wilke

Interview mit Georg Wilke,
Projektleiter „E-mobil NRW“, Wuppertal Institut

Interview

„Heute muss der Einstieg in die Elektromobilität beginnen.“

prospect: Ist das Elektroauto wirklich umweltfreundlicher als ein Fahrzeug mit Verbrennungsmotor?

Georg Wilke: Auf den ersten Blick: ja. Denn es stößt ja beim Fahren weder CO2 noch sonstige Abgase aus. Auf den zweiten Blick wird die Sache aber komplizierter. Denn entscheidend ist die Frage, auf welcher Basis der Strom entstanden ist, mit dem die Batterie des Elektroautos geladen wird. Da es sich in der Regel nicht um ausschließlich „grünen“ Strom handelt, sondern um einen Mix, vielleicht aus Atomstrom, fossilen Brennstoffen und grünem Strom, muss man genau hingucken, welche Vergleiche man zieht.

Wird Elektromobilität also überbewertet?

Elektromobilität bedeutet die Chance, Mobilität umweltfreundlicher zu machen, weil sie potenziell ressourcenschonend und emissionsfrei ist. Voraussetzung ist also, dass wir den Strom regenerativ erzeugen, weil fossile Ressourcen wie Öl, Gas und Kohle nicht unbegrenzt vorhanden sind. Wir müssen unser Energiesystem langfristig komplett umstellen – auf erneuerbare Energien. Und damit es in Zukunft ein Alternativmodell zum Verbrennungsmotor gibt, wie wir ihn kennen, müssen wir heute den Einstieg in die Elektromobilität einleiten.

Die Bundesregierung sähe gerne bis 2020 eine Million Elektroautos auf deutschen Straßen. Ist das realistisch?

Wenn wir von rein batteriebetriebenen Elektroautos reden, dann sicher nicht. Gelingen könnte es, wenn wir andere Modelle hinzurechnen, nämlich Plug-in- oder Range-Extender-Modelle, die auf verschiedene Weise Elektro- und Verbrennungsmotor miteinander kombinieren. Und wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind.

Welche Voraussetzungen wären das?

Hier spielen eine ganze Reihe von Faktoren eine Rolle. Wie verhalten sich beispielsweise die Hersteller? Gibt es Subventionen für die Nutzer dieser Fahrzeuge? Oder kann die Akzeptanz zum Beispiel durch kostenloses Parken für Elek­tro- und Hybridfahrzeuge erhöht werden? Grundsätzlich gilt, dass wir für neue Technologien offen bleiben müssen, beispielsweise auch für Brennstoffzellen auf Wasserstoff­basis. Auf jeden Fall ist die Elektromobilität ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu einem zukunftsfähigen Mobilitätssystem.

Worunter leidet die Akzeptanz denn bisher vor allem?

Der Preis vor allem für Elektroautos ist noch sehr hoch, die Reichweite immer noch gering. Sie muss sich auf lange Sicht deutlich erhöhen. In anderen Ländern gibt es die Möglichkeit, eine volle Batterie an der Tankstelle gegen die leere einzutauschen, aber dafür müssten die Hersteller die Voraussetzungen schaffen und die Batterien müssten genormt sein.

Welche alternative Entwicklung sehen Sie denn?

Seit einigen Jahren ist zu beobachten, dass vor allem für junge Leute das eigene Auto nicht mehr den Stellenwert hat, wie in den Jahrzehnten davor. Außerdem nutzen sie die verschiedenen Verkehrsmittel flexibler als früher. Im Rahmen unseres Forschungsprojektes E-mobil NRW hat sich herausgestellt, dass für viele, die sich für Elektrofahrzeuge interessieren, Sharing-Modelle die erste Wahl wären. In Städten funktionieren solche Modelle natürlich besser als auf dem Land, wo die Nachfrage weniger konzentriert ist, die Strecken dort länger sind und die Infrastruktur weniger entwickelt ist. Bis sich das Mobilitätsverhalten in der Breite merklich geändert haben wird, ist es allerdings noch ein langer Weg.

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