Die Stimmung in der nordrhein-westfälischen Wirtschaft hat sich im September den dritten Monat in Folge spürbar aufgehellt. Vor allem bei den Erwartungen an die nächsten sechs Monate zeigten sich die Unternehmen deutlich zuversichtlicher. Ihre aktuelle Geschäftslage schätzten die befragten Firmen hingegen nur leicht besser ein als im Vormonat. Der Konjunkturaufschwung der nordrhein-westfälischen Wirtschaft verstetigt sich.
In Zahlenwerten verbesserte sich das NRW.BANK.ifo-Geschäftsklima im September um 2,3 auf -2,1 Saldenpunkte. Es war bereits der dritte Anstieg in Folge. Die Stimmung liegt inzwischen deutlich über dem Niveau zu Beginn des Iran-Kriegs. Der Anstieg war vor allem auf bessere Erwartungen der Unternehmen zurückzuführen, die sich um 4,1 Zähler auf -3,8 Punkte spürbar verbesserten. Damit erreichten die Erwartungen den höchsten Stand seit über vier Jahren. Die Umfragewerte zur aktuellen Geschäftslage stiegen dagegen nur leicht um 0,5 Saldenpunkte auf -0,4 Zähler.
Die nordrhein-westfälische Wirtschaft setzt ihren Aufschwung trotz anhaltend hoher Energiepreise und gestiegener Zinsen fort. Viele Unternehmen scheinen sich zunehmend auf die schwierigen Rahmenbedingungen eingestellt zu haben und können die damit verbundenen Belastungen offenbar besser bewältigen. Die Konjunkturerholung gewinnt damit zunehmend an Stabilität, auch wenn das wirtschaftliche und geopolitische Umfeld weiterhin von erheblichen Unsicherheiten geprägt bleibt.
Im Handel hat sich das Klima mit Abstand am stärksten aufgehellt. Der Indikator stieg um 6,3 Saldenpunkte auf -12,4 Punkte. Die Händler bewerteten ihre aktuelle Lage positiver. Die Erwartungen stiegen ebenfalls. Angesichts steigender Inflation sind die Einzelhändler jedoch weiterhin zurückhaltend.
Auch im Bauhauptgewerbe hat sich das Geschäftsklima spürbar aufgehellt. Der Indikator stieg um 4,8 Punkte auf -7,5 Saldenpunkte. Ausschlaggebend hierfür waren vor allem die weniger pessimistischen Erwartungen der Unternehmen. Zugleich wurde auch die gegenwärtige Geschäftslage günstiger beurteilt. Erstmals seit dem Sommer 2022 rechnen die Baufirmen wieder mit einer nennenswerten Ausweitung ihrer Bautätigkeit in den kommenden Monaten. Über alle Baubranchen hinweg mehren sich die Anzeichen für eine Erholung.
Im Dienstleistungssektor verbesserte sich das Klima um 1,5 Punkte auf 0,1 Zähler. Damit lag es nach vierzehn Monaten im negativen Bereich erstmals wieder leicht im Plus. Ausschlaggebend war vor allem die bessere Beurteilung der laufenden Geschäfte. Ihre Erwartungen korrigierten die Unternehmen hingegen geringfügig nach unten. Ein deutliches Stimmungsplus verzeichneten die freiberuflichen, wissenschaftlichen und technischen Dienstleistungen. Auch bei den sonstigen wirtschaftlichen Dienstleistungen, zu denen unter anderem Zeitarbeitsfirmen zählen, hellte sich die Stimmung spürbar auf. Im Gastgewerbe und in der Logistik trübte sich die Stimmung dagegen etwas ein.
Im Verarbeitenden Gewerbe verbesserte sich das Geschäftsklima um 1,1 auf -1,6 Saldenpunkte. Ausschlaggebend waren deutlich bessere Erwartungen, insbesondere in der chemischen Industrie, bei den Herstellern von Metallerzeugnissen sowie im Maschinenbau. Die aktuelle Lage bewerteten die befragten Industrieunternehmen hingegen etwas schlechter. Entgegen dem positiven Branchentrend trübte sich das Geschäftsklima in der Automobilindustrie ein, die weiterhin unter einem schwierigen internationalen Umfeld leidet.



