InnovationCity-Rollout: Nach Bottrop entstehen weitere mustergültige Klimastädte
Elektroauto mit Ladestation (Foto: InnovationCity Ruhr)
Siegel: Energieeffizienz lohnt sich

Umwelt & Energie

//InnovationCity-Rollout: Nach Bottrop entstehen weitere mustergültige Klimastädte

Den Energiebedarf einer Stadt innerhalb von zehn Jahren zu halbieren – das soll in Bottrop gelingen. In der „InnovationCity Ruhr“ wird bis 2020 weltweit erstmals ein industriell geprägtes Pilotgebiet energetisch saniert und zu einer mustergültigen Klimastadt entwickelt. Mit dem InnovationCity-Rollout sollen nun weitere 20 Quartiere folgen.

Unter dem Motto „Blauer Himmel. Grüne Stadt“ hatten sich 16 Kommunen im Ruhrgebiet mit kreativen Konzepten als „InnovationCity Ruhr“ beworben. In einem vom Land Nordrhein-Westfalen und dem Initiativkreis Ruhr organisierten Wettbewerb ernannte eine Fachjury Ende 2010 Bottrop zum Pilotgebiet für die Stadt der Zukunft. „Bottrop hat es geschafft, die Bewohnerinnen und Bewohner der Stadt, Unternehmen, Vereine, Verbände und andere Multiplikatoren von der Idee des Wettbewerbs zu überzeugen“, lobte der Initiativkreis Ruhr als Träger des Modellprojekts. Die bis heute erzielten Erfolge des Modellprojektes haben durchweg überzeugt. Daher geht jetzt die Reise weiter ins gesamte Ruhrgebiet.

NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft und Bottrops Oberbürgermeister Bernd Tischler (Bild: InnovationCity Ruhr) NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft und Bottrops Oberbürgermeister Bernd Tischler (Bild: InnovationCity Ruhr)

Nächstes Ziel: die Metropole Ruhr energetisch fit für die Zukunft machen

Das Erfolgskonzept InnovationCity Ruhr wird auf weitere 20 Kommunen im Ruhrgebiet ausgedehnt: Im Mai 2016 ist unter dem Namen „InnovationCity-Rollout“ eines der größten Projekte des Strukturwandels im Ruhrgebiet gestartet. Eine strukturpolitische Anstrengung für das Ruhrgebiet, die gemeinsam vom Land Nordrhein-Westfalen und der Industrie finanziert wird. Die vom Initiativkreis Ruhr getragene Innovation City Management GmbH ist Projektträger und wird zudem von der NRW.BANK und der Innogy Stiftung für Energie & Gesellschaft unterstützt. Das Land NRW fördert das Vorhaben aus Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung.

Der InnovationCity-Rollout ist ein gemeinschaftliches Projekt der Innovation City Management GmbH, der Wirtschaftsförderung metropoleruhr GmbH, der WiN Emscher-Lippe Gesellschaft zur Strukturverbesserung GmbH und der Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie gGmbH. Es verfolgt das Ziel, die in der Modellstadt Bottrop gesammelten Erfahrungen und Erkenntnisse zum klimagerechten Stadtumbau in die Metropole Ruhr hineinzutragen. Mit dem Vorhaben, das durch den Projektaufruf „Regio.NRW – Starke Regionen, starkes Land“ im Rahmen des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) gefördert wird, sollen in 20 Quartieren im Ruhrgebiet integrierte Quartierskonzepte nach Bottroper Vorbild initiiert werden.

Im Mai 2016 gab NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft offiziell die 20 Rollout-Quartiere bekannt. (Bild: InnovationCity) Im Mai 2016 gab NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft offiziell die 20 Rollout-Quartiere bekannt. (Bild: InnovationCity)

Bottrop praktiziert die „Energiewende von unten“

Um bis 2020 den Energiebedarf um 50 Prozent zu reduzieren und gleichzeitig den CO2-Ausstoß zu verringern, setzt die Stadt Bottrop auf innovative Technologien und bewährte Maßnahmen. Der InnovationCity-Ansatz steht sinnbildlich für die „Energiewende von unten“. Dank der ganzheitlichen Betrachtung von Stadtquartieren kann Energie verstärkt dezentral und bestenfalls erneuerbar erzeugt, die Lebensqualität gesteigert sowie CO2-Emissionen im gesamten Quartier verringert werden. „Wir setzen die Energiewende von unten um", erklärt Sebastian Bittrich, Projektleiter Marketing & Kommunikation der Innovation City Management GmbH. Das bedeutet, dass sich Gebäude und in einem späteren Schritt ganze Stadtquartiere mit selbst erzeugtem Strom versorgen können. Der erste Schritt vor einer energetischen Modernisierung sollte in jedem Fall eine kostenfreie, unverbindliche und neutrale Beratung sein. Sie ist das Kernstück des InnovationCity-Angebotes. Klassischer Anlaufpunkt für Beratungen ist das Zentrum für Information und Beratung (ZIB). Seit Anfang 2016 können sich Immobilieneigentümer darüber hinaus auch direkt an ihrem Gebäude beraten lassen. Dies geschieht im Rahmen des Quartiersmanagements, das die Innovation City Management GmbH im Auftrag der Stadt Bottrop im Bereich der Innenstadt umsetzt. Neben einer individuellen Beratung über technisch und wirtschaftlich sinnvolle Maßnahmen weisen die Berater auch auf mögliche Förderprogramme hin, die Eigentümer in Anspruch nehmen können. Dazu zählt beispielsweise die Förderrichtlinie 11.1 der Stadt Bottrop, mit der eine Förderung von bis zu 25 Prozent möglich ist. "In den letzten sechs Jahren haben wir rund 2.500 Beratungen durchgeführt. Auch die energetische Modernisierungsrate kann sich sehen lassen: Mit durchschnittlich drei Prozent liegen wir deutlich über dem Bundesdurchschnitt von knapp einem Prozent, betont Sebastian Bittrich. "Das zeigt, dass das in der Modellstadt Bottrop umgesetzte Konzept erfolgreich ist."

Seit 2010 ist Bottrop InnovationCity Ruhr (Bild: NRW.BANK) Seit 2010 ist Bottrop InnovationCity Ruhr (Bild: NRW.BANK)

CO2-Emissionen in Bottrop zur Halbzeit bereits um rund 38 Prozent gesenkt

Durch abgeschlossene und bereits initiierte Maßnahmen und Projekte, deren Realisierung heute gesichert ist, ergibt sich eine Reduktion der CO2-Emissionen bis zum Jahr 2020 (seit 2010) um rund 38 Prozent, d. h. um rund 100.000 Tonnen. Zum Vergleich: Diese Einsparung entspricht der CO2-Absorption eines gewachsenen Waldes von der Größe des gesamten Bottroper Stadtgebiets (100 km²) innerhalb eines Jahres. Entsprechend müssen bis zum Ende des Projekts in den kommenden fünf Jahren noch zwölf Prozentpunkte der CO2-Emissionen durch neue Projekte eingespart werden. Mit dem Masterplan der InnovationCity steht dafür eine Sammlung von Ideen bereit, aus der konkrete Projekte entwickelt werden können.

Mehr als 300 Projekte für eine grünere Stadt

In Kooperation mit zahlreichen Wirtschaftspartnern entwickelte die InnovationCity Ruhr bislang über 300 Einzelprojekte. Ein Großteil wurde bereits umgesetzt und konnte teilweise schon abgeschlossen werden. Die Bandbreite reicht von der energetischen Sanierung ganzer Siedlungen und Straßenblöcke über die Naturierung von Fassadenflächen bis hin zu dem gesteuerten Einbau von 100 Heizanlagen mit Kraft-Wärme-Kopplung (KWK).

Eine Übersicht aller Projekte finden Sie hier.

Mit Unterstützung der NRW.BANK wurden beispielsweise in Bottrop eine „Sanierungsberatung für private Wohnungseigentümer“ und die „Zukunftshäuser“ ins Leben gerufen. Dafür wurden ein Einfamilienhaus, ein Mehrfamilienhaus und eine Gewerbeimmobilie zu Plus-Energie-Häusern umgebaut. „Diese Sanierung aus dem Bestand an drei verschiedenen Gebäudetypen samt Auswertung der Einsparungen ist deutschlandweit ein Novum“, erläutert InnovationCity Ruhr-Sprecher Sebastian Bittrich. Das Innogy Zukunftshaus (Einfamilienhaus) wurde bereits im Juli 2013 fertiggestellt, die Arbeiten an dem Mehrfamilienhaus und am Geschäftshaus sind seit Sommer 2014 bzw. Oktober 2015 abgeschlossen. Die drei herausragenden Musterobjekte werden heute regelmäßig von interessierten Besuchergruppen aus der Region – inzwischen aber auch vermehrt von internationalen Delegationen – besichtigt.

Ein weiteres Projekt, welches InnovationCity zusammen mit der NRW.BANK realisiert hat: ein texturiertes 3D-Stadtmodell. Es bietet die Möglichkeit, Bottrop vom Schreibtisch aus zu entdecken. Anhand von 3D-Modellen aller Gebäude und Satelliten- sowie Schrägluftaufnahmen können sich Interessierte virtuell durch die Innenstadt oder ihre Nachbarschaft bewegen. Gebäudeeigentümer können damit leichter erkennen, ob ihre Immobilie für den Einsatz von Solarthermie oder Photovoltaik geeignet ist. So vereinfacht auch dieses Projekt die Verwirklichung der Energiewende insbesondere in Bottrops Quartieren.

Stand: 8. Februar 2017

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