Klimaschutzsiedlungen - Interview mit Edgar Heisler
Edgar Heisler, Dezernent der Bezirksregierung Arnsberg. (Bild: NRW.BANK)
Siegel: Energieeffizienz lohnt sich

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//Land fördert „100 Klimaschutzsiedlungen in Nordrhein-Westfalen“

Edgar Heisler ist als Dezernent der Bezirksregierung Arnsberg im Rahmen des Förderprogramms progres.nrw zuständig für die Förderung der „100 Klimaschutzsiedlungen“. Im Interview erläutert er das Projekt, das zum Energiesparen und zur Steigerung der Energieeffizienz in NRW beiträgt.

Herr Heisler, warum spielt das Thema Energie in Nordrhein-Westfalen so eine große Rolle?

Edgar Heisler: Unser Bundesland gilt als Deutschlands Energieregion Nummer 1. Wir liefern nicht nur 30 Prozent des bundesweit benötigten Stroms. Auch werden hier 40 Prozent des deutschen Industriestroms verbraucht. International tätige Energieversorger, Großunternehmen mit energieintensiver Produktion und renommierte Kraftwerksbauer haben hier ihren Sitz. Ebenso kann NRW auf eine sehr große Zahl von Entwicklern, Anbietern und Nutzern neuer Energietechniken verweisen. Das alles ist Grund genug für die nordrhein-westfälische Landesregierung, zusätzlich zu europäischen und bundesweiten Klimaschutzmaßnahmen, intensiv an der Steigerung der Energieeffizienz und des Energiesparens zu arbeiten. Der besondere eintretende Nebeneffekt ist der automatisch steigende Anteil der Erneuerbaren Energien an der Stromversorgung. Gleichzeitig, soll der Ausbau der Erneuerbaren Energien beschleunigt werden. So will die nordrhein-westfälische Landesregierung dem notwendigen und nachhaltigen Klimaschutz in NRW Rechnung tragen.

 

Wie sehen diese Klimaschutzmaßnahmen aus?

Edgar Heisler: Im Januar 2013 hat der NRW-Landtag als bundesweit erstes Parlament ein Klimaschutzgesetz verabschiedet. Das verbindliche Ziel des Gesetzes ist es, die Treibhausemissionen bis 2020 um mindestens 25 Prozent gegenüber 1990 und bis 2050 sogar um bis zu 80 Prozent zu senken. In den nun zu entwickelnden Klimaschutzplan soll im Detail verankert werden, wie dies geschehen soll. Insbesondere liegt ein Augenmerk, neben vielen Energieeffizienz- und Energieeinsparmaßnahmen, darauf, die Windenergie und Kraft-Wärme-Kopplung auszubauen. Zudem soll die industrielle Abwärme häufiger genutzt werden.

 

Auf welche Erfolge blicken Sie zurück?

Edgar Heisler: Bereits seit 1987 haben die nordrhein-westfälischen Landesregierungen CO2-neutrale Energieerzeugungsarten und Techniken zur Energieeffizienz und Energieeinsparung wie zum Beispiel Photovoltaikanlagen, Solarkollektoranlagen, Passivhäuser und Lüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung gefördert. Damals ging das sogenannte REN-Förderprogramm an den Start. REN steht für „Rationelle Energieverwendung und Nutzung unerschöpflicher Energiequellen“. 2005 wurde daraus das Programm „progres.nrw“.

Insgesamt wurden seit 1988 rund 68.000 Anlagen finanziell unterstützt: von Solarkollektoranalgen über Windenergieanlagen bis hin zu Häusern im Passivhausstandard und Klimaschutzsiedlungen. In den ersten sieben Monaten des Jahres 2013 wurden für mehr als 4.000 Einzelmaßnahmen rund 6,0 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Die Energiewende und somit der Klimaschutz ist schließlich auch als Wirtschafts- und Mittelstandsförderung zu betrachten, denn allein die in diesem Jahr bereitgestellten Fördermittel ziehen Investitionen in Höhe von mindestens 40 Millionen Euro nach sich. Eingesparte Folgekosten durch vermiedene Schäden an der Umwelt sind darin noch nicht einberechnet.

 

Für was steht nun das Projekt „100 Klimaschutzsiedlungen in Nordrhein-Westfalen“?

Edgar Heisler: Die „100 Klimaschutzsiedlungen in Nordrhein-Westfalen“ sind das 2009 initiierte Nachfolgeprojekt zu den „50 Solarsiedlungen in Nordrhein-Westfalen“. Getragen wird das Projekt vom NRW-Klimaschutzministerium. Damit sollen Anreize geschaffen werden, die wärmebedingten CO2-Emissionen in Wohnsiedlungen weiter zu reduzieren. Zum Einsatz können alle Technologien kommen, die CO2 einsparen. So sind beispielsweise Häuser im geforderten Passivhausstandard alles andere als selbstverständlich. Oft wird bei Bauvorhaben nur der derzeitige Mindeststandard erfüllt.

Um sich „Klimaschutzsiedlung“ nennen zu dürfen, müssen bei den Bauvorhaben darüber hinaus noch die sozialen und infrastrukturellen Qualitäten stimmen.

 

Wie wird ein Bauvorhaben zur „Klimaschutzsiedlung“?

Edgar Heisler: Privatpersonen sowie private oder öffentliche Bauträger können uns ihre Projekte vorstellen. Diese müssen natürlich die in einem „Planungsleitfaden“ dargelegten Anforderungen erfüllen. Eine Auswahlkommission des Landes, zu der unter anderem Fachleute aus dem Bereich Erneuerbare Energien wie auch dem Bauwesen zählen, prüft die vorgestellten Siedlungskonzepte. Bei einem positiven Votum wird das Projekt von der Planung und Antragsstellung bis hin zur Fertigstellung und Nutzung begleitet. Es erhält Priorität im Förderprogramm für Maßnahmen zur Errichtung einer Klimaschutzsiedlung und damit Mittel aus „progres.nrw".

 

Welche Merkmale muss eine „Klimaschutzsiedlung“ erfüllen?

Edgar Heisler: Eine Klimaschutzsiedlung muss mindesten 20 Eigenheime, 30 Wohnungen oder 50 Heimplätze umfassen. Bei Neubauprojekten dürfen nicht mehr als neun Kilogramm Kohlendioxid pro Quadratmeter im Jahr an wärmebedingten CO2-Emissionen anfallen. Und der geforderte Wärmedämmstandard entspricht dem eines Passivhauses oder dem eines 3-Liter-Hauses. Auch bestehende ältere Wohnsiedlungen können im Rahmen einer Sanierung zu einer „Klimaschutzsiedlung“ umgebaut werden, für diese gelten entsprechend angepasste Anforderungen.

 

Wo können sich interessierte Bauherren informieren?

Edgar Heisler: Hauptansprechpartner rund um alle Fragen zu „Klimaschutzsiedlungen“ ist Andreas Gries von der EnergieAgentur.NRW. Im Planungsleitfaden „100 Klimaschutzsiedlungen in Nordrhein-Westfalen“, der im Internet zur Verfügung steht, sind zudem alle Anforderungen ausführlich erläutert.

Ansprechpartner zum Thema Klimaschutzsiedlungen und zu allen anderen Fragen rund um das Thema „progres.nrw“ ist natürlich auch die nrw-weite Bewilligungsstelle, die Bezirksregierung Arnsberg. Dort sind auch Antragsunterlagen zu erhalten.

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