Thorsten Hülsmann, Geschäftsstellenleiter Metropole Ruhr bei Digital in NRW, über die Digitalisierung von Geschäftsmodellen
Thorsten Hülsmann, Geschäftsstellenleiter Metropole Ruhr im Projekt „Digital in NRW“ (Bild: EffizienzCluster Management GmbH)

Innovation

Digitalisierung für das eigene Geschäftsmodell nutzen

Wie verändert die Digitalisierung Unternehmen und wie wirkt sie sich auf Geschäftsmodelle aus? Thorsten Hülsmann, Geschäftsstellenleiter Metropole Ruhr im Projekt „Digital in NRW“, begleitet mittelständische Unternehmen mit praxisnahen Angeboten auf dem Weg zur Industrie 4.0 und hilft ihnen, eine digitale Strategie zu erarbeiten.

Herr Hülsmann, was genau ist Industrie 4.0 und wo wird sie schon jetzt eingesetzt?

Thorsten Hülsmann: Industrie 4.0 beschreibt die vierte Entwicklungsstufe der industriellen Produktion. Akteure, Maschinen und industrielle Prozesse sind intelligent miteinander vernetzt und können sich autonom und selbstständig austauschen. Unternehmen setzen zum Beispiel Datenbrillen in der Fertigung oder bei der Kommissionierung ein. Die mit der Datenbrille erfassten Informationen können dann direkt an die Instandhaltung oder den Einkauf weitergeleitet werden.

 

Vernetzung ist das große Stichwort. Wie wirkt sich die Digitalisierung auf den Mittelstand aus? Welche Vorteile ergeben sich daraus?

Hülsmann: Für den Mittelstand wirkt sich die Digitalisierung gleich zweifach aus: Erstens werden mittels der Digitalisierung industrielle Prozesse effizienter gestaltet und die Vernetzung verbessert. Zweitens nimmt die Digitalisierung Einfluss auf Produkte und Dienstleistungen. Unternehmer haben die Möglichkeit, ihr Geschäftsportfolio zu erweitern und neuartige Geschäftsmodelle zu entwickeln.

 

Digital in NRW – das Kompetenzzentrum für den Mittelstand

„Digital in NRW“ ist ein Projekt des Bundeswirtschaftsministeriums, das die Themen Digitalisierung und Vernetzung für kleine und mittlere Unternehmen in Form von konkreten Technologien und Konzepten aufbereitet. Das Expertennetzwerk bündelt das Fachwissen von neun Projektpartnern aus den Regionen Rheinland, Metropole Ruhr und Ostwestfalen-Lippe, unter anderem das Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik IML, die EffizienzCluster Management GmbH in Dortmund oder das Werkzeugmaschinenlabor WZL an der RWTH Aachen. Es bietet 21 kostenlose Services zur Umsetzung der Digitalisierung an, zum Beispiel Unternehmenssprechstunden, Konzeptionsworkshops, Fachtagungen, Führungen durch Demonstrationszentren und Roadshows.

Weitere Informationen unter www.digital-in-nrw.de

Inwiefern ändern sich dadurch Geschäftsmodelle von kleinen und mittleren Unternehmen?

Hülsmann: Eine Firma für Klimatechnik kann beispielsweise ihr Portfolio von der Produktion von Lüftungsanlagen um die Wartung und Instandhaltung erweitern, weil sie durch neuartige, intelligente Sensoren dauerhafte Messungen selbst generieren kann und dafür nicht mehr auf Fremdfirmen angewiesen ist. Die Herausforderung ist, digitale Technologien in das traditionelle Geschäft zu integrieren und Bestandsmodelle digital zu transformieren.

 

Wie gut ist der Mittelstand auf die digitale Transformation eingestellt?

Hülsmann: Laut der Studie „Digitale Strategie 2025“ des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) von 2016 haben rund die Hälfte der kleinen und mittleren Unternehmen in Deutschland bereits eine digitale Strategie entwickelt.
Das bedeutet aber auch, dass die andere Hälfte der mittelständischen Unternehmen derzeit noch keine digitalen Aspekte in die Geschäftsstrategie integriert hat. Diese Unternehmer zögern und scheuen den Mehraufwand. Zusätzlich empfinden sie die Digitalisierung als Bedrohung, weil ihnen das Vertrauen in IT-Sicherheit und Datenschutz fehlt.

 

Viele Unternehmen haben Angst vor Cyberangriffen und Wirtschaftsspionage. Ist diese Angst unbegründet?

Hülsmann: Diese Angst ist nicht unbegründet. Laut Lagebericht des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) für 2015 ist die Gefährdungslage der IT-Sicherheit hoch. Demnach sind 61 Prozent der mittelständischen Unternehmen besonders stark von Spionage- oder Sabotageakten betroffen. Deshalb müssen Sicherheit und Datenschutz ab Beginn der Produktentwicklung und der Konzeption von Prozessen mitgedacht werden.

 

Was können Unternehmen für mehr IT-Sicherheit tun?

Hülsmann: Unternehmen sollten ihren Bedarf für IT-Sicherheit analysieren: Nutzen sie häufig mobile Endgeräte, sollten ihnen die konkreten Risiken ihres Betriebssystems bewusst sein. Rechner sind mit Firewalls und regelmäßigen Updates zu sichern. Mindestens genauso wichtig wie die IT-Infrastuktur sind die Mitarbeiter: Sie müssen Richtlinien erhalten, aufgeklärt und sensibilisiert werden – beispielsweise gegenüber unüberlegtem Öffnen von Phishing-Mails. Wichtig sind vor allem ausgebildete Mitarbeiter, die die IT-Prozesse kennen und steuern können.

Dass die Mitarbeiter eine wichtige Rolle bei der IT-Sicherheit einnehmen, wurde auch beim NRW.Symposium deutlich: Rund 200 Unternehmer diskutierten Mitte Januar 2017 in der NRW.BANK über Schutzmöglichkeiten durch Cyber-Kriminalität.

Wie können sich Unternehmen in Zeiten von Industrie 4.0 vor Cyper-Attacken schützen? Antworten lieferten Experten beim NRW.Symposium 2017 am 12. Januar 2017 in der NRW.BANK in Düsseldorf.

Stand: 10. Oktober 2017

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