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Kommunen

//„Zurück zur Bodenständigkeit“

„Ich bin Überzeugungstäter“, sagt Bernd Kummerow über sich selbst. Er ist Direktor und Leiter des Teams Kommunale Finanzierungen bei der NRW.BANK. Sein Spezialgebiet: Kommunales Finanz- und Zinsmanagement. Mit seinem Team berät er zahlreiche Kämmerer in den nordrhein-westfälischen Kommunen mit dem Ziel, ihrem Finanzmanagement neue Impulse und Stabilität zu geben. Ein Gespräch.

Warum ist Ihr Einsatz notwendig?

Bernd Kummerow: Traditionell war es so, dass in der Finanzwirtschaft die Aufgaben von Kämmerei und Stadt- bzw. Gemeindekasse in der Verwaltung des Kreditbestandes und des Finanzbedarfs gesehen wurden. Bei Fälligkeiten oder neuem Kreditbedarf wurde der Kontakt zur Hausbank oder ggf. auch zu einigen anderen Banken gesucht und eine neue Kreditvereinbarung getroffen. Durch die zunehmende Verschuldung der Kommunen wurden die Handlungsspielräume enger und es wuchs das Verständnis, dass ein aktives Management des Schuldenportfolios notwendig ist. Hinzu kamen neue Handlungsmöglichkeiten durch den Einsatz von Finanzderivaten zur Zinsrisikosteuerung. Heute ist ein funktionierendes Finanzmanagement eine Grundvoraussetzung für einen professionellen Auftritt auf den Finanzmärkten.

 

Welches Ziel verfolgen Sie mit der Beratung?

Bernd Kummerow: Unser Ziel ist es, dass die Kämmerer, mit denen wir zusammenarbeiten, zu 100 Prozent wissen, wie sich die Struktur ihres Schuldenportfolios aktuell darstellt und welche Konsequenzen – insbesondere auf den zu zahlenden Zinsaufwand – zukünftige Marktveränderungen haben. Wir wollen sie in die Lage versetzten, dass sie fachlich fundiert und auf der Basis umfassender Informationen aktiv eigene Entscheidungen treffen können. Aus vielen Gesprächen und Diskussionen mit Kommunen haben wir mitgenommen, dass diese häufig keine ausreichenden Detailkenntnisse über die Risiken vieler Finanzprodukte hatten, die zum Einsatz angeboten werden. Hiermit meine ich insbesondere die hoch strukturierten Produkte mit einem ausgeprägten Chancen-/Risiko-Profil.

 

Wie kann das sein?

Bernd Kummerow: In den Finanzbereichen der Kommunen mangelte es teilweise an Wissen, das lange Zeit in einer Stadtkämmerei oder Stadtkasse auch nicht notwendig war. Heute geht es nicht selten um Produkte des internationalen Finanzmarktes, mit denen ein Kämmerer in der Vergangenheit eigentlich nur selten Kontakt hatte. Ein Beispiel: Der Handel mit Derivaten kam ja erst ab Mitte der 90er-Jahre in Schwung, bis dann ab der Jahrtausendwende ein wahrer Hype losbrach. 

 
Bernd Kummerow, Direktor und Leiter des Teams Kommunale Finanzierungen bei der NRW.BANK. Bernd Kummerow, Direktor und Leiter des Teams Kommunale Finanzierungen bei der NRW.BANK.

Welche Konsequenzen entwickelten sich hieraus für die Kommunen?

Bernd Kummerow: Im Einsatz von Finanzderivaten wurden Möglichkeiten geshen, die Zinsbelastung der Kommune nicht nur zu steuern oder zu begrenzen, sondern sogar zu senken. Und die eingesetzten Derivatestrukturen wurden immer komplexer und damit einhergehend im Regelfall auch riskanter.

Der Blick richtete sich vorrangig auf die Chancen und weniger auf die Risiken. Über mehrere Jahre konnten viele Kommunen positive, zahlungswirksame Erfolge erzielen, aber ab etwa 2005 führten unerwartete Zinsentwicklungen dazu, dass immer mehr Kommunen auch negative Erfahrungen mit diesen unpassenden Derivategeschäften machen mussten.

 

Was wäre der Lösungsweg?

Bernd Kummerow: Zurück in die Zukunft! Es gibt auf den Finanzmärkten kein Zauberwerk oder einfacher gesagt, keine Erfolgsgarantie. Heute ist ein bodenständiger Blick auf Chancen und Risiken gefragt. Mein Ratschlag: Man darf sich nur auf Finanzprodukte einlassen, die man binnen fünf Minuten vollständig verstanden hat. Alles andere hat im kommunalen Finanz- und Zinsmanagement nichts verloren. Ein effizientes Finanzmanagement ist mit einer überschaubaren Auswahl an Produkten zur Zinsrisikosteuerung gut umsetzbar.

 

Bewegt sich in den Kommunen denn etwas?

Bernd Kummerow: Wir beobachten, dass sich immer mehr ein Verständnis durchsetzt, das die Kämmerei wie das Treasury in der Industrie zu betrachten ist – als Cost- oder Service-Center, das die Liquidität für das laufende Geschäft sicherstellt. Und eben nicht als Profit-Center. Genau dieses Verständnis von einer Kämmerei zu haben, ist der richtige Ansatz.

 

Und hier setzt Ihre Beratungstätigkeit an?

Bernd Kummerow: Lassen Sie es mich so sagen: Das Finanz- und Zinsmanagement in den Kommunen ist heute zu groß und wichtig geworden, um es unprofessionell zu betreiben. Gleichzeitig ist es zu klein, um es umfassend professionell zu betreiben. Wir wollen genau an dieser Stelle mit unserer Beratung ansetzen. Wir wollen die Komunen unterstützen, Stabilität in die kommunalen Finanzen zu bringen, die Konsolidierung des Haushalts selbst ist weiterhin Aufgabe der Kommune und der Politik. Der Trend geht inzwischen zurück zu einem Finanzmanagement, das zu einer Kommune passt. Die kommunale Landschaft hat aus den Derivate-Geschäften gelernt und ist deutlich vorsichtiger geworden, was die Risiken angeht. Wir wollen unsere Beratung so individuell wie möglich auf jede Kommune zuschneiden, so dass die Organisation und Vorgehensweise zu Größe, Erfahrungen, Know-how etc. passt. 

 

Lehnen Sie denn den Einsatz von Finanzderivaten, wie zum Beispiel Zinsswaps, ab?

Bernd Kummerow: Überhaupt nicht! Wir arbeiten mit einer Reihe von Kommunen intensiv im Finanzmanagement zusammen. Ein wesentliches Fundament für die Organisation des Finanzmanagements ist stets die Erarbeitung einer Dienstanweisung. In diesem Regelwerk ist klar geregelt, welche Instrumente mit welcher Intensität eingesetzt werden dürfen. Und aus dem Bereich der Derivate ist dies eine gute Handvoll an Produkten, die zu Kommunen passen und auch sinnvoll eingesetzt werden können. Wie gesagt: Zurück in die Zukunft. 

 

Arbeiten Sie dann auch als „Finanz-Feuerwehr“?

Bernd Kummerow: Auch wir können Fehlentwicklungen der Vergangenheit nicht nachträglich korrigieren. In Einzelfällen haben wir Kommunen temporär beraten und begleitet, das ist aber eher die Ausnahme.

Bei diesen Sonderberatungen ging es meist um die Analyse und Aufbereitung des Status Quo und Unterstützung bei der Identifikation von Handlungsmöglichkeiten. Die Entscheidung und Umsetzung der Ergebnisse erfolgte stets durch die Kommunen selber.

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