Dipl.-Ing. Dieter König

Dieter König erforscht wirtschaftliche Anreizstrukturen beim Energieverbrauch

Interview

Marktwirtschaft für die Energiewende

Dipl.-Ing. Dieter König ist beim Institut für Energiesysteme, Energieeffizienz und Energiewirtschaft der TU Dortmund für E-DeMa zuständig. In dem von 2009 bis 2012 laufenden 20-Millionen-Euro-Projekt des Bundeswirtschaftsministeriums beschäftigen sich fünf Unternehmen und vier Hochschulen mit der Entwicklung von Informations- und Kommunikationstechnologien vernetzter dezentraler Energiesysteme.

propect: Herr König, bislang heißt es: Stecker rein, anschalten, fertig. Mit der Energiewende wird sich der Verbraucher umstellen müssen, oder?

Dieter König: Wir müssen schauen, wie wir mit den starken Schwankungen im Stromnetz umgehen. Wenn etwa der Wind stark weht, die Sonne scheint oder mit KWK-Anlagen geheizt wird, wird es ein Überan­gebot an regenerativer oder sauberer Energie geben. Sinnvoll ist es, dass die Verbraucher eben zu diesen Zeiten ihre Elektrogeräte nutzen. Die Nachfrage muss stärker an die Verfügbarkeit von regenerativen und saube­ren Energien gekoppelt werden.

Wie könnte das erreicht werden?

Ein Weg, das zu steuern, sind marktwirtschaftliche Anreize. Bekanntlich regeln sich Preise über Angebot und Nachfrage. Innerhalb des Forschungsprojekts E-DeMa untersuchen wir, wie im Zeichen der Energiewende eine regionale Stromplattform für Kleinproduzenten und Endkunden aussehen könnte.

Was für ein Tarifsystem wäre denkbar?

Es wird eine deutliche Preisspreizung geben. Nehmen wir einmal die Waschmaschine. Im Spartarif könnte der Kunde morgens bestimmen, dass die Wäsche bis spätestens 18 Uhr sauber sein soll. Die Maschine entscheidet dann selbstständig als Teil eines Netzwerks mit Stromerzeugern und anderen Verbrauchern, wann sie die Wäsche wäscht. Natürlich kann der Kunde auch wieder abspringen, aber das hätte einen Kostensprung zur Folge. Das Beispiel der Waschmaschine lässt sich auf andere Verbraucher im Haushalt übertragen, zum Beispiel Wäschetrockner oder Geschirrspüler.

Dafür müsste das Stromnetz umgebaut werden.

Natürlich. Wir brauchen Stromnetze, die mit Kommunikationstechnologie aufgerüstet werden. Im März 2012 starten wir einen Feldversuch mit rund 1.500 Kunden der Stadtwerke Krefeld und der RWE in den Modellregionen Krefeld und Mülheim. Wir versorgen sie mit intelligenten Zählern, die ihren Tagesverbrauch messen. Abgerechnet wird in Tarifzonen, die sich immer wieder, natürlich angekündigt, ändern. Ich bin zuversichtlich, dass sich die Menschen an die wechselnden Preise anpassen werden.