Im Dachstuhl wird die Wärme der Solarthermie-Anlage verteilt.
Das Energiekonzept fußt auf einer Mischung aus Bastelleidenschaft und Umweltbewusstsein. Dass viel Eigenarbeit im „Kraftwerk-Haus“ steckt, sieht man im Keller am Wirrwarr von Kabeln, Leitungen und einem alten, aber funktionsfähigen und selbstprogrammierten Computer für die Energiesteuerung. Nach und nach verwandelte sich das Haus in ein Kraftwerk. Gemacht wurde seit dem Einzug im Jahr 1986, was sich rechnete. Rund 100.000 Euro investierten Ulrich Süfke und seine Frau Marianne in die Energietechnik unter anderem mit Hilfe der KfW. „Das letzte Darlehen ist fast abbezahlt“, freut sich Ulrich Süfke. Aus dem Effeff kann er die Förderung von alternativen Energien aufzählen. „Unterm Strich zahlen wir nur ein Drittel unseres verbrauchten Stroms. Und kaum etwas für Wärme. Das rentiert sich.“
Als gelernter Elektroinstallateur und Industriemeister der Fachrichtung Elektrotechnik kennt sich Ulrich Süfke mit Energie aus. Bei einem großen Glashersteller war er für die vier Meter hohe, mit Schiffsdiesel betriebene KWK-Anlage zuständig. 4.000 Kilowatt elektrische Leistung versorgte die Maschinen, die Werkstätten und Bürogebäude, die Wärme heizte unter anderem die zahlreichen Gebäude und erwärmte das Wasser für die Wasch- und Duschräume. Im Jahr 1995 machte er sich selbstständig als Vertreter für die „kleinere“ Variante, für Mikro-KWK-Anlagen. Auf seiner Internetseite kwk-forum.de diskutiert er mit Interessierten und Gleichgesinnten über effiziente Lösungen.
Pioniere für alternative Energien
In Bochum sind Ulrich und Marianne Süfke so etwas wie Pioniere für alternative Energien. Seit 15 Jahren erledigt das Ehepaar Besorgungen mit einem kleinen Elektroauto. Den Strom fürs Gefährt und Haus produziert eine gasbetriebene Mini-KWK-Anlage, die das Haus mit seinen vier Wohnungen seit 18 Jahren nicht nur mit Elektrizität, sondern auch mit Wärme versorgt. „Ich brauche nur ab und an die Zündkerzen zu wechseln“, sagt Ulrich Süfke über seinen energieeffizienten Wärme-Strom-Generator in der Garage.
Wenn die Sonne lacht, wird Energie aus Photovoltaik- und Solarthermiepanelen gewonnen. So gut wie jede geeignete Dachfläche ist seit Ende der 1990er-Jahre mit Sonnenkollektoren belegt. Selbst bei diffusem Licht gewinnt die 100 Quadratmeter große Photovoltaikanlage noch Strom, wenngleich mit 0,5 Kilowatt naturgemäß deutlich weniger als im „Sonnenbetrieb“ mit zehn Kilowatt. Die Energie aus den etwa 15 Quadratmeter großen Solarthermieflächen unterstützt die Warmwasseraufbereitung.
Blick auf die Solaranlage der Garage und des Anbaus.
„Jetzt ist aber Schluss"
Vor ein paar Jahren ließen die Süfkes zudem den gepflasterten Hof aufreißen. 300 Meter tief bohrte eine Spezialfirma drei Löcher in den Boden für die Geothermieanlage. Und weil man gerade dabei war, versenkte das Bochumer Ehepaar auch noch einen 30.000-Liter-Regenwasserspeicher für Waschwasser und Toilettenspülung. Ob er noch mehr Energie im und am Haus gewinnen kann? Da kommt Ulrich Süfke noch eine Windkraftanlage für den Vorgarten in den Sinn, wenn denn eine solche dort genehmigungsfähig wäre. Doch am Ende lacht er: „Jetzt ist aber Schluss.“ Vorerst.

