recyclingtechnologie, die besonders bei Baumwoll-Polyester-Mischfasern als wegweisend gilt. Die Finanzierung hilft dabei, Textilabfälle zu reduzieren und gleichzeitig zirkuläre Rohstoffe für neue Textilien bereitzustellen.

 

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Mann in einem Astronautenanzug in Anhalterpose an einer Straße
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