Im Vergleich: Leicht- und Massivbauweise
Die meisten Wohngebäude sind in Massivbauweise konstruiert – aber die Leichtbauweise wird zusehends beliebter. Foto: Bernd_Leitner/Fotolia.com

Serie: Nachhaltiges Bauen - Teil 2

Leicht- und Massivbauweise im Vergleich

Welche Bauweise ist für umweltschonendes und energieeffizientes Bauen eigentlich besser? Massiv- oder Leichtbau? Ein eindeutiges Urteil fällt für Wohngebäude schwer. Für „leichte“ Holzhäuser spricht zum Beispiel, dass hierfür ein nachwachsender Rohstoff verwendet wird, der eine neutrale CO₂-Bilanz aufweist. Bei der Massivbauweise hingegen wirken die lange Lebensdauer und die Stabilität nachhaltig, auch in Sachen Wärmespeicherung und Schallschutz gibt es hier Vorteile. Beide Konstruktionsweisen haben spezifische ökologische Stärken und Schwächen.

Circa 85 Prozent der Wohngebäude werden in Massivbauweise errichtet. Massivhäuser werden mit Mauerwerk konstruiert, also Mauersteinen oder Beton. Bei solchen Gebäuden erfüllen raumabschließende Elemente wie Wände und Decken gleichzeitig auch die statisch tragende Funktion.

Bei der Leichtbauweise bestehen die Häuser im Wesentlichen aus Holz und Gipsbauplatten. Tragende Wände werden bei dieser Konstruktionsweise aus Holzständern gefertigt. Deshalb wird hierfür auch der Begriff Skelettbau verwendet.

Planung, Konstruktion und „graue Energie“

Bei der Massivbauweise kommen weniger vorgefertigte industrialisierte Materialien zum Einsatz. Dadurch verlängert sich insgesamt die Bauzeit, selbst wenn die Planungsphase wegen der einfacheren Baudetails schneller geht. Durch den höheren Vorfabrikationsanteil und einen geringeren Transportaufwand ist die Errichtungsphase bei der Leichtbauweise hingegen alles in allem kürzer. Der Zeitaufwand durch anspruchsvolle Planungsarbeiten wird dadurch mehr als ausgeglichen. Leichtbauhäuser gelten außerdem als besser um- und rückbaufähig.

Ein wichtiger Indikator für die Umweltbelastung durch ein Haus ist die sogenannte graue Energie. Dabei handelt es sich um die gesamte Energie, die für die Herstellung der Baumaterialien, den Transport, den Bau sowie den Abriss und die Entsorgung eines Gebäudes verbraucht wird. Massivbauten benötigen in etwa ein Fünftel mehr „graue Energie“ als Leichtbauten. Allerdings ist letztlich die Gebäudeform für diese Verbrauchsbetrachtungen ausschlaggebend, weniger die Konstruktionsmethode. Kompakte, würfelförmige Gebäude benötigen insgesamt ein Drittel weniger Energie als verwinkelte, längliche Bauten.

Heizen, Wärme, Luft

„Um einen geringeren Energieverbrauch zu erreichen, sind beide Bauweisen mit einer nach heutigen Standards guten Gebäudedämmung geeignet“, erklärt Dirk Mobers von der EnergieAgentur.NRW. Bei Massivbauten wird dieses in der Regel durch ein verputztes Wärmedämmverbundsystem auf der Außenwand erreicht. In der Leichtbauweise werden die Zwischenräume der Tragkonstruktionen zur Dämmung genutzt. Hier können, durch schlankere Konstruktionen im Vergleich zur Massivbauweise, sehr gute Dämmwerte erreicht werden. Da in Leichtbaugebäuden die Wärmespeicherfähigkeit in der Regel niedriger ist, machen sich durch die verbesserte Dämmung einerseits Temperaturschwankungen aber auch „solare Gewinne“ infolge erhöhter Absorption von Sonnenenergie schneller bemerkbar. Bei Leichtbaukonstruktionen – wie auch dem Sparrendach des Massivbaus – ist auf die gute Luftdichtheit zu achten, damit keine Raumluftfeuchte in der Dämmung kondensiert und zu Bauschäden führt.

Ruhe und Behaglichkeit

Neben der Energieeffizienz spielt für jeden Bauherren natürlich der Wohnkomfort eine entscheidende Rolle. Und was Behaglichkeit, Lichtverhältnisse, Raumstruktur und verbaute Materialien angeht, lassen sich mit beiden Bauweisen gleich gute Ergebnisse erzielen.

Einzig beim Schallschutz ist eindeutig die Massivbauweise im Vorteil. Gleichwertige Anforderungen lassen sich bei Leichtbauweise nur durch zusätzliche Lärmschutzmaßnahmen erfüllen. Dadurch steigt aber letztlich auch die „graue Energie“ des Gebäudes.

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Serie Nachhaltiges Bauen

Teil 1: Was umfasst nachhaltiges Bauen?
Teil 2: Leicht- und Massivbauweise im Vergleich
Teil 3: Holz, Lehm & Co.: Vor- und Nachteile von ökologischen Baustoffen
Teil 4: Gebäude intelligent dämmen
Teil 5: Umweltfreundliche Materialien für den Innenausbau
Teil 6: Dicke Luft muss nicht sein – Tipps für gutes Raumklima
Teil 7: Gut gedeckt – auf das richtige Dach kommt es an
Teil 8: Heizenergien der Zukunft
Teil 9: Langfristig sparen durch energieeffiziente Häuser
Teil 10: Investitionen in die Zukunft einer Immobilie

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Immer häufiger Mischformen

In der Regel ist der Leichtbau gegenüber dem Massivbau kostengünstiger. Zudem lassen sich hier auch ökologische Anforderungen leichter umsetzen. In der Praxis werden beide Methoden häufig vermischt: zum Beispiel bei Gebäuden mit gemauerten oder betonierten Innenwänden und Decken kombiniert mit nichttragenden Elementen in Holzbauweise. Die Holzbauteile übernehmen dabei hauptsächlich die Funktion des Wärmeschutzes und Raumabschlusses nach außen, wobei die massiven Baustoffe für tragende Funktionen und zur Aufnahme von Horizontallasten notwendig sind sowie Wärmespeicherkapazitäten haben und schalldämmend wirken können. Neben einer ansprechenden Architektur lassen sich durch Mischbauweise wirtschaftliche, energetische und ökologische Vorteile beider Systeme nutzen.

Unterstützung der NRW.BANK

Ob Neubau oder Sanierung eines bestehenden Objekts, Wohn- oder Gewerbegebäude, Massiv- oder Leichtbauweise – die NRW.BANK bietet Förderprogramme für energieeffizientes und umweltgerechtes Bauen an. Die Finanzierungsinstrumente sind unter bestimmten Voraussetzungen auch mit weiteren Maßnahmen kombinierbar. Einen vollständigen Überblick und wichtige Details finden Sie auf unserem Internetportal unter der Produktsuche.

Stand: 13. Juni 2017

Logo Serie Nachhaltig bauen (Bild: NRW.BANK)

Serie

Die Serie „Nachhaltiges Bauen“ gibt einen Überblick über ressourcenschonendes und energieeffizientes Bauen und Sanieren. Welche bewährten, wiederentdeckten und neuen Baustoffe sind zeitgemäß? Wie lassen sich Folge- und Nutzungskosten berechnen? Wann hilft eine Dämmung, wann schadet sie? Was für verschiedene Typen von Energieeffizienzhäusern gibt es? Wie fördert die NRW.BANK die Bauherren? Antworten auf diese und andere Fragen liefert Ihnen die NRW.BANK in Kooperation mit der EnergieAgentur.NRW in dieser Serie.

Förderprogramme und -produkte für Maßnahmen im Bereich regenerativer Energien:

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