Idyllisch an der Ruhr und umgeben von Wald liegt das Boulodrom, also das Trainingsgelände der Boulegemeinschaft Kettwig auf der Sportanlage an der Ruhrtalstraße im Essener Süden. Hier spielen die Mitglieder des Vereins Sommers wie Winters die französische Kugelsportart Pétanque, umgangssprachlich meist Boule genannt. Schon lange reifte der Wunsch, eine Boulehalle und damit bessere Trainingsmöglichkeiten zu haben. Denn 35 Mitglieder betreiben Pétanque als Leistungssportart – einige von ihnen sogar in der NRW-Liga – bei der es noch mehr auf Präzision ankommt als beim Freizeitsport. Für die Hallenmeisterschaften des Pétanque müssen sie bisher in Hallen andernorts trainieren. „Wir versprechen uns von einer Boulehalle außerdem einen Vorteil für die Jugendarbeit. Leider springen Neulinge im Winter schon mal schneller ab, wenn es beim Training zu kalt ist“, erklärt Georgios Dimitriadis, der erste Vorsitzende des Vereins.
Ein lange gehegter Wunsch wird wahr
„Planungen für die Halle sind schon seit 2007 im Gange. Im August 2009 wurde die Genehmigung für den Bau einer Halle erteilt“, berichtet der zweite Vorsitzende des Vereins Friedhelm Sehnbruch. „Seit 2011 steht auch die Finanzierung für das Projekt.“ Schließlich belaufen sich die Kosten für den Bau auf gut 71.000 Euro. Davon stemmt der Verein etwa 30.000 Euro. Aus dem Förderprogramm NRW.BANK.Sportstätten, mit dem die Förderbank für das Land Nordrhein-Westfalen gemeinnützige Sportorganisationen bei Investitionen in Sportanlagen unterstützt, erhält die Boulegemeinschaft Kettwig 15.000 Euro. Ein weiterer Teil wird von der Stadt Essen finanziert. Die Baugenehmigung und die Finanzierung zu bekommen, waren aber nicht die einzigen Hürden auf dem Weg zur Boulehalle. Nicht zuletzt galt es skeptische Vereinsmitglieder zu überzeugen, die das Unterfangen lange Zeit aus organisatorischen, aber auch aus finanziellen Gründen für zu ambitioniert hielten.
Großer Einsatz für kleine Kugeln
Doch Anfang Oktober 2011 war es soweit: Der erste Spatenstich wurde gefeiert. Nun hoffen die Vereinsmitglieder, dass Ende November die ersten Spiele in der Halle, die immerhin 25 Meter lang, elf Meter breit und 5,50 Meter hoch sein wird, stattfinden können. Kein leichtes Unterfangen: Aus Kostengründen erfolgt ein Großteil der Arbeit in Eigenregie und dafür haben die meisten Mitglieder natürlich nur am Wochenende Zeit. Kassenwart Norbert Schmitz erläutert: „Selbst wenn die Halle dann steht, haben wir immer noch ein gutes Stück Arbeit vor uns, schließlich brauchen wir noch eine Dämmung und eine Heizung, um nur einiges zu nennen.“ Aber mit viel Herzblut und Leidenschaft für den Sport mit den kleinen Metallkugeln wird die Boulegemeinschaft Kettwig auch die letzten Hürden auf dem Weg zu einer winterfesten Trainingsstätte meistern. Vielleicht wird dann in Zukunft dank der neuen Halle die Mitgliederzahl noch rasanter steigen, als in den vergangenen drei Jahren, in denen der Verein von 20 auf rund 70 Mitglieder – aus sechs verschiedenen Nationen – gewachsen ist. Mit den neuen Bahnen in der Halle und den bereits bestehenden Außenbahnen verfügt die Boulegemeinschaft über 32 Bahnen. Sie sind die Voraussetzung dafür, dass in Kettwig zukünftig Landesmeisterschaften ausgetragen werden können – und dem französischen Nationalsport in Deutschland noch mehr Anhänger bescheren.
