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Dr. Peter Jahns

Interview

Wettbewerbsvorteile sichern

Die Effizienz-Agentur NRW wurde 1998 auf Initiative des NRW-Umweltministeriums gegründet. Leiter Dr. Peter Jahns und seine 25 Mitarbeiter beraten Firmen, die zum Beispiel ihren Rohstoffeinsatz minimieren und Emissionen vermeiden wollen.

prospect: Herr Dr. Jahns, wer die Effizienz des Unter­nehmens steigern will, denkt sofort an Energieeinsparungen. Die Effizienz-Agentur NRW legt ihren Fokus aber auf den Ressourceneinsatz in der Produktion.

Dr. Peter Jahns: Das ist richtig. Die Ressourceneffi­zienz im Produktionsprozess lässt sich nämlich auf vielerlei Art steigern: beim Rohstoffeinsatz, bei der Minimierung des Ausschusses, bei der Vermeidung von umweltbelastenden Emissionen, durch Qualitätssteigerungen oder durch die Beschleunigung der Produktionsabläufe. Die Effizienz-Agentur NRW setzt genau bei diesen Potenzialen an – wir wollen erreichen, dass die Firmen nicht in teure, der Produktion nachgelagerte Maßnahmen investieren müssen, sondern bereits im Produktions­prozess Einsparungen er­zielen und sich so Wettbewerbsvorteile sichern können.

Was bedeutet das konkret?

Wenn ein Unternehmen zum Beispiel neue Vorgaben für die Ab­wassereinleitung zu beachten hat, muss es deshalb nicht unbedingt in neue Filteranlagen investieren. Wir prüfen gemeinsam mit den Experten der Firma, an welcher Stelle sich der Produktionsprozess von vornherein so verbessern lässt, dass die Richtwerte eingehalten oder gar unterschritten werden können. Bei der Durchführung von Prozessanalysen ergeben sich in den meisten Fällen konkrete Einsparungen – etwa weil der Ausschuss minimiert wird, weniger Material eingesetzt und folglich auch eingekauft werden muss oder weil die Ofenverfügbarkeit steigt und somit die Kosten gesenkt werden.

Die Unternehmen müssen also nicht immer hohe Summen investieren, um Ressourcen einzusparen?

Auf keinen Fall. Wir bieten den Unternehmen beispielsweise den sogenannten PIUS-Check an. „PIUS“ steht für „Produk­tionsintegrierter Umweltschutz“. Der PIUS-Check dauert in der Regel zehn Tage. Am Ende erhalten die Firmen einen detaillierten Maß­nahmen­plan, mit dem sie ihre Ressourcen­effizienz steigern können. Rund 40 Prozent dieser Vorschläge kommen ohne Investitionen aus. Die verbleibenden 60 Prozent erfordern von den Unternehmen investive Maßnahmen. Davon wiederum haben sich allerdings rund die Hälfte schon wieder nach ein bis zwei Jahren amortisiert.

Wollen die meisten Unternehmen effizienter sein, um Kosten zu senken? Oder gibt es andere Motivationsgründe?

Die Verknappung von Rohstoffen und damit einhergehende Preissteigerungen und Lieferengpässe bringen die Manager dazu, über effizientere Produktionsprozesse nachzudenken. In vielen Fällen sind es auch die Kunden, die ein Umdenken fordern: In Nordrhein-Westfalen gibt es zum Beispiel viele Automobilzulieferer – einige große Autokonzerne verlangen von ihnen die Ein­führung zertifizierter Umweltmanagementsysteme. Außerdem gibt es die Gruppe der Unternehmen, in der Regel inhabergeführte Betriebe, die stets auf der Suche nach neuen Möglichkeiten sind, um sich von den Wettbewerbern abzuheben. Sie streben innovative Lösungen an und wollen Marktführer sein. Dazu gehören effizientere Prozesse, die Ressourcen einsparen und umweltverträglicher sind.

Innovationen benötigen Kreativität und viel Zeit – haben diese Familienunternehmen beides?

Die Notwendigkeit, Ressourceneinsparungen im Produktionsprozess zu erzielen, ist vielen kleinen und mittleren Unternehmen längst bewusst. Da das Tagesgeschehen aber stark durch die Konzen­tration auf die Prozess­stabilität, Anlagenverfügbarkeit und Liefertreue geprägt wird, fehlen oft die Zeit und Personalkapazität, konkrete Maßnahmen zur Steigerung der Prozesseffizienz anzugehen. Das ist keine Frage fehlender Kreativität.

Die Effizienz-Agentur NRW unterstützt hier die Unter­nehmen gemeinsam mit externen Beratern in finanziell und zeitlich klar umrissenen Beratungsprojekten. Hier können Einsparpotenziale identifiziert und konkrete Maßnahmen zu Steigerung der Ressourcen­effizienz formuliert werden. So etwa mit dem PIUS-Check, der übrigens die Antragstellung für den NRW.BANK-Effizienzkredit erleichtert.

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