Die Unternehmensnachfolge ist kein punktuelles Ereignis, sondern ein mehrjähriger Prozess. Da sich die Suche nach geeigneten Nachfolgern und Nachfolgerinnen oft schwierig gestaltet und auch die Klärung rechtlicher, steuerlicher und finanzieller Fragen viel Zeit in Anspruch nimmt, sollten Sie spätestens drei bis fünf Jahre vor Ihrem Rückzug aus dem Unternehmen mit den Vorbereitungen beginnen.
Planung und Zieldefinition
Beginnen Sie frühzeitig mit der Planung
Nutzen Sie Unterstützungsangebote
Niemand muss die Nachfolge allein regeln. Ziehen Sie frühzeitig externe Expertise und Unterstützung für das Vorbereiten und Durchführen der Unternehmensübergabe hinzu:
- NRW.BANK-Förderberatung – als Sparringspartner im Prozess
- Regionale Kammern (IHK/HWK) – zur Nutzung des umfangreichen Netzwerks, Einholung gezielter Informationen zu wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in der Region, vorhandener Tools sowie zu den Nachfolgebörsen
- Nachfolge-Coaches – für eine individuelle Begleitung
- Rechts- und Steuerberatung – für rechtliche und steuerliche Fragen
- Unternehmensberatung – für strategische und organisatorische Themen
- Bürgschaftsbank
Tipp: Die frühzeitige Einbindung externer Expertise spart Zeit, vermeidet Fehler und steigert den Erfolg Ihrer Übergabe.
Definieren Sie persönliche Ziele für die Übergabe
Ihre persönlichen Beweggründe sind die Basis jeder Nachfolgeplanung. Überlegen Sie, welche Ziele für Sie im Vordergrund stehen:
- die Sicherung Ihres Lebenswerks,
- Ihre Versorgung im Ruhestand,
- die Absicherung Ihrer Familie,
- Ihr Mitwirken nach der Übergabe,
- der Erhalt von Arbeitsplätzen und
- die Fortführung der Unternehmenskultur.
Tipp: Setzen Sie Ihre Nachfolgekandidaten und -kandidatinnen schon früh über Ihre Ziele in Kenntnis und lassen Sie Verhandlungsspielraum zu. So lassen sich Erwartungen klären und Konflikte vermeiden.
Erstellen Sie einen detaillierten Nachfolgeplan
Für eine reibungslose Unternehmensübergabe ist ein detaillierter Plan notwendig. In diesem sollten folgende Aspekte berücksichtigt werden:
- Ihre persönlichen Ziele der Übergabe
- Übertragungsform
z. B. Schenkung in der Familie oder Verkauf an Dritte - Zeitplan für den Übergabeprozess
z. B. konkrete Meilensteine, Rollenverteilung während Übergangsphase - Suche, Auswahl und Begleitung der neuen Geschäftsführung
z. B. Suchstrategie und Rollenverteilung in der Begleitphase - Recht und Steuern
z. B. Rechtsformprüfung, Vertragsanpassungen, Steueroptimierung - Finanzierungs- und Förderbedarf
Finanzierung möglicher Investitionen zur Steigerung der Attraktivität des Unternehmens - Kommunikation und Unternehmenskultur
z. B. in- und externe Kommunikation, Weiterentwicklung des Leitbilds
Tipp: Überprüfen Sie Ihren Plan regelmäßig – insbesondere, wenn sich Marktbedingungen oder familiäre Situationen ändern.
Identifizieren Sie geeignete Übertragungsformen
- Familieninterne Übergabe: Schenkung, Erbfolge oder Verkauf innerhalb der Familie.
- Betriebsinterne Übergabe: Verkauf an Mitarbeitende (Management-Buy-out).
- Externe Übergabe: Verkauf an externe Dritte (Management-Buy-in).
- Alternative Formen: Verpachtung, Stiftung oder Genossenschaftsmodell.
Dies ist keine abschließende Aufstellung.
Gerne steht Ihnen unser Beratungsteam für ein Sparring mit strategischem Weitblick zur Verfügung.
Unternehmensbewertung und Übergabefähigkeit
Setzen Sie einen realistischen Unternehmenswert an
- Ein realistischer Unternehmenswert – und Verkaufspreis – ermöglicht dem oder der Übernehmenden Ihres Betriebs, eine tragfähige Finanzierung zu realisieren.
- Holen Sie qualifizierte Unterstützung ein.
- Etablierte Verfahren wie das Ertragswertverfahren und Vergleichswertmethoden helfen, objektiv zu bewerten.
Eine erste, indikative Bewertung können Sie mithilfe kostenloser Tools, zum Beispiel unter www.kmurechner.de, www.kmu-value.de oder rechner.uwd.de ermitteln.
Bereiten Sie einen geordneten Wissenstransfer vor
- Stellen Sie sicher, dass alle für den Betrieb relevanten Informationen (Daten, Dokumente, Verträge, Vereinbarungen etc.) leicht zugänglich und geordnet sind.
- Dokumentieren Sie Prozesse, Strukturen, wichtige Ansprechpersonen sowie nicht verschriftlichtes Wissen.
Erstellen Sie ein Notfallhandbuch (Beispiel der IHK Nord Westfalen) für unterwartete Ereignisse, um den Fortbestand des Unternehmens in Krisensituationen zu sichern.
Such- und Auswahlprozess
Legen Sie die Suche breit an und analysieren Sie genau
- Beratung und Netzwerke: Lassen Sie sich von Personalexperten und Nachfolgespezialistinnen unterstützen, um im Such- und Auswahlprozess fundierte und objektive Entscheidungen zu treffen.
- Qualifikationsprofil: Definieren Sie die fachlichen und persönlichen Kriterien, welche der oder die Nachfolgende erfüllen sollte.
- Inserate und Datenbanken: Schalten Sie Inserate und durchsuchen Sie
den Nachfolgepool der IHK NRW, die Betriebsbörsen der regionalen Handwerkskammern sowie die Nachfolgebörse nexxt-change und die Deutsche Unternehmensbörse.
Eignungsprüfung: Führen Sie intensive Gespräche, um die Eignung der Nachfolgeinteressierten zu beurteilen.
Rechtliches und Steuern
Klären Sie (steuer-) rechtliche Fragen und passen Sie Verträge an
- Ziehen Sie Fachleute aus der Steuer- und Rechtsberatung hinzu
- Prüfen Sie, ob die Rechtsform Ihres Unternehmens für die Nachfolge geeignet ist
- Aktualisieren Sie Gesellschaftsverträge, Vollmachten und weitere juristische Dokumente.
Eine frühzeitige rechtliche und steuerliche Planung kann erhebliche Vorteile bringen: Berücksichtigen Sie z. B. die Schenkungs- und die Erbschaftssteuer sowie mögliche Steuerbefreiungen. Zudem sichert eine frühzeitige Klärung Handlungsspielräume und verhindert spätere finanzielle Belastungen.
Übergabeprozess und Kommunikation
Bringen Sie Struktur in den Übergabeprozess
Definieren Sie einen klaren Zeitplan für:
- die Einführungsphase der Nachfolgenden,
- die Übergabe von Aufgaben und Verantwortlichkeiten und
die abschließende Übergabe und Ihren Rückzug.
Kommunizieren Sie transparent zur Übergabe
- Beziehen Sie Ihre Mitarbeitenden frühzeitig in den Prozess ein, um Vertrauen zu schaffen.
Unsichere Nachfolgeregelungen und die Angst, dass die Nachfolge „in der Schwebe hängt“, senken Motivation und Leistungsbereitschaft. Umso wichtiger ist es, den Nachfolgeprozess offen und frühzeitig zu kommunizieren. - Informieren Sie Ihre Stakeholder über die anstehende Nachfolge. Eine offene Kommunikation mit ihrer Kunden- und Lieferantenbasis sowie ihrem Finanzierungsnetzwerk und ihren strategischen Geschäftsbeziehungen unterstützt einen reibungslosen Übergang.
- Eine klare Kommunikation stärkt das Vertrauen in die neue Unternehmensleitung.
Beratung und Begleitung
Wir sind Ihr neutraler Sparringspartner mit Finanzierungs- und Förder-Knowhow
- Mit der NRW.BANK.Finanzierungsbegleitung steht Ihnen unser Expertenteam für ein wettbewerbsneutrales Sparring bei der Nachfolgeplanung zur Verfügung.
- Ob eine Einschätzung zur wirtschaftlichen Situation aus Banksicht, Überlegungen zu Meilensteinen oder ganz persönliche Fragen, die immer Auswirkungen auf den Prozess haben – wir teilen unsere Erfahrungen aus vielen Nachfolgegesprächen mit Ihnen. Dabei sind uns Wertschätzung, Vertrauen und Neutralität wichtig.
- Wir besprechen mit Ihnen mögliche Finanzierungsquellen, sowohl wenn Sie Ihr Unternehmen für potenzielle Nachfolgende attraktiver machen möchten als auch im Rahmen des Erwerbs.
- Außerdem bereiten wir Sie auf Kreditgespräche mit Hausbanken vor, insbesondere durch eine umfassende Rückmeldung zu Ihren Unterlagen (z. B. zu Ihrem Businessplan, Planzahlen usw.)
Finanzierung und Förderung
Lassen Sie sich von uns zu Ihren Fördermöglichkeiten beraten
Wir begleiten Sie nicht nur bei der Planung Ihrer Unternehmensnachfolge, sondern auch bei der passenden Finanzierung und Förderung:
- Wir beraten Sie zu Finanzierungsmöglichkeiten für Investitionen, die Ihr Unternehmen noch attraktiver für Nachfolgeinteressierte machen.
- Zudem unterstützen wir dabei, bedarfsgerechtere Finanzierungspakete im Rahmen der Übernahme zu schnüren.
- Ob Darlehen, Beteiligung, Risikoteilung, Zuschuss, Bürgschaft, Beratung oder Seminaren – unsere Förderberatung informiert Sie zu vielfältigen Förderangeboten.
- Als wettbewerbsneutrale Förderbank beraten wir nicht nur zu den Angeboten der NRW.BANK, sondern auch zu Programmen der KfW, der Bürgschaftsbank NRW, der regionalen Kammern und Wirtschaftsförderungsgesellschaften sowie weiterer Institutionen aus unserem Netzwerk.
Nach der Übergabe
Begleiten und loslassen
- Eine gemeinsame Übergangszeit, in der Sie die neue Geschäftsführung unterstützen, kann helfen, den Einstieg zu erleichtern.
- In einer klar definierten und befristeten Übergangsphase sollten die Kompetenzen und ihre Übergabe aber klar umrissen sein, um das Standing der Nachfolgenden nicht zu untergraben.
- Vertrauen Sie darauf, dass die neue Leitung das Unternehmen erfolgreich weiterführt. Ihr Rückzug fördert dessen Eigenständigkeit.
- Nutzen Sie die nun gewonnene Zeit für neue Projekte, Hobbys und ehrenamtliches Engagement. Ein erfüllter Ruhestand ist der Lohn für Ihre Lebensleistung
Weiterführende Links und Dokumente
Informieren Sie sich in unserer Produktdatenbank über Nachfolge-Förderprogramme wie Darlehen, Zuschüsse und Bürgschaften. Nutzen Sie auch die Angebote der regionalen Kammern.