Verbraucherzentrale NRW gibt Tipps gegen Energieverschwendung - Energieexperte Udo Sieverding
Udo Sieverding von der Verbraucherzentrale NRW. (Bild: NRW.BANK)

Umwelt & Energie

Bei energetischen Sanierungen 80 Prozent Energiekosten sparen

In deutschen Immobilien wird nach wie vor viel zu viel Energie verschwendet. Udo Sieverding, Energieexperte der Verbraucherzentrale NRW, gibt einige Tipps, wie Hausbesitzer durch energetisches Sanieren viel Geld sparen und gleichzeitig die Umwelt schonen.

Herr Sieverding, was sind die wichtigsten Schritte bei der Planung einer energetischen Sanierung? 

Udo Sieverding: Zunächst sollte eine Energieberaterin oder ein Energieberater eine Bestandsaufnahme durchführen. Danach muss das Ziel definiert werden: Welches Energieniveau soll das Gebäude nach der Sanierung idealerweise erreichen? Im dritten Schritt ist gemeinsam zu ermitteln, welche Schritte konkret in Angriff genommen werden. Dazu muss natürlich auch die Frage der Finanzierung geklärt werden. Für energetische Sanierungsmaßnahmen gibt es in vielen Fällen öffentliche Zuschüsse oder zinsgünstige Kredite.

 

Durch welche Qualifikationen zeichnet sich ein vertrauenswürdiger Energieberater aus?

Udo Sieverding: Der Begriff „Energieberater“ ist keine geschützte Berufsbezeichnung, so dass keine allgemeinen Standards gelten. Entscheidend ist natürlich immer die Unabhängigkeit von wirtschaftlichen Eigeninteressen – dadurch sind unter anderem die Energiefachleute der Verbraucherzentralen gute Anlaufstellen. Weitere Qualitätskriterien können bestimmte Berechtigungen sein: Wer Energieausweise ausstellen darf oder als Sachverständiger Gutachten für die KfW-Bank erstellt, ist ausgewiesener Experte. Außerdem sollte man nach Referenzen und beruflichen Schwerpunkten fragen.

 

Häufig wird von gewaltigen Einsparpotenzialen gesprochen, die durch energetisches Sanieren gehoben werden können.

Udo Sieverding: Das tatsächliche Potenzial hängt natürlich vom Einzelfall ab, doch die hohen Werte sind in vielen Fällen durchaus realistisch. So kann die umfassende energetische Sanierung eines Altbaus den Energieverbrauch um 50 bis 80 Prozent senken. Der Ölverbrauch eines durchschnittlichen Einfamilienhauses kann so von rund 25 Liter je Quadratmeter und Jahr auf unter zehn Liter sinken

 

Mit welchen Maßnahmen lassen sich die höchsten Einsparungen erzielen?

Udo Sieverding: Die Außenwanddämmung und die Erneuerung der Heizungsanlage bringen die höchsten Einsparungen. Günstigere Maßnahmen wie der Einbau einer neuen Heizungspumpe oder die Dämmung der Heizungsrohre amortisieren sich am schnellsten.

 

Gibt es Bereiche in denen Hauseigentümer beim energetischen Sanieren besonders häufig Fehler machen?

Udo Sieverding: Die meisten Probleme entstehen, weil Maßnahmen nicht ausreichend detailgenau geplant oder nicht fachgerecht ausgeführt werden. Da liegen die Fehler oft nicht auf Seiten der Verbraucherinnen und Verbraucher, sondern bei beauftragten Betrieben. Damit die gewünschten Einsparpotenziale erzielt werden, ist es aber entscheidend, dass beispielsweise Fenster luftdicht eingebaut oder Wärmebrücken vermieden werden. Qualität ist hier das A und O.

 

Welche Hilfe bekommen Ratsuchende bei der Verbraucherzentrale?

Udo Sieverding: In NRW haben wir ein flächendeckendes Netz für individuelle und anbieterunabhängige Energieberatung durch fachkundige Ingenieure. In derzeit 61 Beratungsstellen und 38 Stützpunkten – zum Beispiel in Rathäusern – bieten wir halbstündige Beratungen an zu Fragen rund um die Gebäudesanierung und allgemein zum Energiesparen. Zusätzlich besteht die Möglichkeit einer 90-minütigen Energieberatung direkt Gebäudeeigentümern zu Hause. Weitere Infos gibt es unter www.verbraucherzentrale.nrw/energieberatung.

Stand: 7. Juni 2017

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