Glasfasertechnologie für Breitbandanschlüsse
Klaus Harke und Dirk Gerle vor dem sogenannten „Mehrfachrohr“ (Schutzrohr), in welches die Mikrorohre anschließend eingeblasen werden.

Infrastruktur

//Infrastruktur: Stadtwerke Emsdetten bringen die Bürger ans Netz

High-Speed im Internet – das wissen nicht nur Unternehmen zu schätzen, sondern auch private Haushalte. In vielen ländlich geprägten Regionen ist aber leistungsfähige Breitbandversorgung, die das möglich macht, noch lange keine Selbstverständlichkeit. Die Stadtwerke Emsdetten GmbH realisierte im Sommer 2012 als einer der ersten Versorger für eine Stadt dieser Größe in Nordrhein-Westfalen Breitbandanschlüsse für Privathaushalte sogar mit hochmoderner Glasfasertechnologie.

Muster eines Glasfaserkabels: Ein Schutzrohr umgibt das innenliegendem Mikrorohr, in dem die einzelnen Glasfasern verlaufen. Muster eines Glasfaserkabels: Ein Schutzrohr umgibt das innenliegende Mikrorohr, in dem die einzelnen Glasfasern verlaufen.

Laut des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie steht Breitband-Internet mittels besonders schneller Glasfaserkabeltechnologie in erster Linie für die Anbindung großer Unternehmen an das öffentliche Kommunikationsnetz zur Verfügung. Bei Breitband-Internet für Privathaushalte wird auch in Großstädten in der Regel noch auf die herkömmlichen Kupferleitungen oder andere ältere und günstigere Technologien zurückgegriffen. Internet per Glasfaserfür ist für private Endnutzer in Deutschland bisher nur in wenigen Orten verfügbar. Einer davon ist seit Juni 2012 Emsdetten. Dank neuer Glasfaseranschlüsse haben rund 1.500 Einwohner seitdem eine sehr schnelle Internet-Verbindung samt Telefonanschluss und die Wahl zwischen 400 TV-Programmen. Das Besondere an der Glasfasertechnologie: Ihre Bandbreite ist erheblich größer als bei herkömmlichem DSL. Möglich machen das die Stadtwerke Emsdetten mit ihrer 100-prozentigen Tochtergesellschaft tkrz Stadtwerke GmbH – tkrz steht dabei für „telekommunikation rechenzentrum“ – in knapp 600 Wohneinheiten der örtlichen Wohnungsgenossenschaft WG EMS eG.

Erst seit Anfang des Jahres 2011 gehört die tkrz zu den Stadtwerken Emsdetten. Dominique Kinzkofer, Leiter Vertrieb und Energiebeschaffung bei den Stadtwerken Emsdetten, erklärt, wie es dazu kam: „Mit dem Erwerb der Vorgängerfirma und der Integration in die Unternehmensstruktur der Stadtwerke bot sich uns nicht nur die Chance unser Geschäftsfeld zu erweitern. Wir können nun auch eine Breitbandversorgung anbieten und verbessern so die Infrastruktur vor Ort, für die wir uns als regionaler Versorger besonders verantwortlich fühlen.“

Langfristige Planungen

In den letzten 15 Jahren wurden in Emsdetten, wann immer Erdarbeiten seitens der Stadtwerke durchgeführt wurden, 165 Kilometer Leerrohre für Glasfaserkabel verlegt und schon seit längerer Zeit sind die Stadtwerke Emsdetten Eigentümer eines Glasfasernetzes für Firmenkunden. Die Planungs- und Bauphase bis zur tatsächlichen Nutzung der ersten Glasfaseranschlüsse für Privathaushalte dauerte insgesamt ein gutes halbes Jahr. Circa 1,5 Millionen Euro haben die Stadtwerke Emsdetten in das Projekt mit dem Produktnamen „fiber 2 HOME“ im Jahr 2012 investiert. Ein Teil davon wurde als Darlehen aus dem Programm NRW.BANK.Breitband bestritten. Dahinter verbirgt sich ein zinsgünstiger Förderkredit für Hochleistungs-Breitbandnetze. Heike Nentwig, Kundenbetreuerin für öffentliche Kunden bei der NRW.BANK: „Die Landesregierung hat sich mit ihrer Breitbandstrategie zum Ziel gesetzt, bedarfsgerechte Breitbandanbindungen auch jenseits großer Städte und Ballungsräume zu etablieren. Mit dem Produkt NRW.BANK.Breitband möchten wir entscheidend dazu beitragen. Die Stadtwerke Emsdetten verfolgen damit das Ziel, Emsdetten insbesondere als Wohnstandort attraktiver zu machen.“

„Wenn nicht wir, wer dann?“

40 Meter Durchmesser müsste ein Kupferkabel haben, um die Leistungsfähigkeit eines daumendicken Glasfaserstrangs zu erzielen. Glasfaseranschlüsse vollführen einen wahren Quantensprung, wenn es um Internet-, Telefon- und TV-Anschlüsse geht. Die innovative Schlüsseltechnologie ermöglicht Übertragungsraten von bis zu 10 Gigabit pro Sekunde und stellt einen wesentlichen Standort- und Wettbewerbsfaktor für viele Städte und Gemeinden dar. Das Angebot der Emsdettener Stadtwerke trifft den Nerv der Zeit. „Für Immobilieninteressenten oder Mieter ist ein leistungsfähiger Internetzugang eine Frage von Lebensqualität, Bildungs- und Erwerbschancen – und wird deshalb immer wichtiger“, berichtet Dominique Kinzkofer. „Große Anbieter engagieren sich aber meist nur in größeren Städten, weil das für sie lukrativer ist. In Sachen Breitbandangebot in einer Stadt wie Emsdetten mit rund 36.000 Einwohnern galt also: Wenn nicht wir, wer dann?“ Das Interesse der Emsdettener an der neuen Technologie ist jedenfalls groß.

Dominique Kinzkofer erzählt nicht ohne Stolz: „Wir freuen uns, mit ,fiber 2 HOME' für beide Seiten eine Win-win-Situation geschaffen zu haben – die Kunden bekommen den zurzeit schnellstmöglichen Internetzugang und wir untermauern unsere gute Reputation als regionaler Versorger.“ Daran werden die Stadtwerke natürlich weiter arbeiten: Derzeit laufen die Planungen, damit Ende 2012 bereits die nächsten Stadtteile mit Glasfaseranschlüssen für Privatleute ausgerüstet sind, auch dafür kommen noch die Mittel aus dem Programm NRW.BANK.Breitband zum Einsatz. In den folgenden Jahren sollen dann sukzessive weitere Stadtteile in den Genuss von Highspeed-Internet kommen.

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