Wohnungsbauunternehmen in Köln bildeten mit Bewohnern, Vereinen, Glaubensgemeinschaften und Bildungseinrichtungen ein Bündnis für die Quartiersentwicklung
Andreas Breil, der Veedelshausmeister im Stadtteil Köln-Kalk (Bild: NRW.BANK)

Wohnen

//Quartiersentwicklung: In Köln-Kalk ziehen viele Akteure an einem Strang

Der Norden des Stadtteils Köln-Kalk hat zwischen 2010 und 2013 viel Aufmerksamkeit erfahren: Wohnungsbauunternehmen setzten sich mit Bewohnern zusammen, luden Vereine, Glaubensgemeinschaften oder Bildungseinrichtungen zu den Treffen ein. Örtliche Politiker brachten sich verstärkt ein. Der Bauminister des Landes besuchte das Viertel. Der Grund für das große Interesse: Ein freiwilliges Bündnis – der Wohndialog Kalk Nord – hatte sich zusammengefunden, um den Stadtteil wieder lebenswerter zu machen. Die Wohnraumförderung der NRW.BANK half mit bei der Quartiersentwicklung.

Das Viertel hatte Entwicklung dringend nötig. Fachleute zählen Kalk-Nord zu den „Stadtteilen mit besonderem Erneuerungsbedarf“ – gemeint ist eine Kombination aus heruntergekommenen Altbauten, vermüllten Grünanlagen, intensiven Nachbarschaftskonflikten, starker Mieterfluktuation und hohen Schulabbrecherquoten. Dass Menschen sich in solchen Gegenden nicht unbedingt wohlfühlen, liegt auf der Hand. In Kalk-Nord schauten die Betroffenen aber genauer hin. Und sie entdeckten schließlich ein gemeinsames Interesse, etwas an der Situation zu ändern.

Das Bündnis Wohndialog Kalk Nord setzte viel in Gang (Bild: NRW.BANK) Das Bündnis Wohndialog Kalk Nord setzte viel in Gang (Bild: NRW.BANK)
Veedelshausmeister Andreas Breil (rechts) ist die „Gute Seele“ des Quartiers (Bild: NRW.BANK) Veedelshausmeister Andreas Breil (rechts) ist die „Gute Seele“ des Quartiers (Bild: NRW.BANK)

Schwierige Ausgangslage

„Die Ausgangslage war schwierig: Es gab viele Wohnungsbaugesellschaften und private Hausbesitzer. Trotzdem gelang es, Akteure von mehr als einem Viertel der Wohneinheiten an einen Tisch zu holen“, sagt Jörg Fleischer, Pressesprecher der GAG Immobilien AG. Die Motivation zum gemeinsamen Vorgehen war rasch klar. Jörg Fleischer: „Wir wussten, dass eine Aufwertung des GAG-Wohnraums allein nicht ausreichen würde, die Probleme des Viertels insgesamt zu lösen.“ Der Wohndialog Kalk Nord, der auf Anregung der Montag-Stiftung von drei Wohnungsgesellschaften zusammen mit Haus & Grund ins Leben gerufen wurde und 2011 seine Arbeit aufnahm, formulierte daher in einer gemeinsamen Erklärung den Willen, „qualitativ gute, bedarfsgerechte Wohnungen und wohnortnahe Freiräume in einer stabilen Nachbarschaft anzubieten und dabei das Mietniveau möglichst gering zu halten“. Man gab sich die Hand darauf – alles läuft auf freiwilliger Basis, ohne Verordnung oder Vertrag. Aber es läuft.

Gemeinsam an einem Strang ziehen

Für die Wohnungsbaugesellschaften bedeutete das viel Arbeit. Die Wohnungen waren überwiegend aus den 1930er Jahren, seitdem nur geringfügig modernisiert – entsprechend war ihr Zustand. Zwar lagen die Mieten deutlich unter dem Kölner Mietdurchschnitt und waren damit für Geringverdiener attraktiv, doch war die Gesamtsituation offensichtlich ein Auslöser für die Probleme im Stadtteil. „Neu war nun, dass wir uns erstmals untereinander abstimmten und an einem Strang zogen“, erklärt Jörg Fleischer die Tatsache, dass sich plötzlich etwas bewegte.

Besser wohnen – nicht teurer

Ein Beispiel für eine deutliche Verbesserung des Wohnumfelds ohne größere Mieterhöhungen ist das Baufeld 4 in Kalk-Nord. Dort riss die GAG einen kompletten Wohnblock mit über 140 Wohneinheiten ab und errichtete – unter anderem mit Mitteln aus dem Wohnungsbauförderungsprogramm der NRW.BANK – einen Neubau. „Die durchschnittliche Miete im Altbau lag bei 4,95 Euro, nun liegt sie lediglich 15 Cent höher. Gleichzeitig wohnen die Mieter nun viel komfortabler“, sagt Jörg Fleischer. So haben zum Beispiel alle Wohnungen einen Balkon, es gibt einen leichten Zugang zum Innenhof, Tiefgaragenstellplätze, eine zeitgemäße Heizungsanlage und gute Wärmedämmung.

Informelle Wege führen zum Ziel

Doch die Wohndialog-Partner beschränkten sich nicht darauf, Wohnraum zu modernisieren. Beispielsweise dreht seit einiger Zeit der sogenannte Veedelshausmeister seine Runden durch den Stadtteil. Die Stelle wurde von den Partnern eingerichtet und mit jemandem besetzt, der ideal auf diese Position passt: Andreas Breil wuchs hier auf, sah den Abstieg des Veedels und hängt an den Straßenzügen und ihren Bewohnern. Seine Aufgabe ist es, die Augen offen zu halten, zu vermitteln, sich zu kümmern. Und er sieht, was getan werden muss: Hier eine wilde Müllkippe beseitigen lassen, dort einer überforderten alleinerziehenden Mutter beistehen oder einen Hundebesitzer auf die Hinterlassenschaft des Vierbeiners aufmerksam machen. „Letztlich geht es darum, auf kurzen, informellen Wegen und mit etwas Phantasie das zu erreichen, was sonst lange dauern oder gar nicht passieren würde“, sagt Andreas Breil. Er weiß: Gegen Kummer hilft Kümmern.

Fördermöglichkeiten für Ihr Vorhaben finden

Ich suche Fördermöglichkeiten für
im Förderthema

Eine vollständige Übersicht der Auswahlkriterien bietet Ihnen die  Produktsuche

Wohnen

Der Niederfeldsee wurde eigens für das  „Uferviertel“ angelegt (Bild: NRW.BANK)

Neue Quartiere: Projektorientierte Förderung wertet Altendorf auf

„Es war ein schwieriger Prozess“, erinnert sich Werner Weskamp von Haus & Grund Essen e.V. Um den Impuls aufzugreifen, der von dem neu angelegten Niederfeldsee ausging, mussten viele Hauseigentümer in Essen-Altendorf mit ins Boot geholt werden. „Sie haben die einmalige Chance, sich für Ihren Stadtteil zu engagieren, indem Sie Ihre Immobilien fit machen“, appellierte er an die privaten Eigentümer auf einer Versammlung im Jahr 2011. Die Chancen standen gut. Altendorf schickte sich mit Unterstützung der NRW.BANK an, deutlich an Attraktivität zu gewinnen.

Weiterlesen

Wohnen

Das Holzpellet-Heizkraftwerk der DOGEWO21 macht auch optisch was her (Bild: DOGEWO Dortmunder Gesellschaft für Wohnen mbH) Siegel: Energieeffizienz lohnt sich

Zukunftsweisend: Ein Pellet-Heizwerk für 158 Mietwohnungen

Wer das Heizen mit Holz für altmodisch hält oder gar das Schleppen schwerer Scheite im Kopf hat, dürfte sich darüber freuen, dass Wärme aus sogenannten Pellets eine moderne, kostengünstige und umweltschonende Angelegenheit ist. Deswegen sind die leichten Holzpresslinge gerade in Eigenheimen beliebt. Die Dortmunder DOGEWO21 bringt ihre Wärme nun mit Unterstützung der NRW.BANK in die Mietwohnungen.

Weiterlesen

Kommunen

Beispiel für zeitgemäße Stadtentwicklung: das Gelsenkirchener Quartier Bochumer Straße (Bild: NRW.BANK)

Stadtentwicklung aus dem Bestand heraus

Dass „neu“ nicht unbedingt mit „gut“ gleichzusetzen ist, davon können in der Rückschau so manche Städte, die in den 1960er- bis 1970er-Jahren mit „Flächensanierungen“ ganze Viertel abrissen und neu bauten, ein Lied singen. „Zeitgemäß ist heute eine behutsame Stadtentwicklung aus dem Bestand und dem gewachsenen Miteinander vor Ort heraus“, erklärt Karl-Friedrich Hofmann von der Wohnraumförderung der NRW.BANK. Mit integrierten Handlungskonzepten, die alle lokalen Akteure und das Umfeld einbeziehen, wird nunmehr punktuell eingegriffen, um Impulse für das ganze Quartier auszulösen. Beispielhaft macht das Gelsenkirchen im Quartier Bochumer Straße mit Unterstützung der NRW.BANK.

Weiterlesen

Ihre Anfrage

* Pflichtfelder Ihre E-Mail-Adresse und die E-Mail-Adresse des Empfängers/der Empfänger werden ausschließlich zu Übertragungszwecken verwendet und anschließend gelöscht.

Feedback

Ihre Bewertung der Seite

Haben Sie ein Anliegen und möchten lieber persönlich in Kontakt mit der NRW.BANK treten? Dann nutzen Sie bitte unsere Kontaktmöglichkeiten.