Mit einer flexiblen Förderung machte die NRW.BANK in Essen das „Uferviertel“ möglich. Parallel engagieren sich private Immobilieneigentümer
Der Niederfeldsee wurde eigens für das  „Uferviertel“ angelegt (Bild: NRW.BANK)

Wohnen

//Neue Quartiere: Projektorientierte Förderung wertet Altendorf auf

„Es war ein schwieriger Prozess“, erinnert sich Werner Weskamp von Haus & Grund Essen e.V. Um den Impuls aufzugreifen, der von dem neu angelegten Niederfeldsee ausging, mussten viele Hauseigentümer in Essen-Altendorf mit ins Boot geholt werden. „Sie haben die einmalige Chance, sich für Ihren Stadtteil zu engagieren, indem Sie Ihre Immobilien fit machen“, appellierte er an die privaten Eigentümer auf einer Versammlung im Jahr 2011. Die Chancen standen gut. Altendorf schickte sich mit Unterstützung der NRW.BANK an, deutlich an Attraktivität zu gewinnen.

Als „Stadtteil mit besonderem Erneuerungsbedarf“ steht Altendorf vor vielfältigen Herausforderungen. Mit dem Strukturwandel sind Arbeitsplätze weggebrochen. In dem hochverdichteten Gebiet in Nachbarschaft zu großen, brachgefallenen Industrieflächen herrscht ein Investitionsstau bei Immobilien: Die meisten Häuser stammen aus den Wiederaufbaujahren nach dem Zweiten Weltkrieg, in welchem Altendorf als direkter Nachbar der Kruppschen Gussstahlfabrik in Schutt und Asche gelegt worden war. Als später die „rauchfreie Stadt“ ausgerufen wurde, setzte der Siegeszug der heute unbeliebten Nachtspeicherheizungen in den Häusern ein. „Nirgendwo sonst in Essen findet man so viele wie in Altendorf“, sagt Werner Weskamp.

Dirk Miklikowski (Bild: NRW.BANK) Dirk Miklikowski von der Allbau AG hat mit dem „Uferviertel“ die Quartiersentwicklung unterstützt (Bild: NRW.BANK)
Wohnbebauung am Niederfeldsee (Bild: NRW.BANK) 62 hochwertige Mietwohnungen konnten durch eine flexible Wohnraumförderung realisiert werden (Bild: NRW.BANK)
Werner Weskamp (Bild: NRW.BANK) Werner Weskamp von Haus & Grund Essen e.V. hat die Einzeleigentümer mit dem Beratungsnetzwerk „IdEE-Altendorf“ unterstützt (Bild: NRW.BANK)

Teufelskreis durchbrechen

Unattraktive Wohnungen und das vernachlässigte Umfeld haben dazu geführt, dass junge, finanzstarke Familien es vorziehen, sich in anderen Quartieren Essens niederzulassen. Mit dem Programm „Soziale Stadt“ von Land und Bund, aber vor allem auch durch das gemeinsame Engagement vieler Akteure vor Ort gelang es indes, den Teufelskreis zu durchbrechen und das Zusammenleben neu zu gestalten. Startschuss war der 20 Millionen Euro starke Masterplan der Stadt. Dieser sah unter anderem vor, einen Bahndamm abzutragen und ein neues Gewässer, den Niederfeldsee, anzulegen. An seinen Rand setzte das städtische Wohnungsunternehmen Allbau AG für 17 Millionen Euro das „Uferviertel“.

Die neue Bebauung mit 62 hochwertigen Mietwohnungen ersetzte 182 kleine, nur noch sehr schwer vermittelbare und schlussendlich abgerissene alte Wohnungen. „Wir hatten dort Leerstandsprobleme, rund ein Drittel der Wohnungen war frei“, sagt Dirk Miklikowski, Alleinvorstand der Allbau AG. Die Finanzierung des Stadtumbauprojekts wurde durch Mittel des sozialen Wohnungsbaus in Höhe von 7,3 Millionen Euro ermöglicht – und das, obwohl die Wohnungen im Uferviertel vorrangig Nachfragern der besser verdienenden Einkommensgruppe B zugute kommen. Das Ministerium für Bauen, Wohnen, Stadtentwicklung und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen erteilte für die zielorientierte Abweichung vom Förderrecht eine Ausnahmegenehmigung unter der Voraussetzung, dass die mit den Förderdarlehen der NRW.BANK verbundenen Verpflichtungen auf 120 Bestandswohnungen der Allbau AG im Quartier übertragen werden.

Orientierung am Projekt

Karl-Friedrich Hofmann von der Wohnraumförderung der NRW.BANK sieht diese Förderung einer mittelbaren Belegung als wegweisend: „Gezeigt wird hier, dass nicht starre Konzepte, sondern eine Orientierung am Projekt für uns die Lösung ist.“ Durch die freie Belegung der Neubauwohnungen war der Weg frei, die gewünschte Durchmischung der Bewohnerstruktur im gesamten Quartier zu erreichen. Das Ergebnis fasst Allbau-Chef  Dirk Miklikowski zusammen: „Fast alle früheren Bewohner sind im Quartier geblieben. Wir konnten allen eine andere Wohnung aus unserem Bestand anbieten. Außerdem steigerte sich durch den Zuzug anderer Bevölkerungsschichten die Kaufkraft im Quartier, wovon der örtliche Einzelhandel profitiert.“

Überzeugungsarbeit zahlt sich aus

Die Aufbruchstimmung griff auf die privaten Immobilieneigentümer über. Mit der Gründung eines örtlichen Beratungsnetzwerks „Innovation durch EinzelEigentümer“, kurz: IdEE-Altendorf, griff Werner Weskamp von Haus & Grund Essen e.V. auf ein etabliertes Entwicklungsinstrument zurück, um sie zu unterstützen. Beteiligt sind Akteure und Partner wie Stadt, Kreishandwerkerschaft, Architektenkammer NRW, Verbraucherzentrale, Energieversorger und Diakonie. Informiert wird über Themen wie Finanzierungs- und Fördermöglichkeiten, Modernisierung, regionale Marktbedingungen sowie Verbesserungen des Wohnumfeldes. Einzeleigentümer besprechen beim monatlichen „Modernisierungsstammtisch Altendorf“ ihre Anliegen. Die Überzeugungsarbeit zahlt sich aus. Werner Weskamp: „IdEE-Altendorf hat bei Privateigentümern schon Investitionen in Höhe von über vier Millionen Euro ausgelöst.“

 

Mit dem Strukturwandel stand Essen-Altendorf vor vielfältigen Herausforderungen. Wohnungsbauunternehmen sowie private Eigentümer entwickelten Konzepte, mit denen unter anderem der Investitionsstau im Quartier nun ein Problem von gestern ist

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