Sanierung eines Studentenwohnheims in Münster nach dem Passivhausstanderd
Achim Wiese, stellvertretender Geschäftsführer des Studentenwerks Münster (Bild: NRW.BANK)
Siegel: Energieeffizienz lohnt sich

Wohnen

//Wohnen: Von der „Legebatterie“ zum innovativen Quartier für Studenten

„Wenn wir noch drei Jahre gewartet hätten, wären die alten Häuser im wahrsten Sinne des Wortes ‚verbraucht’ gewesen. Wir hätten nur noch einen Zaun drum machen können“, sagt Achim Wiese, stellvertretender Geschäftsführer des Studentenwerks Münster. So aber freut er sich, dass er unter anderem mit der Mietwohnungsbauförderung für Neubauten der NRW.BANK das alte Studentenwohnheim am Aasee abreißen und ein neues im Passivhausstandard bauen kann.

Eine Sanierung der von Studenten liebevoll als Boeselburg bezeichneten Anlage mit insgesamt 720 völlig identischen, gut 17 Quadratmeter großen Appartements wäre nicht sinnvoll gewesen. „Die Häuser, die manchen Betrachter an Legebatterien erinnerten, stammten aus den 1960er-Jahren. Sie wiesen aus heutiger Sicht alle möglichen Mängel auf. Die hätte auch ein umfassender Umbau nicht beseitigen können“, sagt Achim Wiese. So waren etwa die Wände aus durchgehenden Betonplatten gefertigt – Schallschutz ist da so gut wie ausgeschlossen. Von den 17 Quadratmetern entfielen sieben auf Bad, Flur und auf die – zum Teil mit Asbest belastete – Kochgelegenheit. „Wenn dann noch ein Student sein französisches Doppelbett mitbrachte, war das Zimmer voll“, beschreibt Achim Wiese die Wohnverhältnisse der ehemaligen Studentenunterkunft.

So sieht der Neubaukomplex der Studentenwohnheime am Aasee in Münster im Modell aus (Bild: Kresings Architects). So sieht der Neubaukomplex der Studentenwohnheime am Aasee in Münster im Modell aus (Bild: Kresings Architects).

Auch die energetische Ausstattung war alles andere als zeitgemäß: Schlechte Wärmedämmung, alte Fenster und veraltete Heiztechnik führten zu einem hohen Energieverbrauch. Hinzu kam ein bei den Studenten praktisches, für das Studentenwerk jedoch kostspieliges Abrechnungsverfahren: Die Mieter zahlten dank einer Energie-Flatrate für Strom und Wärme unabhängig vom Verbrauch einen festen Preis. „Das führte dazu, dass viele Mieter sehr sorglos mit Strom und Heizung umgegangen sind“, sagt Achim Wiese. Selbst Energiespar-Wettbewerbe und andere Versuche, der Verschwendung Einhalt zu gebieten, seien erfolglos geblieben. Und die am nächsten liegende Lösung – nämlich die Räume mit individuellen Zählern auszustatten – wäre wiederum technisch so aufwändig gewesen, dass sie sich beim Gesamtzustand der Häuser einfach nicht lohnte. Die Abrissbirne musste her.

Münsteraner Architekten gewinnen Wettbewerb

Zunächst aber startete das Studentenwerk einen Architekturwettbewerb, den im März 2010 schließlich ein Münsteraner Büro für sich entschied. Dessen Entwurf ersetzt dann die alte Boeselburg. In vier Blöcken angelegte Wohnanlagen bieten ab Herbst 2013 den ersten Studenten ein neues Heim. „In dem Semester kommen die doppelten Abiturjahrgänge an die Universitäten und die Plätze werden dringend gebraucht“, erinnert Achim Wiese. Jedes Haus soll eine eigene Freifläche haben, die Appartements werden mit 22 bis 24 Quadratmeter wesentlich größer als die bisherigen. Im Oktober 2014 sollen alle Wohnungen stehen.

Die Miete, die die Bewohner in Zukunft zahlen müssen, wird für Münsteraner Verhältnisse günstig. Achim Wiese: „Mit 5,40 Euro pro Quadratmeter sind die Studenten dabei.“ Ein riesiger Vorteil werden, da ist sich Achim Wiese sicher, die Nebenkosten: Durch den Passivhausstandard fallen die nämlich deutlich niedriger aus, als bei der bisherigen Lösung mit Energieflatrate. Das Studentenwerk geht davon aus, dass Heizen um zwei Drittel günstiger wird.

Modernes Wohnen für Studierende in energieeffizienten Gebäuden (Bild: Kresings Architects).
Modernes Wohnen für Studierende in energieeffizienten Gebäuden (Bild: Kresings Architects). Modernes Wohnen für Studierende in energieeffizienten Gebäuden (Bilder: Kresings Architects).

Die Wahl zwischen Einzelzimmer und Gruppenwohnung

Und die Bewohner können sogar wählen zwischen Einzelappartements oder Gruppenwohnungen, die über eine gemeinsame Küche und einen Aufenthaltsraum verfügen. Beim Studentenwerk sind die Mitarbeiter gespannt, wie die Studenten auf dieses Angebot reagieren werden. „Sicher werden die Bewohner der Gruppenwohnungen nicht immer Verständnis für die Mehrkosten haben. Manch einer wird vielleicht denken, dass sie oder er das Gemeinschaftszimmer gar nicht nutzen möchte“, sagt Achim Wiese, der nach 34 Jahren Arbeit für das Studentenwerk einige Anekdoten über seine Klientel zu berichten weiß.

Baumaßnahmen dieser Größenordnung sind nichts Alltägliches – selbst im finanziell vergleichsweise gut gestellten und großen Studentenwerk Münster. Das Investitionsvolumen für das Großprojekt beläuft sich, einschließlich der Kosten für den Abriss der alten Gebäude, auf rund 54 Millionen Euro. Zwei Drittel davon kommen von der Förderbank für Nordrhein-Westfalen, der Rest aus Mitteln anderer Institute. „Für eine Förderzusage müssen die Gesamtkosten solcher Projekte im angemessenen Rahmen bleiben und der hängt natürlich immer vom jeweiligen Standort ab“, sagt Martina Lüdeke, Fachberaterin für Wohnraumförderung bei der NRW.BANK. Beim Studentenwohnheim handelt es sich ihrer Überzeugung nach um ein zukunftsweisendes Projekt, das den Erwartungen an eine weitblickende Stadtentwicklung entspricht. Und Achim Wiese bekräftigt: „Das ist ein hervorragender Bau, den wir da hinstellen. Der sichert mindestens für die nächsten 20 Jahre 536 Wohnheimplätze für Studierende“.

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