Für die Kommunen im Land ist ein effizientes Finanz- und Zinsmanagement heute wichtiger denn je. Bereits in der zweiten Hälfte der 1990er-Jahre tauchte der Begriff Finanzmanagement in den Kommunen auf. Schon damals wurden die finanziellen Spielräume spürbar enger und die Zielsetzung, die Zinslast der Kommunen zu optimieren oder gar zu senken, wurde immer anspruchsvoller. Parallel verbreiterten die Banken ihr Produktangebot an die Kommunen im Finanzmanagement erheblich.
„Ab der Jahrtausendwende bis in die zweite Hälfte des letzten Jahrzehnts haben wir einen regelrechten Hype um Derivate erlebt“, erinnert sich Bernd Kummerow, Direktor und Leiter Kommunale Finanzierungen der NRW.BANK. „Ab etwa 2006 musste aber realisiert werden, dass insbesondere strukturierte Derivate statt Ersparnissen deutliche Verluste produziert haben. Wenn die Verluste auf der Zahlungsebene wirksam werden, ist es sehr häufig schon zu spät um auszusteigen, da die Marktwerte – also der Preis zum Rückkauf der Geschäfte – dann typischerweise negativ sind.“
Es war Zeit gegenzusteuern, die Städte begannen nach neuen kommunalorientierten Partnern zu
suchen, die sie bei der Steuerung ihrer Finanzen unterstützen sollten.
2006 startete Pilotprojekt in Gelsenkirchen
Viele Städte fanden diesen Partner in der NRW.BANK, zum Beispiel Gelsenkirchen. Die Stadt
hatte erkannt, dass eigene Ressourcen und Know-how nicht ausreichten, um die Aufgaben eines
professionellen Finanzmanagements zu bewältigen. Ab Anfang 2006 wurde mit der Stadt Gelsenkirchen
ein gemeinsames Pilotprojekt im Kommunalen Finanz- und Zinsmanagement gestartet. „Die Idee war, die
Kapitalmarkterfahrung und kommunale Kompetenz der NRW.BANK für ein kommunales Finanzmanagement
anwendbar zu machen. Und durch die Zusammenarbeit mit der Stadt Gelsenkirchen konnte sicher
gestellt werden, dass ein kommunalgerechter Lösungsweg gefunden wurde.“ Neben dem Know-how-Transfer
entstand so ein effektives Risikomanagement, das der Stadt etwas Luft in ihrem Haushalt
verschaffte. Inzwischen ist aus dem Pilotprojekt ein kontinuierliches Beratungsangebot der NRW.BANK
geworden.
„Ein funktionierendes Finanz- und Zinsmanagement saniert zwar nicht den Haushalt, sorgt aber
für mehr Stabilität“, erläutert Bernd Kummerow. Wichtig hierfür ist zunächst, dass funktionierende
und stabile Strukturen geschaffen werden. Dazu bietet die NRW.BANK als Berater eine Aufbauphase an,
in der unter anderem. die notwendigen Dienstanweisungen und Organisationsstrukturen geschaffen
werden. „Wir unterstützen den Auf- und Ausbau eines professionellen Finanzmanagements sach- und
fachgerecht“, fasst Bernd Kummerow zusammen. „Da geht es dann darum, Prozesse klar zu
strukturieren, Entscheidungskompetenzen zu fixieren, aber auch festzulegen, welche Produkte
überhaupt ins Portfolio genommen werden dürfen und vieles mehr.“
Kapitalmarkterfahrung trifft Kommune
Eine weitere Herausforderung liegt darin, dass die Finanzierung der Kommunen inzwischen eng
mit dem Geschehen auf den internationalen Finanzmärkten verwoben ist. Bernd Kummerow: „Ein Parkett,
auf dem sich Kämmerer selbstverständlich nicht täglich bewegen. Sind sie im Bereich der
Liquiditätskredite mit eher kürzeren Laufzeiten noch recht aktiv, stehen Investitionskredite mit
traditionell mittleren und langen Laufzeiten deutlich seltener auf der Tagesordnung.“ Bei Bedarf
beraten die Spezialisten der NRW.BANK die Kämmerer deshalb auch nach dem Aufbau des kommunalen
Finanz- und Zinsmanagements – in der sogenannten Betriebsphase.
Zu den Informationen, auf die die Kämmerer dann zugreifen können, gehören zum Beispiel Portfolioanalysen und Simulationsrechnungen, die zeigen, wie sich das Zinsaufkommen ihrer Kommune in Zukunft entwickeln wird, wie sich Wechselkursänderungen auswirken oder wann Liquiditätsrisiken drohen. Bernd Kummerow: „Eine wesentliche Zielsetzung unseres Ansatzes ist, dass die Kommune exakte Informationen über die Bestände auf Portfolioebene bekommt und darüber hinaus durch die Szenariorechnungen genaue Kenntnis über die Konsequenzen von Marktveränderungen, insbesondere für die zukünftigen Zinsbelastungen, hat . Dass wir mit unserem Ansatz auf dem richtigen Weg sind, haben die Anfragen gezeigt, die uns in den letzten fünf Jahren erreicht haben.“
