Bau des Parkquartiers Königsborn in Unna (Foto: NRW.BANK / Udo Geisler)

Bezahlbarer Wohnraum

Wohnraumförderung – was sich 2021 ändert

Zuschüsse zum Ankauf von Bindungen, höhere Förderdarlehen, attraktivere Konditionen: Mit verbesserten Instrumenten sorgen Land und NRW.BANK dafür, dass die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum für alle Bevölkerungsgruppen attraktiv bleibt. Welche Veränderungen im Jahr 2021 anstehen, erklärt Thomas Stausberg, Leiter der Wohnraumförderung der NRW.BANK, im Interview.

Herr Stausberg, wo setzt die Wohnraumförderung im Jahr 2021 an?

Thomas Stausberg: Die Herausforderungen sind eigentlich die gleichen geblieben, wir erweitern und verbessern deshalb unseren Instrumentenkasten. Nach wie vor treibt knappes Bauland die Preise. Es gibt schlicht zu wenig Flächen, um den bestehenden Wohnungsbedarf durch Neubauten zu decken. Wir richten deshalb bei der Förderung verstärkt den Blick auf den Bestand. Zudem sorgen das Bauministerium und die NRW.BANK dafür, dass unsere Förderkonditionen auch bei den landesweit ansteigenden Baukosten attraktiv bleiben. Nur so können wir sicherstellen, dass sich für Investoren die Schaffung von Wohnraum für Menschen mit geringen und mittleren Einkommen weiterhin lohnt.

Interviewsituation Thomas Stausberg Thomas Stausberg leitet ...
Interviewsituation Thomas Stausberg ... die Wohnraumförderung ...
Interviewsituation Thomas Stausberg ... der NRW.BANK (Fotos: NRW.BANK / Lokomotiv)

Bauland lässt sich nicht beliebig vermehren.

Thomas Stausberg: Deshalb kommt es künftig eben stärker auf den Wohnungsbestand an. In den von steigenden Mieten besonders betroffenen Städten Bonn, Düsseldorf, Köln und Münster starten wir ein Modellprojekt. Mit dem Ankauf von Bindungen über Zuschüsse erhalten die vier Städte ein innovatives und flexibles Instrument an die Hand. Sie können so privatwirtschaftlich erstellten Wohnraum für die Dauer von fünf oder zehn Jahren als preisgebundenen Wohnraum für ihre Bürgerinnen und Bürger nutzen.

Viele Wohnungen, die in den 1960er und 1970er Jahren gefördert wurden, fallen aus der Bindung. Der Bestand an preisgebundenen Mietwohnungen sinkt.

Thomas Stausberg: Im Rahmen des Modellprojekts können in den genannten Städten deshalb bestehende Bindungen bereits vor ihrem Auslaufen um fünf bis 15 Jahre verlängert werden. Damit verbessern wir das bestehende Angebot für diese Städte. Die Bewilligungsmieten werden auf die Miete nach aktuellem Förderrecht angehoben und der Zinssatz von 0,5 auf 0,0 Prozent für zehn Jahre gesenkt. Der Tilgungsnachlass von zehn Prozent auf die Restschulden steigert für die Eigentümer noch einmal die Rentabilität. Natürlich müssen wir die Ergebnisse abwarten, aber ich bin sehr zuversichtlich, dass das Modellprojekt ein Erfolg wird.

Von welchen Änderungen in der Wohnraumförderung profitieren alle Städte?

Thomas Stausberg: Zunächst einmal heben wir in allen Städten und Regionen nicht nur das Grunddarlehen in allen Förderprogrammen an. Wir gleichen auch die Grunddarlehen für die Neuschaffung von Wohnungen in bestehenden Gebäuden an die des Neubaus an. Damit stärken wir alle Investoren in ganz Nordrhein-Westfalen, gleich ob sie bezahlbaren Wohnraum neu bauen oder eine bestehende Immobilie herrichten. Darüber hinaus haben wir die Verwaltungskostenbeiträge ins Visier genommen.

Inwiefern?

Thomas Stausberg: Wir reduzieren diese Beiträge erheblich. Der einmalige Verwaltungskostenbeitrag in Höhe von 0,4 Prozent fällt bei neuen Förderungen ersatzlos weg. Für die in der Folge zu leistenden Beiträge in Höhe von    0,5 Prozent werden dann als Berechnungsgrundlage nur noch die jeweiligen Restschulden herangezogen, nicht mehr der ursprüngliche Darlehensbetrag. Die NRW.BANK hat sich dazu entschieden, dies mit Wirkung zum 1. Juli 2021 auch bei bestehenden Förderdarlehen umzusetzen. So können auch unsere langjährigen Bestandskunden von einer Kostenreduzierung profitieren.

Was ändert sich 2021 bei der Modernisierungsförderung?

Thomas Stausberg: Hier passen wir unsere Leistungen den Rahmenbedingungen an. Künftig wird der maximale Förderbetrag pro Wohnung von 100.000 auf 120.000 Euro erhöht. Auch die Bewilligungsmieten steigen. Für Mietwohnungen gilt künftig zudem, dass Photovoltaikanlagen förderfähig sind.

Sie sprachen gerade von Vereinfachung: Gibt es hier noch mehr gute Nachrichten?

Thomas Stausberg: Insgesamt wird die Förderung tatsächlich immer transparenter. So entfallen zum Beispiel einzelne Zusatzdarlehen etwa für Aufzüge oder kleine Wohnungen, die künftig durch die erhöhte Grundpauschale abgegolten werden. Damit reduzieren wir die Komplexität. Darüber hinaus werden die Regelungen bei der Modernisierungsförderung und der Förderung der Neuschaffung von Wohnungen in bestehenden Gebäuden vereinfacht, so dass für Kunden die Abgrenzung zwischen den Produkten eindeutig ist. Ein weiterer Baustein ist die Integration der Förderrichtlinie „Studierendenwohnheimbestimmungen (SWB)“ und der „Bestimmungen zur Förderung von Wohnraum für Menschen mit Behinderungen in Einrichtungen mit umfassendem Leistungsangebot (BWB)“ in die „Wohnraumförderungsbestimmungen (WFB)“. Das klingt vielleicht sehr technisch, bedeutet aber in der Umsetzung eine sehr hilfreiche Vereinheitlichung der Fördersystematik.

Auch für die Bewilligungsbehörden steht eine deutliche Verfahrensvereinfachung an. Was verbirgt sich hinter dem Begriff „WohnWeb“?

Thomas Stausberg: Mit dem „WohnWeb“, einer webbasierten Portalanwendung, machen wir einen weiteren wichtigen Schritt in Richtung Digitalisierung. In intensiver Zusammenarbeit mit dem Bauministerium und sechs Bewilligungsbehörden als Entwicklungspartner haben wir in den vergangenen zwei Jahren daran gearbeitet, einen modernen, zukunftsfähigen Prozess in der Eigentumsförderung aufzusetzen, damit der Förderprozess leichter und schneller wird und die Verfahrens- und Rechtssicherheit für die Behörden steigt. Zusammen mit dem neuen Förderrecht sind wir bereits live gegangen.

Perspektivisch wollen wir natürlich möglichst viele unserer Förderprodukte umfassend digitalisieren. Daher werden wir uns als nächstes die Prozesse in der Mietwohnraumförderung vornehmen. Diese Weiterentwicklung ist eingebettet in die umfangreiche Digitalisierungsstrategie des Landes und der NRW.BANK, die in den kommenden Jahren nach und nach umgesetzt wird.


 Stand: 26. Februar 2021

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