Bei der Nahwärmeversorgung setzen die Stadtwerke Bergheim Sümpfungswasser aus dem Braunkohletagebau für Kraft-Wärme-Kopplung ein
Volker Mießeler, Geschäftsführer der Stadtwerke Bergheim (Bild: NRW.BANK)
Siegel: Energieeffizienz lohnt sich

Umwelt & Energie

//Stadtwerke Bergheim gewinnen Wärme aus Sümpfungswasser

Für eine verblüffend naheliegende Idee aus dem Bereich der Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) wurde die Stadt Bergheim vom Land Nordrhein-Westfalen als KWK-Modellkommune ausgezeichnet: Die Nutzung von Sümpfungswasser aus dem Braunkohletagebau zur Nahwärmeversorgung mithilfe einer kombinierten Anlage aus Wärmetauschern und einem Blockheizkraftwerk (BHKW). Finanziert wurde das Projekt über das Programm NRW/EU.KWK-Investitionskredit.

„Beim Begriff ‚Sümpfungswasser’ rümpfen viele erst mal die Nase“, erzählt Volker Mießeler, Geschäftsführer der Stadtwerke Bergheim. „Das ist das Wasser, das im Braunkohletagebau aus rund 200 Metern Tiefe abgepumpt werden muss, damit die riesigen Gruben nicht zu Seen werden.“ Bergheim liegt ganz in der Nähe des Tagebaus Hambach. Das Sümpfungswasser dort hat eine Temperatur von 18 bis 26 Grad Celsius – und wurde bisher ungenutzt durch eine Pipeline an der Stadt vorbei in die Erft abgepumpt.

Mit der Kombination aus Blockheizkraftwerk und Wärmetauschern ... (Bild: NRW.BANK) Mit der Kombination aus Blockheizkraftwerk und Wärmetauschern ...
... nutzt Bergheim Sümpfungswasser aus dem Braunkohletagebau als Energiequelle (Bild: NRW.BANK) ... nutzt Bergheim Sümpfungswasser aus dem Braunkohletagebau als Energiequelle (Bilder: NRW.BANK)

Weitere Projekte im Visier

Die KWK-Anlage ist eine der Maßnahmen, mit denen sich die Stadtwerke für den Klimaschutz engagieren. Neben bereits sechs installierten Photovoltaik-Dachanlagen und einem 2014 in Betrieb genommenen 1,8 Megawatt-Solarpark planen die Stadtwerke Bergheim zurzeit ein Energieparkprojekt mit drei Windrädern und einer Photovoltaik-Freiflächenanlage mit insgesamt 15 MW Nennleistung. Um die Bergheimer Bürger mit ins Boot zu holen, haben die Stadtwerke Mitte Dezember 2014 ein Programm aufgelegt, über das sich die Einwohner an den bereits realisierten Energieprojekten des Versorgungsunternehmens beteiligen können. Dadurch können dann wieder neue Projekte angestoßen werden.

Von der Idee zur Wärme

Direkt neben der Wasserleitung liegen drei Schulen, drei Turnhallen und die Verwaltungsgebäude des Rhein-Erft-Kreises. Volker Mießeler hatte schon länger die Idee, das Wasser aus dem Braunkohletagebau zu nutzen, um genau diese Gebäude zu beheizen. Schließlich bestand Handlungsbedarf: „Das bisherige Heizkraftwerk war völlig überaltert und das in die Jahre gekommene Nahwärmenetz hatte nicht nur viel zu hohe Rücklauftemperaturen, sondern auch eine ganze Reihe Lecks. Wir wollten effizienter werden.“ Also wurde durchgegriffen: Im September 2011 nahm die Idee immer konkretere Formen an, im August 2012 konnte mit den Planungen und schließlich mit dem Bau begonnen werden. „Zeitgleich haben wir auch das Fernwärmenetz für die Gebäude erneuert“, so Volker Mießeler.

Bestechend simple Funktionsweise

Die KWK-Anlage ist technisch hochkomplex, aber in ihrer Funktionsweise bestechend simpel: Kern der Anlage sind Wärmetauscher, die die Wärme des Sümpfungswassers sammeln und so das Wasser des Nahwärmenetzes auf bis zu 105 Grad Celsius erhitzen. Die Wärmetauscher werden wiederum von einem ebenfalls neu errichteten Blockheizkraftwerk (BHKW) mit Strom versorgt. „Ein Projekt in dieser Form hat es bisher noch nicht gegeben“, so Volker Mießeler.

Finanziert wurde das Projekt mithilfe der NRW.BANK, die es mit 1,7 Millionen Euro förderte. „Für die Finanzierung haben wir den im Frühjahr 2013 gestarteten NRW/EU.KWK-Investitionskredit eingesetzt, der unter anderem aus Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) gespeist wird“, erklärt Birgit Cremers, Teamleiterin im Bereich Förderprogrammgeschäft der NRW.BANK. „Über das Programm konnten wir insgesamt Zusagen für die Finanzierung von 35 KWK-Projekten geben.“

Wärme für 20 Jahre

Im November 2014 – rechtzeitig zur nächsten Heizperiode – nahmen die Stadtwerke Bergheim die Anlage in Betrieb. Seither versorgt sie 4.000 Schüler und 800 Mitarbeiter des Kreises mit wohliger Wärme. „Durch die neue Anlage sparen wir rund 30 Prozent fossiler Brennstoffe ein. Das entspricht 740 Tonnen CO2 jedes Jahr“, erklärt Volker Mießeler. „Unter dem Strich produzieren wir damit 37 Prozent weniger Emissionen als vorher. Außerdem wird der Wärmepreis für uns besser planbar.“ Schon nach wenigen Monaten zeigte sich, dass sich die Anlage bewährt. Für Volker Mießeler ein guter Grund, weiter nach vorn zu denken: „Die Sümpfungswasserleitung hat eine thermische Leistung von 50 Megawatt. Wir nutzen hier bisher drei. Da bleibt noch eine Menge Potenzial.“ Derzeit prüft er, ob auch ein Gewerbegebiet in der Nähe nach einem ähnlichen Prinzip versorgt werden kann.

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