Energie-Eigenversorgung von Unternehmen
Lisa Conrads und Gianna Lara Bergmann von der EnergieAgentur.NRW (Foto: NRW.BANK)

 

Watt aus eigener Hand

Ob Beleuchtung, Computer oder Maschine: Ohne Strom läuft in Unternehmen so gut wie gar nichts. Warum ihn also nicht gleich selbst produzieren? Lisa Conrads und Gianna Lara Bergmann von der EnergieAgentur.NRW erklären, mit welchen Konzepten die Eigenversorgung mit Strom in Gewerbe und Industrie funktionieren kann. Die Investitionen lassen sich vielfach sogar mit Fördermitteln der NRW.BANK finanzieren – fragen Sie einfach Ihre Hausbank!

Photovoltaik (PV)

PV-Anlage (Foto: NRW.BANK
  • für jeden Bedarf
  • mögliche Anlageorte: Dach, Fassade, Freifläche

Kraft-Wärme-Kopplung (KWK)

KWK-Anlage (Foto: NRW.BANK)
  • bei gleichzeitigem Bedarf von Strom und Wärme
  • wirtschaftlich bei hohem Strom- und niedrigem Gaspreis
  • mögliche Anlageorte: Heizzentrale, Technikräume, Container im Außenbereich

Windenergie

Windkraftanlage (Foto: NRW.BANK)
  • bei durchgängigem Strombedarf (Tag und Nacht)
  • Planungssicherheit durch konstante Stromerträge
  • mögliche Anlageorte: Freifläche, frei angeströmtes Dach (bei Kleinwindanlagen)

Wasserkraft

Wassermühle (Foto: NRW.BANK)
  • bei durchgängigem Strombedarf (Tag und Nacht)
  • Planungssicherheit durch konstante Stromerträge
  • möglicher Anlageort: in Fließgewässern mit ausreichendem Gefälle und entsprechendem Wasserdurchfluss

Speicher

Stromspeicher (Bild: Fotolia/tongpatong)
  • zur Ergänzung aller Technologien und Energieträger
  • bei Abweichung von Verbrauchs- und Erzeugungszeiten (Erhöhen der Eigenverbrauchsquote)
  • möglicher Anlageort: trockene und frostfreie Räume

Strom für den Eigenverbrauch zu produzieren – warum sollte sich ein Unternehmen damit beschäftigen?

Gianna Lara Bergmann: Weil es sich lohnen kann! Die Stromkosten werden dadurch geringer und besser kalkulierbar. Man wird weniger abhängig von den Stromversorgern und ihren tendenziell steigenden Preisen. Zudem sparen Prosumenten, wie wir diejenigen nennen, die zugleich produzieren und konsumieren, bei regenerativ erzeugten Energien die Netzentgelte und 60 Prozent der EEG-Umlage.

Ganz neu dürfte für viele Unternehmen die Thematik nicht sein. Schließlich stehen schon auf vielen Werkshallen Photovoltaik-Anlagen, …

Lisa Conrads: … die den Strom ins öffentliche Netz einspeisen. Die Pioniere von damals profitieren von der für 20 Jahre festgeschriebenen Vergütung. Doch diese ist für Neuanlagen nicht mehr so hoch wie früher. Man bekommt je nach Anlagengröße und Datum der Inbetriebnahme teilweise weniger als die Hälfte für den eingespeisten Strom gegenüber den Anfangstagen. Trotz allem können diese „Volleinspeiseanlagen“ durchaus rentabel sein, da die Kosten für PV-Anlagen ebenfalls stark gesunken sind.

Gianna Lara Bergmann: Die Rechnung hat sich umgekehrt: Je mehr Strom ich selbst verbrauche und je weniger Strom ich dazukaufen muss, desto rentabler ist es, seinen Strom selbst zu produzieren. Relevante Faktoren sind unter anderem der Stromverbrauch über das ganze Jahr betrachtet, der Strompreis und die Art des bisherigen Stromliefervertrags und die zeitliche Verteilung des Stromverbrauchs am Tag. Das muss man sich im Einzelfall genau anschauen.

Können Sie ein Beispiel nennen?

Lisa Conrads: In unserer Broschüre „Eigenversorgung mit Strom in Gewerbe und Industrie“ haben wir einige Beispielprojekte aufgeführt – darunter eines beim Maschinenbauunternehmen Kitz GmbH in Troisdorf. Zur Herstellung von aluminiumprofil-basierten Modulen und Komponenten für die Fabrikautomation braucht das Unternehmen 915.000 Kilowattstunden (kWh) Strom im Jahr. Dafür zahlte es zuletzt 17 Cent pro kWh – macht 155.500 Euro pro Jahr.

Um diese hohen Energiekosten zu reduzieren, investierte die Kitz GmbH 400.000 Euro in eine Photovoltaikanlage, die – obwohl der Anlagenstandort nicht optimal ist – im Jahr rund 300.000 kWh Strom produziert und somit etwa ein Drittel des benötigten Stroms. Dabei liegen vor dem Hintergrund der Investition die Stromproduktionskosten bei 10,75 Cent pro Kilowattstunde. Nach 9,1 Jahren hat sich alles amortisiert.

Gianna Lara Bergmann: Photovoltaik-Anlagen sind nicht die einzige Stromquelle zur Eigenversorgung. Oft kommen auch gasbetriebene Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen (KWK) in Betracht, die gleichzeitig Wärme und Strom produzieren. Sie lohnen sich dort, wo viel Wärme benötigt wird – etwa in Hotels, Wäschereien oder Betrieben, die Prozesswärme benötigen.

Wind- und Wasserkraft sind für Prosumenten unter den Unternehmen eher ein Nischenthema, weil hier die Genehmigungsverfahren enorm aufwändig sind oder die örtlichen Begebenheiten sie nicht zulassen. Energieberater und auf energetische Konzepte spezialisierte Unternehmen helfen dabei, die beste Lösung finden. Möglich ist auch, sogenannte Contractoren als externe Partner einzubinden, die alle Investitionen übernehmen.

Unternehmen, die sich mit Strom aus regenerativen Energiequellen selbst versorgen, dürften zumindest beim Thema Klimaschutz nur selten ein Imageproblem haben.

Lisa Conrads: Die verbesserten Umweltwerte durch Eigenversorgung können in diversen Audits und Zertifikaten genutzt werden, die dem Unternehmen Wettbewerbsvorteile bringen. Viele Kunden fragen heute die Nachhaltigkeit ab: Im B2B-Bereich findet die Nachhaltigkeit von Lieferanten und Partnern Einzug in den eigenen Nachhaltigkeitsbericht.

Und im B2C-Bereich trifft das Unternehmen auf eine Kundschaft, die Engagement für Umweltschutz nicht nur verstärkt einfordert, sondern auch als Lebenshaltung vor Augen führt. Das macht sich beispielsweise eine Brauerei in Warburg zu nutze, die mit „lizensiertem Solarbier“ wirbt.

    

Broschüre

Die Broschüre „Eigenversorgung mit Strom in Gewerbe – ein sinnvolles Konzept!“ zeigt anhand von Projektbeispielen die Dimensionierung und Wirtschaftlichkeit von Eigenversorgungsanlagen. Aufbauend auf der Broschüre unterstützt die EnergieAgentur.NRW Unternehmen gerne bei einer ersten Einschätzung, in welcher Form die Eigenversorgung mit Strom in ihrem Fall sinnvoll sein kann.

 

Stand: 7. Mai 2018

 

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