Kommunen: Andreas Hollstein, Bürgermeister der Stadt Altena

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//Altena erweckt die Innenstadt zu neuem Leben

„Altena war schon abgeschrieben“, erinnert sich Bürgermeister Andreas Hollstein. In der Drahtindustrie führte die Automatisierung zum Stellenabbau. Immer mehr Menschen zogen weg. Seit 2001 greift ein Nothaushalt. Doch nun geht es wieder aufwärts. Auch mit dem Aufzug.

„Eine der wichtigsten Herausforderungen ist, sich erst einmal der Probleme und ihrer Tragweite bewusst zu werden“, erklärt Karl-Friedrich Hofmann, verantwortlich für die Wohnungsmarktbeobachtung der NRW.BANK. In den 1970er-Jahren hatte Altena knapp über 32.000 Einwohner. Ende 2008 waren es gerade noch 19.282. Langsam setzte der Verfall ein, die Einkaufsstraße verödete. „Zum Glück gibt es immer wieder Visionäre, die sehen, was getan werden muss.“

Andreas Hollstein ist so einer. Als er 1999 ins Amt kam, griff er auch zu unpopulären Methoden: Er setzte den Rotstift an, schloss ein Freibad, strich die Zuschüsse für Vereine. Auch die Stadtverwaltung verschonte er nicht: Die Verwaltung schrumpfte um 40 Arbeitsplätze auf 140 Mitarbeiter. Doch der eigentliche Clou lag 2003 auf dem Tisch: „Altena 2015“, ein Entwicklungs- und Handlungskonzept für die Neuerfindung der Stadt. Herzstück ist die Revitalisierung der Innenstadt. Andreas Hollstein animierte außerdem die Bürger, selbst mit Hand anzulegen: Als die Fußgängerzone im Jahr 2004 neu gepflastert wurde, rissen die Einwohner Altenas abends selbst das alte Pflaster heraus, tagsüber sorgten Baufirmen für neuen Glanz. Im Jahr 2009 wurden der Busbahnhof, der das Tor zur Fußgängerzone ist, und der erste Teil des Lenneufers neu gestaltet.

I-Tüpfelchen wird ein Eventaufzug sein, mit dem Besucher von der Burg hinab in die Stadt fahren können – und zwar durch den Berg und mit einem Unterhaltungsprogramm. Im Jahr 2013 soll der weltweit einmalige Aufzug eingeweiht werden. „Von den jährlich 110.000 Besuchern der Burg kommen nur 5.000 in die Stadt. Das wollen wir ändern.“ Das Plus an Besuchern wird sich positiv auf den Einzelhandel auswirken. Zudem soll das Wohnungsangebot großflächig aufgewertet und an zukünftige Bedürfnisse angepasst werden. Nach Angaben der Stadt wird das Durchschnittsalter der Einwohner Altenas von derzeit 42,5 Jahren bis zum Jahr 2020 auf 47,5 Jahre ansteigen – bei gleichzeitig weiter sinkender Einwohnerzahl. 

Kommunen: Andreas Hollstein, Bürgermeister der Stadt Altena Bürgermeister Andreas Hollstein.

Eine Stadt für alle Generationen

Als eine von sechs Kommunen bundesweit beteiligte sich Altena 2006 am NAIS-Projekt der Bertelsmann-Stiftung. NAIS, das steht für „Neues Altern in der Stadt“. „Bürger, Unternehmen und Kulturschaffende haben ein Konzept erarbeitet“, berichtet Andreas Hollstein. „Im Mittelpunkt steht, wie Altena eine Stadt für alle Generationen werden kann.“ Das Konzept bietet klare Ansätze:

• Es müssen mehr Wohnungen entstehen, die den Bedürfnissen von Senioren entsprechen. Generationenübergreifendes Wohnen soll gefördert werden.

• Die Mobilität der Senioren soll durch Vereine, Verbände, private Anbieter und Initiativen sichergestellt werden, etwa durch Fahrdienste. Bei neuen Baumaßnahmen wird auf Barrierefreiheit geachtet.

• In allen Stadtteilen soll es Ansprechpartner zu allen Themen rund ums Alter geben.

• In Trägerschaft der großen Sozialverbände entsteht derzeit ein stadtweites Familienzentrum.

Darüber hinaus richtete die Stadt das „Stellwerk“ ein, eine zentrale Anlaufstelle für ehrenamtliches Engagement der Vereine und Bürger in Altena. Hier werden zum Beispiel Fahrdienste und Lesepatenschaften vermittelt und Treffen von Senioren organisiert. Mit diesem generationenübergreifenden Ansatz gewann die Stadt Altena beim Ideenwettbewerb für innovative Kommunen 2008 der NRW.BANK den ersten Preis. „Bei dem als Preis ausgelobten Ideen-Mining haben sich die Vertreter der Stadt noch intensiver mit der Ideenfindung zur Erhöhung des bürgerschaftlichen Engagements befasst“, kommentiert Dr. Jörg Hopfe, Leiter der Abteilung Öffentliche Kunden in der NRW.BANK, der die Stadt seit Jahren intensiv betreut. Die Liste der Auszeichnungen setzt sich fort: Aus dem Wettbewerb WestfalenSprung 2011 ging Altena als Sieger für das beste Stadt- und Regionalentwicklungsprojekt hervor.

Andreas Hollstein setzt dabei immer auf das Engagement der Bürger: „Die Politik soll den Menschen ermöglichen, ihre Ideen zu realisieren. Was wir brauchen, ist eine Ermöglichungskultur. Ich versuche dabei, für Altena Manager, Moderator und Motivator zu sein“, erklärt er. Der beste Beweis dafür, dass ihm das gelingt, war seine zweite Wiederwahl im Jahr 2009.

 

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Altena

Metallverarbeitung und Drahtherstellung dominieren schon seit dem 14. Jahrhundert das wirtschaftliche Leben der Stadt: War das klassische Drahtziehen schon in den 1970er-Jahren die Ausnahme, dominieren seither Hightech-Produktionsverfahren für Stahldrähte. An den Ufern der Lenne entstehen 20 Prozent der Weltmarktproduktion.

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