Barrierefreies Bauen lohnt sich - und wird gefördert
Dipl.-Ing. Architektin Anne Linnemannstöns vom Architekturbüro Klein.Riesenbeck + Assoziierte GmbH (Bild: NRW.BANK)

Wohnen

//Wenig Hindernisse für barrierefreies Umbauen

Egal, ob altersbedingt, durch Unfall oder Krankheit – wer gesundheitlich beeinträchtigt ist, kann durch barrierefreie Umbauten oft ein hohes Maß an Selbstständigkeit behalten und sich den Alltag erleichtern. Worauf es dabei ankommt, erklärt Dipl.-Ing. Architektin Anne Linnemannstöns vom Architekturbüro Klein.Riesenbeck + Assoziierte GmbH im Interview. Nach ihren Plänen entstand unter anderem der Klostergarten Kevelaer, bei dem aus einem ehemaligen Kloster ein Mehrgenerationenquartier wurde.

Frau Linnemannstöns, im öffentlichen oder privaten Raum wird immer öfter barrierefrei gebaut, warum?

Anne Linnemannstöns: Zum einen ist Barrierefreiheit bei öffentlichen Bauprojekten oder Vorhaben von gemeinnützigen Trägern mittlerweile ein Muss – unabhängig davon, ob die Bauherren oder ihre Klientel selbst in irgendeiner Form beeinträchtigt sind. Zum anderen beobachten wir auch bei privaten Bauvorhaben den zunehmenden Wunsch nach Barrierefreiheit, vorrangig damit die Investition in ein Bauprojekt wirklich eine fürs Leben ist und bis ins hohe Alter hinein reicht.

Ist barrierefreies Umbauen teurer als „normales“ Umbauen?

Anne Linnemannstöns: In Bestandsbauten besteht naturgemäß die Schwierigkeit, mit den bestehenden Raumvorgaben – etwa Wände, Türen, Treppen – umgehen zu müssen. Um dort Barrierefreiheit zu schaffen, müssen diese oft hin zu einer offeneren, räumlich freieren Struktur verändert und erweitert werden. Nur so lässt sich die nötige Bewegungsfreiheit für Personen erreichen, die auf einen Rollator oder Rollstuhl angewiesen sind. Grundsätzlich würde ich aber sagen, dass ein barrierefreier Umbau gar nicht unbedingt sehr viel teurer sein muss als eine normale Sanierung. Es kommt bei der Konzeption auf die Entwicklung von praktikablen und kostengünstigen Lösungen an.

Mit Plänen von Architektin Anne Linnemannstöns (6. v. re.) wurde aus einem ehemaligen Kloster ein Mehrgenerationenquartier: der Klostergarten Kevelaer (Bild: NRW.BANK) Mit Plänen von Architektin Anne Linnemannstöns (6. v. re.) wurde aus einem ehemaligen Kloster ein Mehrgenerationenquartier: der Klostergarten Kevelaer (Bild: NRW.BANK)

Wie könnten diese aussehen?

Anne Linnemannstöns: Oft ist sehr viel mehr möglich, als auf den ersten Blick scheint. Es hilft, Varianten zu entwickeln, und auch mal „um die Ecke“ zu denken. Wichtig für uns als Architekten ist vor allem, im Dialog mit den späteren Nutzern zu erfassen, wo genau die Defizite liegen, was wichtig ist und was vielleicht zurückgestellt werden kann, da es im Alltag gar nicht so von Belang ist. Es lohnt sich, konventionelle Raumkonzepte in Frage zu stellen. Um mehr Bewegungsfreiheit zu schaffen, können etwa der Koch- und Wohnbereich oder Schlaf- und Wohnzimmer verbunden werden.

Gibt es Gründe, die barrierefreies Umbauen ausschließen?

Anne Linnemannstöns: Eigentlich nur wenige. Es wird allerdings immer schwierig, wenn es sich um räumlich sehr enge Wohnungen handelt und die Kosten für einen Umbau unverhältnismäßig hoch gegenüber den bestehenden Gebäudewerten sind.

Eigentümer haben in der Regel die volle Entscheidungsfreiheit, was aber müssen Mieter beachten, die barrierefrei umbauen möchten?

Anne Linnemannstöns: Barrierefreie Umbauten steigern immer den Wert der betreffenden Immobilie und deren Attraktivität am Markt. Vor diesem Hintergrund kann die Investition in barrierefreie Umbauten für Vermieter durchaus interessant sein. Mieter, die dieses Anliegen haben, sollten mit ihren Vermietern sprechen und die Vorteile aufzeigen.

Darüber hinaus existieren auch Förderprogramme für den Mietwohnungsbau. Das kann Vermietern bei anstehenden Sanierungsmaßnahmen die Entscheidung erleichtern, von vornherein auf eine barrierefreie Renovierung zu setzen.

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