Das Programm NRW.BANK.Innovative Unternehmen fördert innovative und wachstumsstarke Unternehmen in Nordrhein-Westfalen.
Dr. Michael Knappe (Foto: NRW.BANK)

NRW.BANK.Innovative Unternehmen

Investitionsoffensive für innovative Unternehmen

Sie sorgen für wirtschaftliches Wachstum und schaffen zukunftsfähige Arbeitsplätze. Dennoch haben es kleine und mittelständische Unternehmen mit innovativen Geschäftsmodellen erfahrungsgemäß schwer, Kredite für ihre Wachstumsprozesse zu erhalten. Um Investitionshemmnisse abzubauen, brachte die NRW.BANK in Kooperation mit dem Europäischen Investitionsfonds (EIF) das Förderprogramm NRW.BANK.Innovative Unternehmen auf den Weg. Im Interview erläutert Dr. Michael Knappe aus der Abteilung Produktentwicklung der NRW.BANK den Förderkredit.

Herr Dr. Knappe, die NRW.BANK hat den Anspruch, für jede Lebensphase eines Unternehmens die passende Finanzierung bereitzustellen. Welche Lücke schließen Sie mit dem neuen Förderprogramm?

Dr. Michael Knappe: Wir haben in Deutschland ja leider schon fast traditionell eine große Skepsis gegenüber Finanzierungen von Unternehmen, die ein höheres Risiko in sich tragen. Davon sind auch wachstumsstarke mit innovativen Geschäftsmodellen betroffen. Oft handelt es sich um junge Unternehmen, die schon Erfolge erzielt haben, aber sich noch im Markt etablieren müssen. Wir sind jedoch überzeugt, dass genau diese einen wichtigen Beitrag zur wirtschaftlichen Entwicklung des Landes leisten. Mit dem Programm NRW.BANK.Innovative Unternehmen bieten wir ein weiteres Instrument an, um genau diese Innovationstreiber zu unterstützen.

 

Innovationsstark, wachstumsstark, erfolgreich – inwiefern resultiert daraus ein höheres Risiko?

Knappe: Jede unternehmerische Innovation beinhaltet das Risiko des Scheiterns. Jüngere Unternehmen konnten zudem oftmals noch keine größeren Sicherheiten aufbauen. Innovationsgetriebene oder völlig neue Geschäftsmodelle können sich genauso wie rasantes Wachstum ebenfalls negativ auf das Rating auswirken. Wegen dieser Unsicherheiten nehmen Banken Abschläge bei der Bonität und den Kreditratings vor. Also bekommen solche Unternehmen Kredite entweder nur mit höheren Zinssätzen oder vielleicht gar nicht. Genau hier setzt das Programm an.

 

Aber wie können Hausbanken überzeugt werden, höhere Risiken einzugehen?

Knappe: Das machen wir, indem wir sie vom Großteil der Risiken entlasten. Schon länger gibt es bei einigen Förderkrediten die Option, Hausbanken von der Hälfte der Haftung freizustellen. Bei NRW.BANK.Innovative Unternehmen sind nun sogar 70 Prozent fest im Programm vorgesehen. Das ist die höchste Haftungsfreistellung für Hausbanken, die wir in einem gewerblichen Kreditprogramm anbieten. Die Haftungsfreistellung trägt zur Hälfte die NRW.BANK, die andere Hälfte ist durch eine Rückgarantie des EIF gedeckt. Möglich wurde diese Beteiligung des EIF durch die „Investitionsoffensive für Europa“, dem sogenannten Juncker-Plan.

 

Rücken durch die Haftungsfreistellung Bonitäten und Kreditratings in den Hintergrund?

Knappe: Natürlich nicht. Grundlage jeder Kreditentscheidung ist die Frage, ob die Unternehmen ihren Verpflichtungen nachkommen können. Deshalb werden die Unternehmen wie bei jeder anderen Kreditvergabe durch ihre Hausbank und die NRW.BANK überprüft.
Durch die Beteiligung des EIF können innovationsgetriebene Unternehmen insgesamt einen Zinsvorteil von bis zu drei Prozent erreichen. Nicht zuletzt wirkt sich das auch wieder positiv auf das Rating aus, wodurch sich zusätzliche Spielräume für weitere Finanzierungen ergeben können.

 

Aus der Kooperation mit dem EIF resultieren auch neue Beurteilungskriterien wie Patentanmeldungen oder Innovationspreise. Schlägt Patent den Businessplan?

Knappe: Ganz sicher nicht. Businessplan und Jahresabschlüsse gehören dazu. Es geht aber darum, dass die Unternehmen auch ihre Innovationsstärke belegen. Dabei kann zum Beispiel eine Patenturkunde genauso hilfreich sein wie die Jury-Begründung eines Innovationspreises. Denn die Voraussetzung für eine Darlehensvergabe ist die Innovationsstärke des Unternehmens, die durch die Erfüllung eines der 14 Innovationskriterien nachgewiesen werden muss, und nicht die konkrete zu finanzierende Maßnahme.

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