Das NRW.BANK.ifo-Geschäftsklima gibt Aufschluss über die bevorstehende wirtschaftliche Entwicklung
Martin Helfrich, Research der NRW.BANK (Bild: NRW.BANK)

Mittelstand

NRW.BANK.ifo-Geschäftsklima: Wirtschaft blickt optimistisch nach vorn

7.000 deutsche Unternehmer stehen Monat für Monat dem ifo Institut aus München Rede und Antwort, davon rund 1.000 Unternehmer aus Nordrhein-Westfalen. Aus den gesammelten Informationen wird auf Bundesebene das ifo-Geschäftsklima errechnet. Für Nordrhein-Westfalen erstellt das ifo Institut im Auftrag der NRW.BANK das NRW.BANK.ifo-Geschäftsklima. Dieser regionale Indikator gibt Aufschluss über die aktuelle und bevorstehende wirtschaftliche Entwicklung im Bundesland. Was die Zahlen aussagen und wie Unternehmer diese nutzen können, erklärt Martin Helfrich, Leiter des Teams Research der NRW.BANK, im Gespräch.

Herr Helfrich, wie es aussieht, ist die Stimmung in den nordrhein-westfälischen Unternehmen zurzeit ziemlich gut.

Martin Helfrich: Das stimmt. Im April bewerteten die Unternehmen ihre aktuelle Geschäftslage so gut wie noch nie seit Beginn der Erhebung im Jahr 1991. Zwar konnte das Ergebnis im Mai nicht ganz gehalten werden, dafür schauen die Unternehmen jetzt noch optimistischer in die Zukunft.

 

Was sind die Gründe für diese Entwicklung?

Martin Helfrich: Für die positive Entwicklung sind mehrere Faktoren verantwortlich: Der Arbeitsmarkt ist in weiten Teilen Nordrhein-Westfalens in einer ordentlichen Verfassung. Beispielsweise ist die Arbeitslosenquote so gering wie Anfang der 1990er. Entsprechend stark zeigt sich die Binnenkonjunktur, die auch von den niedrigen Zinsen profitiert. In der Bauwirtschaft ist die Lage – bedingt durch die vielen Zuzüge und die günstigen Zinsen – so gut wie lange nicht. Die optimistischeren Einschätzungen für die anstehenden Monate sind zudem vor dem Hintergrund der politischen Entwicklungen zu sehen. Nach den Wahlen in den Niederlanden und Frankreich haben sich die politischen Rahmenbedingungen in der EU ein Stück gefestigt. Hinzu kommt die anziehende globale Konjunktur. NRW profitiert dabei insbesondere von dem robusten Wachstum in der EU, denn ein Großteil unserer Exporte geht in die Nachbarländer. Dämpfend wirken hingegen nach wie vor die wirtschaftlichen Unsicherheiten in Bezug auf die USA und den Brexit.

 

Im Mai 2017 lag der Saldo des NRW.BANK.ifo-Geschäftsklimas bei 16,9 Saldenpunkte. Wie gut oder wie schlecht ist das genau?

Martin Helfrich: Vereinfacht ausgedrückt bedeutet ein Wert größer Null, dass es mehr Unternehmen gibt, die das Geschäftsklima gut beurteilen als Unternehmen, die es schlecht beurteilen. Wenn wir die 16,9 Punkte zudem mit dem langjährigen Mittelwert vergleichen, ist das ein sehr guter Wert. Der Durchschnitt seit 1991 liegt bei -5,4.

Welche weiteren Schlüsse kann ein Leser aus den aktuellen Zahlen ziehen?

Martin Helfrich: Ein Unternehmer kann anhand der Zahlen zum Beispiel einschätzen, ob seine eigenen Erwartungen mit den Erwartungen anderer Unternehmer übereinstimmen. In der Folge kann er Maßnahmen ergreifen, um das Unternehmen für bevorstehende konjunkturelle Schwankungen zu wappnen – beispielsweise durch die Anpassung der Kapazität bei einer sich ändernden Nachfrage. Auch für uns als Förderbank sind diese Aussagen interessant, weil wir so frühzeitig wirtschaftspolitischen Handlungsbedarf identifizieren können.

 

Die NRW.BANK liefert mit dem NRW.BANK.ifo-Geschäftsklima eine landesspezifische Auswertung der bundesweiten ifo-Zahlen. Warum ist eine solche Auswertung wichtig?

Martin Helfrich: Nordrhein-Westfalen hat eine besondere wirtschaftliche Struktur, die auf diesem Weg berücksichtigt wird. Zudem können wir mit der Auswertung regionale Abweichungen vom Bundestrend identifizieren. Wir stellen auf diesem Weg aber noch mehr wertvolle Informationen für die Konjunkturanalyse zur Verfügung: Sei es zur Kapazitätsauslastung, zur Nachfrageentwicklung oder zur Preisentwicklung.

 

Liefern Sie denn mit der Auswertung auch branchenspezifische Erkenntnisse?

Martin Helfrich: Die Daten liegen für viele Branchen des Verarbeitenden Gewerbes vor, beispielsweise für den Maschinenbau oder die Möbelindustrie. Auch das Baugewerbe und der Handel werden befragt. Unternehmer erhalten mit den Zahlen also auch Einschätzungen aus ihrer eigenen Branche.

 

Wie komme ich an die Daten?

Martin Helfrich: Auf unserer Internetseite stehen alle Informationen bereit. Natürlich kostenfrei. Und die Schnellmeldung kann jeder ganz einfach abonnieren. Die wichtigsten Informationen gibt es dann monatlich per E-Mail.

 

Stand: 7. Juni 2017

NRW.BANK.ifo-Geschäftsklima

Das NRW.BANK.ifo-Geschäftsklima ist ein Frühindikator für die konjunkturelle Entwicklung in Nordrhein-Westfalen. Hierfür befragt das ifo Institut im Auftrag der NRW.BANK monatlich ca. 1.000 nordrhein-westfälische Unternehmen aus dem Verarbeitenden Gewerbe, dem Bauhauptgewerbe sowie dem Groß- und Einzelhandel. Alle Informationen und Auswertungen finden Sie auf unserer Internetseite unter www.nrwbank.de/ifo. Dort können Sie monatliche Schnellmeldungen genauso abrufen wie ausführliche Berichte, Detailauswertungen für einzelne Wirtschaftszweige und das zugrunde liegende Datenmaterial.
Sie können zudem die monatlich erscheinende Schnellmeldung per Mail abonnieren. Hierfür bitten wir um eine E-Mail an folgende Adresse: research@nrwbank.de

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