Stadtentwicklungsprojekte werden in der Regel in der Stadtverwaltung zusammen mit Planungsbüros erarbeitet und dann der Öffentlichkeit präsentiert. „Im Westen was Neues“ geht einen offeneren Weg – bereits vor der Planung war eine aktive Mitwirkung erwünscht. 2008 begann diese, nachdem die Stadt Hamm keinen Zuschlag für die Landesgartenschau 2014 erhielt. In Arbeitsgruppen tauschen sich seitdem Bürger aus und entwickeln gemeinsam Ideen, die sie dann umsetzen. „Die Bürger schätzen, dass sie etwas bewegen können, wenn sie aktiv mitarbeiten“, meint Projektleiter Andreas Mentz. Im Januar 2011 erhielten die Stadt Hamm und – stellvertretend für alle Bürgerinnen und Bürger, die sich bisher eingebracht haben – auch Vertreterinnen und Vertreter der verschiedenen Arbeitsgruppen und des Beirats den „Bundespreis Soziale Stadt 2010“ in Berlin. Auch beim NRW.BANK.Ideenwettbewerb gab es eine Auszeichnung in der Kategorie „Wohnen und Leben“.
Noch eine Brache, bald ein Bürgerpark: das Gelände der Zeche Franz in Hamm. Foto: Stadt Hamm/Hans Blossey
Zechenbrache „Schacht Franz“
Im Mittelpunkt des Projektes steht die Zechenbrache „Schacht Franz“, die in Zukunft als Stadtteilpark genutzt werden soll. Die Fläche ist Teil des Hammer Stadtteils Herringen. Seit 2002 ist der 1040 Meter tiefe Schacht Franz verfüllt, Experten sprengten das Gebäude 2003. Durch Brücken über die Lippe und den Datteln-Hamm-Kanal entstehen dort Wegverbindungen zu angrenzenden Landschaftsräumen der Stadtteile im Norden und Süden, die Fläche soll begrünt und mit Attraktionen ausgestattet werden. Die unterschiedlichen Höhen im Gelände, es gibt Wälle und Halden, können Besucher über Treppen und Rampen bewältigen.
Über 100 Projektideen
Eine wichtige Rolle spielen bei der Raumgestaltung Bedürfnisse der Stadtteilbewohner, insbesondere die der Kinder und Jugendlichen und ihrer Familien. Über 100 Projektideen gab es, viele davon werden bereits umgesetzt. Ob ein „Ort der Bergbaugeschichte“, ein „Ort der interreligiösen Begegnung“, Kinderspielplätze oder Liegewiesen mit Grillstellen – die Ideen sind vielfältig. „Beispielhaft ist ein Funsportbereich, der aus einer Werkstatt entstanden ist, die wir mit Jugendlichen durchgeführt haben“, erklärt Andreas Mentz. In Zukunft spielen in dem Park Kinder, grillen Familien oder nutzen Mountainbike-Fans einen Parcours.
Vorbild für andere Kommunen
Früh die Bürger mit ins Boot holen, macht sich bezahlt. Das zeigt „Im Westen was Neues“ deutlich. Alle Ratsbeschlüsse gingen bislang einstimmig durch, was zu einer zügigen Projektabwicklung führt.
Die Bürger sind zufrieden und haben das Gefühl, dass ihre Wünsche ernst genommen werden. Der Austausch in Arbeitsgruppen stärkt die Stadtteil-Gemeinschaft und liefert somit einen wichtigen zwischenmenschlichen Beitrag. Bürger gestalten gemeinsam ihr Lebensumfeld, werten ihre Lebensqualität auf. Das Projekt kann Vorbild für andere Kommunen in Nordrhein-Westfalen sein. Dort gibt es ähnliche Herausforderungen, die in den nächsten Jahren bewältigt werden müssen. Von „Im Westen was Neues“ können sie lernen.
