Thomas Stausberg (Foto: NRW.BANK / Lokomotiv)

Bezahlbarer Wohnraum

Wohnraumförderung – ab 2020 noch attraktiver

Modern, flexibel und rentabel: Die öffentliche Wohnraumförderung sorgt auch 2020 mit noch attraktiveren Konditionen dafür, dass die Schaffung von Wohnraum für Bevölkerungsgruppen mit geringem Einkommen finanzierbar bleibt. Wie sie überdies ein Signal für den Klimaschutz setzt, erklärt Thomas Stausberg, Leiter der Wohnraumförderung der NRW.BANK, im Interview.

Herr Stausberg, das Land Nordrhein-Westfalen hat 2018 ein mehrjähriges Wohnraumförderungsprogramm aufgelegt, das bis 2022 laufen soll. Wie geht es damit weiter?

Thomas Stausberg: Nach wie vor fehlt an vielen Orten bezahlbarer und barrierefreier Wohnraum. Entsprechende Wohnungsbauvorhaben werden über mehrere Jahre geplant und durchgeführt. Durch das mehrjährige Wohnungsförderungsprogramm gibt es in NRW die notwendige Planungssicherheit. Bis 2022 stehen jährlich 1,1 Milliarden Euro für die Wohnraumförderung zur Verfügung. Entsprechend aktueller Marktentwicklungen passt das Land die Programme stetig an, damit sie attraktiv bleiben und sich das Engagement für Investoren lohnt.

Interviewsituation Thomas Stausberg Thomas Stausberg leitet ...
Interviewsituation Thomas Stausberg ... die Wohnraumförderung ...
Interviewsituation Thomas Stausberg ... der NRW.BANK (Fotos: NRW.BANK / Lokomotiv)

Um welche Verbesserungen für Investoren handelt es sich?

Thomas Stausberg: Kleine und barrierefreie Wohnungen für ältere Menschen fehlen gerade auch in Regionen mit eher entspannten Märkten. Hier gilt es verstärkt Impulse für den Wohnungsneubau zu setzen. Deswegen wird hier die Förderung noch einmal deutlich attraktiver gestaltet. Konkret: Für die Mietniveaus 1 und 2 sind die Darlehenspauschalen und Bewilligungsmieten auf das Niveau von Mietniveau 3 angehoben worden. Ferner gehört zu den Verbesserungen, dass die Darlehen in allen Mietniveaus für 15 Jahre zinslos sind. Dies gilt übrigens nicht nur für die Mietwohnraumförderung für Neubau und die Neuschaffung im Bestand, sondern auch für die Schaffung von Wohnraum für Studierende und Menschen mit Behinderungen.

Guter Mietwohnraum entsteht nicht von heute auf morgen. Wie stellen Sie sicher, dass der entstandene Wohnraum langfristig bezahlbar bleibt?

Thomas Stausberg: Wir tragen dem mit längerer Zinsbindung Rechnung und haben den wählbaren Zeitraum für die Zinsbindung um die Option von 30 Jahren ergänzt. Bisher waren nur 20 oder 25 Jahre möglich. Für den Zeitraum der Zinsbindung gilt auch eine Mietpreis- und Belegungsbindung. Das ist insbesondere wichtig, weil bis 2030 gut ein Drittel des aktuellen Bestands an preisgebundenen Wohnungen wegfallen wird. Die längere Zinsbindung kommt ebenfalls bei den Programmen für die Schaffung von Wohnraum für Studierende und Menschen mit Behinderungen zum Tragen.

Studierende haben auch selten ein großes Einkommen und benötigen bezahlbaren Wohnraum. Gibt es weitere Angebote außer der Finanzierung von neuem Wohnraum?

Thomas Stausberg: Ja, denn viele der vorhandenen Studierendenwohnheime sind in die Jahre gekommen und brauchen dringend eine Sanierung. Hier unterstützen wir nun bei der Finanzierung der Modernisierungsmaßnahmen. Von diesem neuen Förderangebot profitieren aber nicht nur Studierende. Es hilft in den Uni-Städten generell dabei, den Markt bei bezahlbaren Wohnungen zu entspannen, und das kommt wiederum anderen Haushalten mit niedrigen Einkommen zugute.

Dazu zählen auch Haushalte mit Menschen mit Behinderung. Bei ihnen kommt hinzu, dass sie oft besondere Anforderungen an die Wohnsituation haben. Wie unterstützt die Wohnraumförderung hier?

Thomas Stausberg: Bei der Förderung von Wohnraum für Menschen mit Behinderungen in Wohnheimen werden ab 2020 erstmals Tilgungsnachlässe von 25 Prozent gewährt. Außerdem gibt es ab diesem Jahr ein Zusatzdarlehen in der Mietwohnraumförderung für die Errichtung von Wohnraum für Menschen mit Schwerbehinderung.

Nachhaltigkeit ist das Gebot der Stunde. Wie stellt sich die Wohnraumförderung dieser Herausforderung?

Thomas Stausberg: Um ein Signal zu setzen, dass auch der geförderte Wohnungsbau seinen Beitrag im Sinne des Klimapaktes leistet, wurde ein neues Zusatzdarlehen eingeführt. Damit fördern wir Bauen mit Holz, wie beispielsweise Hybridbauten oder Massivholzgebäude. Als besonderen Anreiz wird ein Tilgungsnachlass von 50 Prozent für dieses Zusatzdarlehen gewährt. Dieses Zusatzdarlehen kann übrigens auch in Anspruch genommen werden, wenn der Neubau oder Erwerb von einer selbstgenutzten Immobilie gefördert wird. Um einen weiteren Anreiz für nachhaltiges Modernisieren zu geben, gibt es auf den bisherigen Tilgungsnachlass von 20 Prozent noch mal 5 Prozent oben drauf, wenn ökologische Dämmstoffe eingesetzt oder ein besonderer energetischer Standard erreicht wird. Überdies verstehen wir nachhaltiges Wohnen ganz umfassend und möchten helfen, dass Quartiere entstehen, in denen die Menschen sich wohlfühlen und die Lebensqualität steigt. Aus diesem Grund fördern wir auch flankierende Baumaßnahmen wie Quartiersplätze oder andere Gemeinschaftseinrichtungen.

 

Stand: 28. April 2020

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