NRW.BANK.Seed Fonds - Investition in technologieorientierte Unternehmen
Dr. Claas Heise ist bei der NRW.BANK für Beteiligungen des Seed Fonds zuständig (Bild: NRW.BANK)

Innovation

Seed Fonds der NRW.BANK unterstützt Hochtechnologien

Von der Idee bis zum fertigen Produkt liegt viel Entwicklungsarbeit: Mit dem NRW.BANK.Seed Fonds unterstützt die Förderbank für Nordrhein-Westfalen diese frühe Phase technologieorientierter Unternehmen über derzeit elf regionale Seed Fonds.

„Gerade junge Unternehmen mit einem chancenreichen technologischen Kern haben – branchenunabhängig – oft keine banküblichen Sicherheiten und kein marktreifes Produkt“, erklärt Dr. Claas Heise. Er ist bei der NRW.BANK für Venture Capital-Investments verantwortlich – und damit auch für das Engagement des NRW.BANK.Seed Fonds, der ausschließlich über regionale Seed Fonds investiert, an denen sich neben der NRW.BANK Sparkassen und Privatinvestoren beteiligen. Das Ziel: „Technologie und Innovation zu fördern – und gleichzeitig den Strukturwandel zu unterstützen“, berichtet Heise. Mittlerweile ist der NRW.BANK.Seed Fonds in die dritte Generation gestartet.

Antragsberechtigt sind beispielsweise Unternehmen aus den Bereichen Informations- und Softwaretechnologie, Mikro- und Nanotechnologie, Biotechnologie und Robotertechnik, Life Sciences und Medizintechnik, die nicht älter als 18 Monate alt sind. Das Investitionsvolumen pro Unternehmen beträgt üblicherweise bis zu 500.000 Euro im ersten Schritt und bis zu 1,5 Millionen Euro über mehrere Finanzierungsrunden.

Junge Unternehmen anschieben

Schon die erste und zweite Generation mit elf regionalen Seed Fonds war ein Erfolg: Mit den 30 Millionen Euro aus dem Fonds konnten insgesamt 75 Millionen Euro aktiviert werden, die in Hightechunternehmen investiert wurden. Darunter befanden sich auch viele Biotechnologie- oder Medizintechnikunternehmen. Ein beteiligter Partner war Ernst G. Mayer, damals Geschäftsführer der Sirius Venture Partners und Fondsmanager des Sirius Seed Fonds Düsseldorf. „Wir sind direkt in die Unternehmen eingebunden“, erzählt er. „Wir beteiligen uns an Strategiesitzungen genauso wie wir bei der Suche nach neuen Köpfen für ein Team helfen. Oder wir machen Mediationen, wenn es Stress im Team gibt. Aber die Gründer müssen unsere Präsenz schon aktiv einfordern.“

Genau das zeichnet die Seed Fonds aus: „Wir haben uns für eine regionale Struktur der Seed Fonds entschieden, weil dann die Fonds räumlich näher an den Gründerteams dran sind“, sagt Claas Heise. „So junge Unternehmen wachsen und häuten sich schnell. Damit muss man umgehen können. Das ist sehr anspruchsvoll.“ Dass die Ergebnisse der Produktentwicklung und ihr Potenzial am Markt nicht genau einschätzbar sind, erhöht das Risiko der Seed Fonds. „Da darf man sich keine Illusionen machen: 50 Prozent der Projekte gehen daneben“, berichtet Ernst Mayer. Doch scheitern die Unternehmen seltener an einer nicht realisierbaren Technologie: „Andere Probleme sind häufiger der Grund. Es kommt vor, dass Teams auseinanderbrechen, weil untereinander Neid aufkommt, dass Managementfehler gemacht werden und nicht rechtzeitig nach Lösungen für Probleme gesucht wird. Und es gibt immer wieder Fälle, in denen die Teams nicht mit einer Seed Fonds-Finanzierung klarkommen.“

„Die Chemie muss stimmen“

„Ein Seed Fonds ist nicht der richtige Weg, wenn man ein Unternehmen aufbauen möchte, welches man keinesfalls verkaufen und in dem man die gesamte unternehmerische Freiheit selbst gestalten möchte“, erklärt Claas Heise. „Denn die Inhaber müssen Anteile am Unternehmen abgeben, um dafür Investoren Mitspracherechte zu erhalten.“ Entsprechend schwierig ist es, geeignete Unternehmen für eine Seed Fonds-Finanzierung zu finden. „Die wichtigste Grundvoraussetzung für eine Beteiligung ist, dass es menschlich funktioniert“, stellt Ernst Mayer klar. „Die Chemie muss stimmen.“ Rund werde das Bild, wenn der Gründer eine Idee hat, die auch zu ihm passe. Bis zum Auslaufen des Fonds nach etwa zehn Jahren müssen die Anteile wieder veräußert sein – meist wird das gesamte Unternehmen an ein Großunternehmen verkauft, manchmal werden auch die Anteile des Seed Fonds an das Unternehmen zurückverkauft. Ernst Mayer: „Wir können nur Unternehmen aufnehmen, die in unsere Exit-Strategie passen.“ Die also eine interessante Veräußerungsperspektive nach der üblichen Beteiligungsdauer von rund sieben Jahren bieten – gleich, ob diese Option dann gezogen wird.

 

Stand: 1. Dezember 2017

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