Natürlich vorwärts

Fahren wir in Zukunft allein durch die Kraft von Sonne und Wind? Können wir rund um die Welt unabhängig von Energieressourcen mobil sein? Ein Beispiel aus Nordrhein-Westfalen ist schon ganz dicht an diese Vision herangefahren.

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  1. Der „Wind Explorer“ hat den Rekord für die längste mit Windkraft zurückgelegte Strecke eingefahren. Als Belohnung gab es außerdem den internationalen Umweltpreis „ökoGlobe 2011“
  2. Dirk Gion (l.) und Stefan Simmerer bauten das Windrad nach jeder Tagesetappe auf

Sich vom Wind treiben lassen und dabei mal eben einen Kontinent durchqueren mit dem "Wind Explorer". Geht das? Dirk Gion und Stefan Simmerer haben den Beweis dafür erbracht. Ausgestattet mit einem sieben Meter hohen Windkraftrad, das den Akku eines Zweisitzers auflud, ließen sie in 18 Tagen knapp 5.000 Kilometer Australien hinter sich. „Weil die Wettersituation in diesen Wochen mit Überschwemmungen und Tornado so ungewöhnlich war, haben wir auch mal Strom ‚getankt‘, aber schließlich sind wir für zehn Dollar rund 2.000 Kilometer gefahren“, berichten die Abenteurer. Im Wesentlichen trieb der Wind das 200 Kilogramm leichte Fahrzeug an, wenn nicht über das Windrad, dann über einen Lenkdrachen, der das Fahrzeug über die Straße zog und dabei nicht einmal den zuvor geladenen Akku belastete. Die dabei erreichte Geschwindigkeit kann je nach Windverhältnissen bis zu 60 Stundenkilometer betragen.

Der aus Bambus gefertigte Mast und der Rotor passten demontiert ins Innere des Fahrzeugs. Am Ende einer Tagesetappe musste das Windrad an einer günstigen, erhöhten Stelle aufgestellt werden. Gewonnen wurden so rund acht Kilowattstunden Energie – die reichte für etwa 400 Kilometer. Die Verankerung für das Windrad muss natur­gemäß sehr fest sein. „Einmal haben wir mit einem dieser Erdnägel eine Wasserleitung getroffen, die dicht unter der Erdoberfläche verlief, und die Rasen­bewässerung einer Kleinstadt unter­brochen“, erinnert sich Dirk Gion. „Ein anderes Mal bauten wir nachts das Rad auf und stellten morgens fest, dass unter unserer Düne die Menschen am Strand ­lagen.“

Der Kite zog das Fahrzeug insgesamt mehr als 400 Kilometer

Für ihn steht nach dieser Expedition mehr denn je fest, dass die Zukunft einem vernünftigen Mix aus regenerativen Energien wie Sonne und Windkraft gehört. „Schon heute könnten die Windräder, die jetzt stehen, den Strom für zehn Millionen Elek­troautos produzieren.“ Er geht sogar noch einen Schritt weiter: „Selbst die Formel 1 könnte ein reines Elektromobilrennen werden. Nur der Sound fehlt dann.“ Die Pläne für ein neues Fahrzeug liegen schon fertig in der Schublade. Der Wind-Solar-Explorer soll Sonnen- und Windkraft in sich vereinen, denn „Wind ist extrem schlecht vorhersehbar, aber in Kombination mit Solar wird Wind als Antriebskraft in Zukunft alltagstauglich.“ Sobald sich ein Sponsor gefunden hat, plant Dirk Gion, mit dem Wind-Solar-Explorer die Welt zu umrunden. Als Botschafter, der den Weg für die Zukunft mit regenerativen Energien bereitet.

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