Interview mit Wolfgang Kintzel, Teamleiter Life Sciences und Cleantech bei der NRW.BANK, über Risikokapital für technologische Gründungen
Wolfgang Kintzel, Teamleiter Life Sciences und Cleantech bei der NRW.BANK (Bild: NRW.BANK / Lokomotiv)

Innovation

Eigenkapital für Gründungen mit technologischem Kern

Mit einer Vielzahl an Hochschulen und einer starken Wirtschaftsstruktur bietet Nordrhein-Westfalen Start-ups, insbesondere aus der Medizin- und Biotechnik oder der Umwelttechnologie, die besten Voraussetzungen für eine erfolgreiche Gründung. Dennoch fehlt es Wissenschaftlern und Forschern mit vielversprechenden Ideen häufig an Eigenkapital und Netzwerken, um neue Produkte zur Marktreife entwickeln und international vermarkten zu können. Im Gespräch erläutert Wolfgang Kintzel, Teamleiter Life Sciences und Cleantech, wie die NRW.BANK technologieorientierte Gründer unterstützt.

Wodurch unterscheiden sich Gründer in den Bereichen Life Sciences und Cleantech von anderen Start-ups?

Wolfgang Kintzel: Im Gegensatz zu Software- und IT-Gründern haben wir es überwiegend mit Wissenschaftlern zu tun, also Biologen, Medizinern, Chemikern oder Ingenieuren. Wir stellen ihnen als aktiver Investor einerseits Kapital zur Verfügung, damit sie ihre Technologien fit für den Markt machen können. Andererseits unterstützen wir sie bei allen unternehmerischen Fragen. Häufig fehlen den Forschern die Erfahrungen, wie Unternehmen aufgebaut und geleitet werden, außerdem wie Vermarktungsstrategien geplant und ausgeführt werden. Das Know-how der NRW.BANK ist dann eine große Hilfe. Zudem stellen wir über unsere Netzwerke Kontakte zu Vertriebspartnern und weiteren Investoren her.

 

Wie lange begleiten Sie solche Unternehmen?

Wolfgang Kintzel: Das kommt auf das jeweilige Segment und die Technologie an. Wenn Unternehmen in Frühphasen Startkapital über einen von uns mitfinanzierten Seed Fonds erhalten, kann unser Engagement bis zu sieben Jahre dauern. Finanzieren die Unternehmen Folgerunden und brauchen Risikokapital, dann investieren wir über den NRW.BANK.Venture Fonds durchaus bis zu zehn, elf Jahre lang. Dann sollten die Beteiligungen reif zum Verkauf oder für andere Exit-Kanäle, zum Beispiel einen Börsengang, sein.

 

In welchen Geschäftsfeldern sehen Sie große Potenziale?

Wolfgang Kintzel: Durch die stark alternde Gesellschaft fließt sinnvollerweise immer mehr Geld in Medizintechnik, Home Care, Medikamentenentwicklung und digitales Gesundheitswesen. Aber auch Agrartechnologien, Ressourcenschonung, Energieeffizienz und nachhaltige Wasserwirtschaft gewinnen an Bedeutung. Durch die Digitalisierung ergeben sich hierfür bislang ungeahnte Möglichkeiten. Sowohl im Bereich Life Sciences als auch im Bereich Cleantech verzahnen sich klassische Leistungen und Produkte mit digitalen Prozessen. In NRW sind die Voraussetzungen dafür sehr gut. Wir fördern solche Projekte und bringen Akteure unterschiedlicher Disziplinen zusammen.


Steht hierfür genug Kapital bereit?

Wolfgang Kintzel: In den USA gibt es mehr privates Risikokapital. Zwar ist hierzulande schon eine Trendwende erkennbar, aber wir haben noch deutlichen Nachholbedarf. Es gibt aktive Gründungsinitiativen, Business Angels, Venture-Capital-Fonds und Förderbanken wie die NRW.BANK. Dennoch brauchen wir verstärkt private Investitionen in Risikokapitalfonds mit Fokus auf Life Sciences, Cleantech und für digitale Geschäftsmodelle. Geld ist also limitiert, deshalb sollten sich Gründer breit vernetzen und bei passenden Gelegenheiten, zum Beispiel auf Messen oder Kongressen, aus der Masse hervorheben. Wir helfen dabei und stellen vielversprechende Projekte bei unseren Fonds und Business Angels Netzwerken vor. Gute Ideen gibt es in NRW viele, es kommt nur darauf an, sie den Investoren schmackhaft zu machen.

Stand: 4. April 2016

Wolfgang Kintzel (Bild: NRW.BANK / Lokomotiv) Wolfgang Kintzel

Zur Person

Der Diplom-Biologe Wolfgang Kintzel leitet seit September 2015 das Team Life Sciences und Cleantech im Bereich Unternehmens- und Infrastrukturfinanzierung der NRW.BANK. Er bringt 20 Jahre Erfahrungen bei international tätigen pharmazeutischen und medizinischen Unternehmen sowie der Biotechbranche mit. Bevor sein Weg zur NRW.BANK führte, hat Wolfgang Kintzel im Venture-Capital-Bereich als unabhängiger Industrieexperte auch mit den Mitarbeitern der Investment-Teams der NRW.BANK in mehreren Aufsichtsgremien zusammengearbeitet.

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