Emscher - "Köttelbecke" renaturiert
Aus der „Köttelbecke“ wird bis 2020 wieder die „blaue Emscher" (Bild: Rupert Oberhäuser)
Siegel: Energieeffizienz lohnt sich

Infrastruktur

Wie der Ruhrgebietsfluss Emscher wieder zu neuem Leben erweckt wird

Die Menschen im Ruhrgebiet kennen die Emscher unter dem Begriff „Köttelbecke“. Denn durch Bergbau und Industrialisierung musste der Fluss Anfang des 19. Jahrhunderts immer mehr Abwasser aufnehmen. Nach und nach verwandelte sich das Gewässer in eine Kloake. Heute wird die Emscher vom Wasserwirtschaftsverband Emschergenossenschaft im größten Infrastrukturprojekt Nordrhein-Westfalens von der Quelle in Holzwickede bis zur Emschermündung in den Rhein bei Dinslaken renaturiert mit Unterstützung des Landes über die NRW.BANK.

Ursprünglich bestand das Umland der Emscher aus morastiger Landschaft mit sumpfigem Wald, dem sogenanntem Bruchwald – deshalb erhielt das Gebiet den Namen Emscherbruch. Noch bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde der Emscherbruch als Wildbahn für Pferde, die Emscherbrücher, genutzt. Doch der ländliche Charakter der Region ging mit Beginn des Bergbaus verloren. Zechen und Industriebetriebe siedelten sich an und leiteten ihre Abwässer in die Emscher und ihre Nebenläufe ein. Durch Bergsenkungen in Folge des Kohleabbaus verschlechterte sich der Abfluss zum Rhein. Faulende Abwässer in überfluteten Senken führten zu untragbaren hygienischen Zuständen. Das Ruhrgebiet drohte ohne Kläranlagen an der Industrie mit ihrem Wasserbedarf zu ersticken. Das war die Gründungsstunde der Emschergenossenschaft.

Die Emscher als begradigter Flusslauf mit Betonsohlschalen in Dortmund-Mengede. (Foto: Emschergenossenschaft / Ilias Abawi) Die Emscher als begradigter Flusslauf mit Betonsohlschalen in Dortmund-Mengede. (Foto: Emschergenossenschaft / Ilias Abawi)
Die Kläranlage der Emschergenossenschaft an der Emschermündung in Dinslaken. (Foto: Emschergenossenschaft / Ilias Abawi) Die Kläranlage der Emschergenossenschaft an der Emschermündung in Dinslaken – kurz bevor der Fluß in den Rhein mündet. (Foto: Emschergenossenschaft / Ilias Abawi)

Gründung 1899

Unternehmen und Kommunen gründeten 1899 die Emschergenossenschaft, um den Fluss zu verkürzen, durch einen Betonkanal zu lenken und so den Abfluss zu beschleunigen. Fast ein Jahrhundert lang prägten die ausgebaute Emscher und ihre schnurgeraden Nebenläufe das Gesicht der Region. Eine unterirdische Abwasserführung war durch die anhaltenden Bergsenkungen nicht möglich. Geklärt wurden die Abwässer Anfang des 20. Jahrhunderts in sogenannten Emscherbrunnen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Emscherbrunnen mit biologischer Abwasserklärung verbunden, bis die Hauptlast der Abwasserreinigung ab 1965 überwiegend durch biologische Großkläranlagen übernommen wurde.

Die Kläranlage der Emschergenossenschaft in Bottrop. (Foto: Emschergenossenschaft / Stefan Bayer) Die Kläranlage der Emschergenossenschaft in Bottrop. (Foto: Emschergenossenschaft / Stefan Bayer)

Die Emscher der Zukunft

1991 beschloss die Genossenschaft den Umbau des Emschersystems. Erste ökologische und städtebauliche Impulse setzte bereits die Internationale Bauausstellung IBA Emscherpark zwischen 1989 und 1999 in der Region: Auf einer Fläche von 300 Quadratkilometern wurden ursprüngliche Landschaften wiederhergestellt, geschützt und im Emscher Landschaftspark miteinander verbunden.

Zukünftig soll das Abwasser der Emscher und ihrer Nebenläufe in unterirdischen Kanälen auf einer Länge von rund 400 Kilometern in bis zu 40 Metern Tiefe abgeleitet werden. Zigtausende Kanalrohre von 1,4 bis 2,8 Metern Innendurchmesser aus Stahlbeton werden im modernsten Abwassersystem der Welt verbaut.

Der Fluss und seine Nebenläufe werden Schritt für Schritt in naturnahe Gewässer auf insgesamt rund 350 Kilometern Gewässerstrecke umgebaut – für rund fünf Milliarden Euro. Parallel entsteht ein 100 Quadratkilometer großes Erholungsgebiet mit 200 neuen Radwanderwegen. Vom Startschuss bis zur Fertigstellung werden fast drei Jahrzehnte ins Land gegangen sein, ehe aus der Kloake in den kommenden Jahren wieder die „blaue Emscher“ wird.

Größtes Infrastrukturprojekt in Nordrhein-Westfalen

An jedem Arbeitstag – jetzt und in den nächsten zehn Jahren – wird rund eine Million Euro für das größte Infrastrukturprojekt in Nordrhein-Westfalen aufgewendet. Einen Teil der Kosten trägt das Land Nordrhein-Westfalen über die NRW.BANK. Simone Gauda aus dem Förderprogrammgeschäft Strukturförderung der NRW.BANK: „Wir unterstützen die Emschergenossenschaft, Deutschlands größten Abwasserentsorger, in seinen unterschiedlichen Projekten zum Renaturierungsprozess.“

Klärwerk als Kraftwerk

Ein Hauptprojekt bildet der Bau von Kläranlagen, etwa der Ausbau der Emscherkläranlage Bottrop als Hybridkraftwerk. Ziel ist, dass sich die Anlage mit regenerativen Energien wie Sonne, Wind und Wasser weitgehend selbst mit Energie versorgt.

Stand: 17. August 2016

Der Umbau des Emschersystems wird gefördert über:

EFRE.NRW "Wachstum und Beschäftigung" 2014-2020 zuständige Bewilligungsstellen; Ministerium für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen

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