Eckhard Forst, Vorstandsvorsitzender der NRW.BANK, im Interview (Bild: NRW.BANK / Christian Lord Otto)

Interview mit Eckhard Forst

„Wir können anlassbezogen und schnell reagieren“

Damit Unternehmen in Nordrhein-Westfalen die Auswirkungen der Corona-Pandemie gut überstehen, hat die NRW.BANK ihr Förderangebot temporär angepasst. Wie genau, erklärt Eckhard Forst im Interview. Der Vorstandsvorsitzende der NRW.BANK erläutert auch das Förderergebnis aus 2019 und warum Förderbanken gerade jetzt eine wichtige Rolle spielen.

Herr Forst, wie viele Unternehmer haben sich direkt bei der NRW.BANK gemeldet, um nach Fördermöglichkeiten zu fragen?

Uns erreichen täglich sehr viele Anrufe über unser Service-Center, am Anfang über 2.000 täglich. Das Hauptproblem, mit dem Unternehmen beinahe aller Branchen derzeit konfrontiert werden, sind Liquiditätsengpässe. Das geht durch alle Branchen und alle Unternehmensphasen.

 

Inwieweit sind Förderbanken jetzt besonders gefordert und welche Unterstützung lässt die NRW.BANK Unternehmen zukommen, die durch das Coronavirus in wirtschaftliche Schieflage geraten?

Gerade in Krisenzeiten sind Förderbanken besonders gefragt. Die NRW.BANK hat ihr Förderportfolio, das ohnehin breit differenziert ist und Unterstützungsmöglichkeiten auch für schwierige Liquiditätssituationen anbietet, erweitert. Ziel ist es, dass die Unternehmen in unserem Bundesland möglichst bald wieder zu alter Stärke finden und wir ihnen schnell zu einer Lösung verhelfen.

 

Wie soll das gehen?

Entscheidend ist jetzt, dass wir für die Bedarfe der Unternehmen Lösungen zur Verfügung stellen, die sie möglichst unbeschadet aus der Krise bringen. Dazu beraten wir aktuell sehr viel zu Fördermöglichkeiten der KfW, die ihr Programm zur Abmilderung der Folgen der Corona-Krise spürbar weiterentwickelt hat. Liquiditätsengpässe können aber auch mit dem Breitenprogramm NRW.BANK.Universalkredit überbrückt werden. Um das Programm in der derzeitigen Situation noch attraktiver zu gestalten, hat die NRW.BANK deshalb temporär das bestehende Haftungsfreistellungsangebot von 50 Prozent Risikoübernahme für die Hausbank um eine derzeitige 80-prozentigen Risikoübernahme ergänzt sowie den bisher hierfür notwendigen Mindestkreditbetrag ausgesetzt. Dadurch hat die Hausbank ein Instrument an der Hand, das Kreditzusagen in dieser Situation erleichtern soll. Davon profitieren besonders kleine Unternehmen.

 

Wie sieht es denn bei der NRW.BANK selbst aus? Wie war die Bilanz für das vergangene Jahr?

Wir haben erneut ein gutes Förderergebnis erzielt – und das trotz des anhaltenden Niedrigzinsumfelds. Im vergangenen Jahr haben wir 10,3 Milliarden Euro neu zugesagt. Das Förderfeld Infrastruktur/Kommunen ist im Vergleich zum Vorjahr um 10 Prozent auf 4,9 Milliarden Euro gestiegen. Das Neuzusagevolumen im Förderfeld Wohnraum ist ebenfalls gestiegen, und zwar um 18 Prozent auf 2,6 Milliarden Euro. Hierin enthalten sind die Mittel des Wohnraumförderungsprogramms des Landes Nordrhein-Westfalen. Abgerufen wurden hieraus 937,9 Millionen Euro, was einem Plus von 1,6 Prozent entspricht.

 

Und die gewerbliche Förderung?

Die NRW.BANK förderte die Wirtschaft Nordrhein-Westfalens mit 2,7 Milliarden Euro. Im Rahmen des Beteiligungsengagements waren es, 43,2 Millionen Euro, die im Jahr 2019 neu investiert wurden. Die kumulierten Investitionen betrugen per Ende 2019 443,2 Millionen Euro. Ein Unternehmen, an dem wir beteiligt sind, ist zum Beispiel Scienion. Es entwickelt Corona-Testsysteme und arbeitet derzeit mit mehreren Partnerunternehmen an zwei verschiedenen Corona-Covid-19-Testsystemen. Ein Test für Krankenhäuser ist bereits auf dem Markt, der zweite kommt bald.

 

Was macht die NRW.BANK um auch in Zukunft gut aufgestellt zu sein?

Das erneut gute Förderergebnis zeigt, dass die NRW.BANK ihre Hausaufgaben macht. Aber Förderung attraktiv zu halten ist kein Selbstläufer. Wir müssen uns stetig in den oben genannten Themen weiterentwickeln. Dabei setzen wir zunehmend darauf, Förderung einfacher und digitaler zu gestalten. 2019 haben wir unsere Zusammenarbeit mit Fintechs deshalb weiter ausgebaut. Diesen Weg gilt es, weiter zu gehen. Im Moment und in den kommenden Monaten gilt es aber vor allem den Unternehmen in NRW zur Seite zu stehen, die wirtschaftlich von den Auswirkungen des Coronavirus betroffen sind.

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