In Dorsten wurde die Zeche Fürst Leopold zum Kreativquartier umgebaut und entwickelt sich zum Highlight in der Stadt
Christian Plümpe, einer der Geschäftsführer der Betreibergesellschaft Prisma GmbH & Co. KG (Bild: NRW.BANK)

Kommunen

Kreativquartiere: Neuer Anziehungspunkt für Dorsten

„Jede mittelgroße Stadt verträgt ein Kreativquartier“, ist Christian Plümpe überzeugt. „Kreative Menschen sind ja kein Phänomen, das sich auf Köln oder Berlin beschränkt.“ Christian Plümpe ist einer der Macher des CreativQuartiers Fürst Leopold in Dorsten, das sich in kurzer Zeit zu einem beliebten Treffpunkt in der Stadt gemausert hat.

Im Erdgeschoss der großen, denkmalgeschützten Verwaltungsgebäude haben sich Cafés und Restaurants niedergelassen, riesige Platanen spenden an warmen Sommertagen Schatten – der Platz im Herzen der ehemaligen Zeche Fürst Leopold hat sich gemacht. „An schönen Tagen haben wir bis zu 10.000 Besucher“, ist Christian Plümpe zufrieden.

Das CreativQuartier Fürst Leopold vereint Kunst, Kultur, Gastronomie und Handel (Bild: Prisma Verwaltungs GmbH) Das CreativQuartier Fürst Leopold vereint Kunst, Kultur, Gastronomie und Handel (Bild: Prisma Verwaltungs GmbH)
Das alte Trafogebäude der Zeche Fürst Leopold bietet den Kulturschaffenden Platz für ihre Arbeitsräume (Bild: NRW.BANK) Das alte Trafogebäude der Zeche Fürst Leopold bietet den Kulturschaffenden Platz für ihre Arbeitsräume (Bild: NRW.BANK)
Ein Blick in das Atelier des künstlerischen Leiters Norbert Then (Bild: NRW.BANK) Ein Blick in das Atelier des künstlerischen Leiters Norbert Then (Bild: NRW.BANK)

Zuvor lag das Gelände lange im Dornröschenschlaf: 2001 wurde die Zeche Fürst Leopold am Rande der Stadt Dorsten geschlossen. Es begann die Suche nach Ideen für eine Revitalisierung. Für den Dorstener Unternehmer Jürgen Tempelmann und seine Geschäftspartner Christian Plümpe und Ralf Ehlert eine Aufforderung zum Handeln: Gemeinsam wurde ein Konzept für die Zukunft des Areals auf rein privatwirtschaftlicher Basis entwickelt. 2008 erwarb ihr Unternehmen, die Prisma GmbH & Co. KG, das Gelände – der Startschuss für das neue CreativQuartier Fürst Leopold. Neben der Entwicklung eines Nutzungskonzepts war eine der größten Herausforderungen, bei den Banken Vertrauen in die Idee aufzubauen: „Die Gebäude stellen keine werthaltige Sicherheit dar. Die Idee musste überzeugen.“

CreativQuartier setzt auf Kultur

Und das tat sie: Die Entwicklung zu einem abwechslungsreichen Treffpunkt mit interessanten Veranstaltungen war wichtig, „um ein breit gefächertes Publikum hierher zu locken“, so Christian Plümpe. „Ansonsten würde die Kernidee des CreativQuartiers, Künstler und kleine Kreativunternehmen nach vorne zu bringen, nicht funktionieren.“ Dazu wurden in den ehemaligen Verwaltungsgebäuden 20.000 Quadratmeter Fläche wieder nutzbar gemacht, inzwischen haben dort Künstler rund 50 Ateliers und Büros in der ehemaligen Lohnhalle bezogen.

Christian Plümpe in der Lohnhalle (Bild: NRW.BANK) Christian Plümpe in der Lohnhalle (Bild: NRW.BANK)

Den Anfang machte der Künstler Norbert Then, der im alten Trafogebäude sein Atelier und seine Traumfänger-Galerie eröffnete. Er hat die künstlerische Leitung der Zeche inne, wählt mit aus, welche Kulturschaffenden hier ihr Atelier einrichten dürfen. „Wir suchen bewusst Künstler, die das Ziel haben, von ihrer kreativen Arbeit leben zu können“, so Norbert Then. „Deshalb achten wir sehr auf die Qualität.“ Dahinter steckt die Idee, das CreativQuartier auch als neuen Weg für den Kunstmarkt zu etablieren. Dazu entstand zum Beispiel die Ruhrstadtgalerie, die riesige Ausstellungsflächen bietet. Außerdem wird einmal im Monat zum „Kunst-Rapport“ in die sehenswerte Lohnhalle gerufen. Dann sind alle Ateliers geöffnet und die Künstler geben Einblick in ihre Arbeit.

Von Konzerten über Theater, Tanz und Kunst bis Messen und Märkte

Inzwischen haben sich über 60 Kreativunternehmen von Medienagenturen über Fotografen bis hin zu Webdesignern und Restauratoren sowie vier Gastronomien im CreativQuartier niedergelassen. Wöchentlich finden Veranstaltungen statt: von Konzerten und Theater-Shows über Tanzveranstaltungen und Kunst-Ausstellungen bis zu Messen und Märkten.

Aktuell entwickelt sich auf dem riesigen Areal um die Zeche herum ein Gewerbegebiet, und 2017 war Baubeginn des neuen WohnQuartiers Fürst Leopold und der Bellini-Seniorenresidenz Fürst Leopold, das 2018 eröffnet.

Kreativwirtschaft ist Zukunftsbranche

Mit der Quartiersentwicklung wird noch ein übergeordnetes Ziel verfolgt: Das gesamte Kreativquartier ist unter Obhut der von Jürgen Tempelmann gegründeten Ruhrstadt-Stiftung. Die Stiftung sieht ihr Engagement im Beitrag zur Schaffung zukunftsfähiger kulturlandschaftlicher und städtischer Strukturen im Ruhrgebiet. Dazu sollen die Belange der Denkmalpflege auch unter Berücksichtigung von Kunst und Kultur (Architektur), Natur- und Landschaftsschutz, der Heimatpflege sowie der Erziehung und Bildung gefördert werden. Unter diesem Leitsatz wurde die ehemalige Zeche Fürst Leopold in den letzten Jahren revitalisiert.

Dahinter steckt die Überzeugung, mit der Kreativwirtschaft auf eine Zukunftsbranche zu setzen: „Das ist im Moment vielleicht nicht so ein wichtiger Wirtschaftsfaktor, aber mit Blick in die Zukunft ein sehr interessanter“, so Christian Plümpe. Die Zahlen geben ihm recht: Mit knapp drei Prozent trägt die Branche laut Kreativ-Report NRW einen kleineren Teil zur Bruttowertschöpfung Nordrhein-Westfalens bei, jedoch arbeiten hier schon 165.000 Menschen, verteilt auf rund 52.000 Unternehmen. Nach den Krisenjahren bis 2010 erholte sie sich schneller als andere, die Zahl der Arbeitsplätze steigt überdurchschnittlich.

Stand: 7. August 2018

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