NRW-Wirtschaft vor schwerster Rezession in der Geschichte

NRW.BANK.ifo-Geschäftsklima April 2020

Die Talfahrt der nordrhein-westfälischen Wirtschaft hat sich im April weiter beschleunigt. Im Zuge der Coronapandemie ist das NRW.BANK.ifo-Geschäftsklima im April abermals gesunken und hat ein neues Allzeittief erreicht. Nicht nur die aktuelle Geschäftslage hat sich weiter verschlechtert. Die Unternehmen blickten auch noch nie so pessimistisch auf die kommenden Monate.


Das NRW.BANK.ifo-Geschäftsklima ist im April von -16,8 auf -40,5 Saldenpunkte eingebrochen. Damit erlebte die nordrhein-westfälische Wirtschaft nach dem bereits massiven Rückgang zu Beginn der Coronapandemie im März eine weitere Talfahrt. Der bisherige Tiefpunkt aus der Finanz- beziehungsweise Euro-Krise im Jahr 2009 (-25,8) wurde deutlich unterschritten. Der Stimmungseinbruch im März hatte vor allem damit zu tun, dass die Unternehmen ihre Geschäftserwartungen für die kommenden sechs Monate zurückschraubten. Jetzt schätzten sie auch ihre aktuelle Geschäftslage dramatisch schlechter ein. Die NRW-Wirtschaft befindet sich erstmals seit elf Jahren wieder in einer Rezession.
 
„Die Coronapandemie hat die Wirtschaft bis ins Mark getroffen“, sagt Eckhard Forst, Vorstandsvorsitzender der NRW.BANK. „Besonders der Mittelstand benötigt jetzt und in den nächsten Monaten vielfältige Unterstützung, um aus der Rezession am Ende wieder herausfinden zu können.“ Das gilt umso mehr, weil sich im NRW.BANK.ifo-Geschäftsklima für April bereits abzeichnet, dass sich der enorme Absturz der NRW-Wirtschaft auch auf den Arbeitsmarkt in Nordrhein-Westfalen auswirken wird.
 
Talfahrt bei den Dienstleistern am stärksten
Den stärksten Rückgang verzeichneten – wie schon im März – erneut die Dienstleister. Betroffen ist vor allem das Gastgewerbe, wo das Klima abermals sank. Seit Februar ist es historisch einmalig um 101,5 Saldenpunkte eingebrochen. Keine Branche in NRW steht noch schlechter da. Aber auch die Logistik und die sonstigen wirtschaftlichen Dienstleister wie zum Beispiel Reisebüros und Zeitarbeitsfirmen sind von der Coronapandemie hart getroffen.
 
Chemie und Ernährungsindustrie vergleichsweise stabil
Am zweitstärksten sank das Geschäftsklima im Verarbeitenden Gewerbe. Die Industrie ist zwar nicht durch gesetzliche Vorgaben vom Shutdown direkt betroffen. Allerdings ist die Nachfrage sowohl aus dem In- als auch aus dem Ausland eingebrochen. Besonders gebeutelt sind die Möbelhersteller. Aber auch die Metallbranchen sowie der Kraftwagenbau blicken im Moment äußerst pessimistisch in die Zukunft. Lichtblicke gibt es hingegen in der Ernährungsindustrie sowie in der Chemie, wo sich das Stimmungsbarometer mit einem Rückgang von nur 10 Saldenpunkten seit Beginn der Krise als vergleichsweise stabil erwiesen hat.
 
Baugewerbe aktuell noch zufrieden
Auch im Handel hat sich der Sturzflug des Geschäftsklimas fortgesetzt. Sowohl bei der Beurteilung der aktuellen Geschäftslage als auch was die Geschäftserwartungen für die nächsten Monate angeht, verzeichnete die Branche einen neuen Tiefpunkt. Groß- und Einzelhandel sind gleichermaßen getroffen. Selbst im Baugewerbe, in dem die Firmen derzeit mit ihrer aktuellen Lage mehrheitlich weiterhin zufrieden sind, ist unterm Strich das Geschäftsklima im April so stark wie nie zuvor gesunken. Der Grund: Die Bauunternehmen erwarten in den nächsten Monaten eine gedrosselte Bautätigkeit. Besonders pessimistisch blickt der gewerbliche Hochbau in die Zukunft.
 
Personalabteilungen planen Stellenabbau
In vielen Wirtschaftsbereichen bereiten die Personalabteilungen einen Abbau von Stellen vor. Der aktuelle Stimmungsindikator zeigt auch, dass die Beschäftigungspläne bei den Dienstleistern und im Handel ein historisches Tief erreicht haben. In der Industrie setzt sich der Abwärtstrend, der bereits vor der Krise begann, nun verstärkt fort. Auch der bis dato boomende Bausektor kann sich der negativen Beschäftigungsdynamik nicht entziehen. Dramatisch ist die Lage vor allem im Gastgewerbe. Fast drei Viertel der Gastronomie- und Hotelleriebetriebe plant Stellenkürzungen. Einzig das Grundstücks- und Wohnungswesen erwartet steigende Beschäftigtenzahlen.
 
Starke Schrumpfung der Wirtschaftsleistung
Weil viele Unternehmen Kurzarbeit beanspruchen, ist ein heftiger Anstieg der Arbeitslosigkeit in NRW zunächst nicht zu erwarten. Je länger der wirtschaftliche Stillstand jedoch anhält, umso gravierender werden die Folgen für die Konjunktur und damit auch die Arbeitslosigkeit. „Bereits jetzt zeichnet sich ein deutlicher Rückgang des Bruttoinlandprodukts in NRW ab“, so Forst. „Die Rezession dürfte selbst bei einer Fortsetzung der bereits eingeleiteten Exit-Strategie um einige Prozentpunkte stärker ausfallen als im Krisenjahr 2009, wo die regionale Wirtschaft bereits um 5,4% schrumpfte.“

Hintergrund:
Das NRW.BANK.ifo-Geschäftsklima gibt Aufschluss über die wirtschaftliche Entwicklung in Nordrhein-Westfalen. Hierfür werden monatlich etwa 1.500 Unternehmen aus dem Bundesland zu ihrer aktuellen Geschäftslage und ihren Zukunftserwartungen befragt. Ihre Antworten werden exklusiv für die NRW.BANK ausgewertet. Detaillierteres Zahlenmaterial finden Sie unter www.nrwbank.de/ifo.

Über die NRW.BANK
Die NRW.BANK ist die Förderbank für Nordrhein-Westfalen. Sie unterstützt ihren Eigentümer, das Land NRW, bei dessen struktur- und wirtschaftspolitischen Aufgaben. In ihren drei Förderfeldern „Wirtschaft“, „Wohnraum“ und „Infrastruktur/Kommunen“ setzt die NRW.BANK ein breites Spektrum an Förderinstrumenten ein: von zinsgünstigen Förderdarlehen über Eigenkapitalfinanzierungen bis hin zu Beratungsangeboten. Dabei arbeitet sie wettbewerbsneutral mit allen Banken und Sparkassen in NRW zusammen. In ihrer Förderung berücksichtigt die NRW.BANK auch bestehende Angebote von Bund, Land und Europäischer Union.

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Düsseldorf/Münster, 6. Mai 2020

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