Der in Lausward neu erbaute Block des Gas-und-Dampfturbinen-Kraftwerks erreicht einen Wirkungsgrad von mehr als 61 Prozent
Hans-Günther Meier, Geschäftsführer der Stadtwerke Düsseldorf (links), und Heinz-Peter Leiders, Teilprojektleiter Block "Fortuna" (Bild: NRW.BANK)
Siegel: Energieeffizienz lohnt sich

Infrastruktur

Neues Kraftwerk in Düsseldorf setzt Maßstäbe

„Um die Energiewende zu stemmen, brauchen wir flexible, dezentrale Anlagen, die bedarfsorientiert betrieben werden können“, erklärt Hans-Günther Meier. Er ist Vorstandsmitglied der Stadtwerke Düsseldorf. Das Unternehmen betreibt seit 2016 ein hochmodernes Gas- und Dampfturbinen-Kraftwerk (GuD). Der GuD-Block mit dem Namen „Fortuna“ erreicht einen Nutzungsgrad von bis zu 85 Prozent – damit ist sie eine der weltweit effizientesten Anlagen überhaupt. Partner für die Konsortialfinanzierung des Projekts ist auch die NRW.BANK.

Herzstück eines GuD-Kraftwerks ist die Gasturbine. Mit Erdgas befeuert, treibt sie einen Generator an, der wiederum Strom produziert. Damit aber nicht genug: Die entstehende Hitze wird genutzt, um Dampf zu erzeugen, der dann über eine Dampfturbine einen weiteren Generator antreibt. Zusätzlich wird der Dampf genutzt, um das angeschlossene Fernwärmenetz auf Temperatur zu halten. „Aufgrund der Effizienz und Flexibilität bewährt sich die Anlage im Markt und senkt zudem den CO2-Ausstoß signifikant“, erklärt Hans-Günther Meier. „Die Feinstaubemissionen von Block „Fortuna“ sind sogar so niedrig, dass sie für die Imissionen in Düsseldorf keine Relevanz haben.“

GuD-Anlagen können je nach Strom- und Wärmebedarf schnell hochgefahren und wieder abgeschaltet werden. „Schnell“ heißt bei einem Kaltstart, dass es kaum zwei Stunden dauert, bis die volle Leistung geliefert wird. Kohlekraftwerke brauchen acht Stunden oder länger. Block „Fortuna“, der am Düsseldorfer Hafen in direkter Nähe zur Innenstadt arbeitet, liefert 595 Megawatt elektrische Leistung und 300 Megawatt Fernwärmeleistung. Im Zusammenspiel mit der Düsseldorfer Fernwärme spart die Anlage insgesamt über 600.000 Tonnen CO2 ein – so viel wie rund 260.000 Mittelklasse PKW mit einer jährlichen Fahrleistung von 15.000 Kilometern ausstoßen. Im Jahr 2025 werden sogar über eine Million Tonnen CO2 weniger ausgestoßen.

Ab 2016 liefert der Block „Fortuna“ Strom und Wärme (Bild: NRW.BANK / Lord Otto) Ab 2016 liefert der Block „Fortuna“ Strom und Wärme (Bild: NRW.BANK / Lord Otto)

Säule der neuen Energieversorgung

Durch den deutlich geringeren CO2-Ausstoß ist der neue Kraftwerksblock auch Teil des ökologischen Gesamtkonzeptes „klimaneutrale Stadt Düsseldorf 2050“, mit dem die Landeshauptstadt die Klimaschutzziele des Landes erreichen will. „Im Zuge der Energiewende verändern sich die Strukturen bei der Produktion durch die Einbeziehung der erneuerbaren Energien. Mit unserem Kraftwerk stützen wir diese neue Strom- und Wärmeversorgung, wenn mal kein Wind weht und die Sonne nicht scheint“, erläutert Hans-Günther Meier.

Hinzu kommt, dass Düsseldorf nach wie vor eine wachsende Stadt ist – und die Infrastruktur für die Energie- und Wärmeversorgung mitwachsen muss. Dem Kraftwerk kommt dabei seine urbane Lage im Hafen zugute. „Von hier aus können wir das vorhandene Fernwärmenetz bedienen und zugleich mit einer neuen Fernwärmeleitung unter dem Rhein hindurch den links- wie den rechtsrheinischen Teil der Stadt mit Wärme versorgen.“

Ökologisch und ökonomisch

Neben ökologischen überzeugen auch die ökonomischen Aspekte des Projekts: „Die Kapitalkosten sind beim Block ‚Fortuna’ im Verhältnis zu anderen Arten der Strom- und Wärmeproduktion relativ gering und werden sich nach 20 Jahren amortisiert haben“, so Hans-Günther Meier. Insgesamt haben die Stadtwerke Düsseldorf rund 500 Millionen Euro in die Anlage investiert. 50 Millionen Euro davon stammen von der NRW.BANK.

Die günstigen Errichtungskosten resultieren auch daraus, dass die Stadtwerke Düsseldorf zwar ein individuell ausgelegtes Kraftwerk gebaut haben, dabei aber im Wesentlichen auf Standardkomponenten zurückgreifen. „Das liegt daran, dass wir hier einfach Platz hatten und zum Beispiel nicht die komplexe Anlage in ein bestehendes Gebäude integrieren mussten“, erklärt Hans-Günther Meier.

Konsortialfinanzierung mit sechs Banken

„Um eine solche Investition zu stemmen, brauchen wir Partner wie die NRW.BANK, die langfristig denken“, so Hans-Günther Meier. „Sonst lassen sich solche Projekte nicht finanzieren.“ Auf die Beine gestellt wurde eine Konsortialfinanzierung, für die sechs Banken am Tisch saßen. „Die Stadtwerke Düsseldorf realisieren derzeit eine ganze Reihe von Infrastrukturprojekten“, erläutert Friederike Lüking, Projektmanagerin in der Abteilung Infrastrukturfinanzierungen der NRW.BANK. „Als Konsortialpartner ging es uns als NRW.BANK deshalb darum, den Stadtwerken über alle Projekte hinweg Sicherheit zu geben. Das ist uns möglich, weil wir bei der Finanzierung von Infrastrukturprojekten Laufzeiten von bis zu 30 Jahren anbieten können.“

 

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