Die Idee, Handläufe von Rolltreppen zum Schutz vor Keimen, Bakterien und Viren zu desinfizieren und eigens dafür ein Modul zu entwickeln, kam Tanja Zirnstein und Katharina Puhl 2010 als Schülerinnen. Damals grassierte in Deutschland die Schweinegrippe und Hygiene entpuppte sich als entscheidendes Thema, um das Virus einzudämmen. Im Rahmen eines Schülerwettbewerbs überlegten die Freundinnen, wie sich Krankheitserreger im öffentlichen Raum wirksam bekämpfen ließen. „Strom ist an jeder Fahrtreppe vorhanden und die Anwendung von UVC-Licht zur Keimreduzierung war uns aus der Lebensmittelindustrie bekannt – also warum nicht das gleiche Prinzip auch für Handläufe von Rolltreppen nutzen“, erklärt Katharina Puhl. „Wir sprachen damals mit Herstellern von Rolltreppen sowie von UV-Lampen, ob das machbar ist – und merkten, dass unsere Idee Interesse weckt.“ Ein befreundeter Maschinenbauer fertigte den ersten Prototypen, und noch während der Schulzeit sicherten die beiden sich das Patent für „Escalite“, das heute mit UV-Licht alle Bakterien, Pilze und Viren auf Handläufen bis zu 99,99 Prozent unschädlich macht.
Nachfrage aus aller Welt
Aus der Geschäftsidee wurde ein erfolgreiches Start-up, das zehn Jahre später in der Corona-Pandemie einen wahren Auftragsboom erlebte. Heute statten Tanja Zirnstein und Katharina Puhl längst nicht nur die Rolltreppen von deutschen Shopping-Centern und Bahnhöfen mit Desinfektions-Modulen aus. Über international führende Rolltreppenhersteller wird ihre Technologie auch in Spanien, Frankreich, Italien und in der Schweiz vertrieben. Selbst in Asien und Australien sind die Escalite-Module bereits im Einsatz. Allein im Frühjahr 2020 installierten Einkaufszentren von Hamburg bis Singapur gut Hundert Rolltreppen mit dieser Technologie. „Unser Ziel ist es jetzt, ein gesundes mittelständisches Unternehmen zu werden“, sagt Puhl.
Dabei sah es lange Zeit noch nicht einmal nach einer Unternehmensgründung aus. Nach der Schule begann Tanja Zirnstein erst einmal ein Jurastudium, und Katharina Obladen schrieb sich für Betriebswirtschaft ein. Doch die Idee für „Escalite“ ließ beide auch an der Universität nicht los. Und sie überzeugten andere. Beim NUK-Businessplan-Wettbewerb für das Rheinland des NUK Neues Unternehmertum Rheinland e.V. 2015 errangen sie den zweiten Platz. „Hier kamen wir auch in Kontakt mit der NRW.BANK“, berichtet Tanja Zirnstein. Torsten Klink, der bei der NRW.BANK Privatinvestoren und kapitalsuchende Unternehmen vermittelt, saß in der Jury. Er erläutert: „Die Geschäftsidee überzeugte schon damals, weil hier ein Bedarf mit einer relativ einfachen technologischen Weiterentwicklung gedeckt werden kann.“
Erster Fall für NRW.SeedCap
Nachdem sie ihr Studium erfolgreich abgeschlossen hatten, gründeten Tanja Zirnstein und Katharina Puhl 2016 die UVIS UV-Innovative Solutions GmbH und waren die ersten Fördernehmer des neu aufgelegten NRW.SeedCap. „Mit diesem Produkt stellt die NRW.BANK jungen Unternehmen etwa aus dem Bereich der Digitalen Wirtschaft häufig die erste Finanzierung zur Verfügung“, erklärt Torsten Klink. „Wichtige Voraussetzung dafür ist, dass sich – so wie bei UVIS – auch ein erfahrener Business Angel in Form einer offenen Beteiligung engagiert.“ Ein Vorteil des SeedCaps ist, dass das Kapital den Start-ups schon wenige Wochen nach der Antragstellung zur Verfügung steht. So können sie es in Prototypen, den Aufbau eines Unternehmens oder in den Marktzugang investieren – wie etwa UVIS es getan hat.





