Unterschiedliche moderne Heizungssysteme für nachhaltiges Bauen
Holzpellets sind Nebenprodukte der Holzindustrie und werden zum Heizen verwendet. Foto: AGRAVIS Raiffeisen AG
Siegel: Energieeffizienz lohnt sich

Serie: Nachhaltiges Bauen - Teil 8

//Heizenergien der Zukunft

Fossile Brennstoffe wie Erdöl und Erdgas gehen absehbar zur Neige. Außerdem belasten sie, wie auch Braun- und Steinkohle, bei der Strom- und Wärmeerzeugung die Umwelt, vor allem durch Emission des Treibhausgases CO₂. Nicht nur aus diesem Grund, sondern auch aus wirtschaftlichen Erwägungen gewinnen alternative Energiequellen an Bedeutung. Die Auswahl ist mittlerweile groß.

Kohleöfen kommen heutzutage allenfalls in nicht sanierten Altbauten vor. Auch Nachtspeicheröfen gelten als veraltete und teuere Technik, die mittlerweile strengen Auflagen unterliegt. Öl- oder Gas-Heizungen hingegen sind nach wie vor weit verbreitet, denn sie galten bis vor wenigen Jahren im Neubaubereich noch als Standardlösung in der Heiztechnik.

Steigende Preise für fossile Brennstoffe und hohe Umweltbelastungen haben dazu geführt, dass einerseits Alternativen entstanden, andererseits Öl- und Gasheizungsanlagen selbst in vielerlei Hinsicht technisch weiterentwickelt wurden. Beispiele dafür sind Heizungssysteme mit Brennwerttechnik. Diese entziehen den Abgasen nicht nur die fühlbare Wärme, sondern auch die im Wasserdampf des Abgases enthaltene Kondensationswärme über einen Wärmetauscher. Dadurch kann der Brennstoff effizienter genutzt werden. „Wichtig ist hierbei, dass die Vorlauftemperatur der Heizung optimal, das heißt möglichst niedrig eingestellt wird, um den Brennwerteffekt voll ausnutzen zu können“, sagt Dirk Mobers von der EnergieAgentur.NRW.

Solarthermie: Sonnenkollektoren auf den Dächern wandeln die Sonneneinstrahlung in Wärme um. (Bild: NRW.BANK) Solarthermie: Sonnenkollektoren auf den Dächern wandeln die Sonneneinstrahlung in Wärme um. (Bild: NRW.BANK)

Energiequelle Sonne

Eine umweltschonende Ergänzung zu modernen Heizungssystemen ermöglicht Sonnenenergie. Bei Solarthermieanlagen wandeln Sonnenkollektoren die einfallende Strahlung in Wärme um, die in gut gedämmte Solarspeicher geleitet wird. Die Wärmegewinnung aus der unerschöpflichen Energiequelle Sonne verläuft nahezu vollständig emissionsfrei, bei der CO2-Bilanz muss man lediglich die strombetriebene Pumpe berücksichtigen. Jedoch hat Solarenergie den Nachteil, dass gerade während der Heizperioden die Sonneneinstrahlung am geringsten ist. Deshalb werden viele Solaranlagen auf den Brauchwarmwasserbedarf ausgelegt, es kann aber auch die Heizung mit unterstützt werden.

Holz – ein nachwachsender Rohstoff

Holz zählt zu den erneuerbaren Energiequellen, da der Rohstoff nachwächst. Als Heizenergie ist Holz CO2-neutral, allerdings nur, wenn der Energieverbrauch für Transport und Lagerung nicht mitgerechnet wird. Die Verbrennung setzt nur so viel Treibhausgase frei, wie beim Wachstumsprozess aufgenommen wurden.

Mit Holz kann man auf mehrere Arten heizen. Die einfachste Methode ist das Verfeuern von Holzscheiten in Zimmerkaminen. Als Zentralheizung sind heute moderne Holzpelletkessel üblich. Holzpellets sind aus Holzspänen gepresste Zapfen, die über Förderschnecken oder Saugsysteme einem Brenner zugeführt werden. Pellets können in Tanks oder Behältern gelagert und automatisch bedarfsgerecht dosiert werden.

Wärme aus Boden und Luft

Wärmepumpen nutzen die Energie  aus der Umwelt, entweder aus dem Boden oder der Luft. Um für Erdwärmepumpen die Energiequelle zu erschließen, werden in der Regel ein oder mehrere bis zu 100 Meter tiefe Löcher für Wärmesonden gebohrt. Die eingelassenen Sonden entziehen dem Erdreich auf niedrigem Temperaturniveau Wärme, die von einer Wärmepumpe auf Heiztemperatur angehoben wird. Das verbraucht zwar Strom, aber die Wärmepumpe kann aus einem Teil Strom bis zu fünf Teile Wärme erzeugen.

Luftwärmepumpen entziehen der Umgebungsluft Energie über einen Wärmetauscher und geben diese an einen Warmwasserkreislauf oder ein Luft-Heizungssystem ab. „Luftwärmepumpen sind zwar nicht so effizient wie Erdreichwärmepumpen, dafür sind sie in der Anschaffung günstiger“, so Mobers.

Strom und Wärme gleichzeitig

Blockheizkraftwerke (BHKW) sind Anlagen zur gleichzeitigen Erzeugung von Wärme und elektrischer Energie nach dem Prinzip der Kraft-Wärme-Kopplung: Ein Diesel-, Gas- oder Dampfmotor treibt einen Generator an, der Strom erzeugt. Die dabei entstehende Wärme wird für die Beheizung und zur Wassererwärmung genutzt. Nicht an Ort und Stelle verbrauchter Strom kann ins öffentliche Stromnetz eingespeist werden, wofür der Betreiber des BHKW eine Vergütung erhält.

Normale Blockheizkraftwerke sind für Einfamilienhäuser zu groß und eignen sich eher zur Versorgung mehrerer Gebäude mit Strom und Wärme. Moderne Mini- oder Mikro-BHKW hingegen sind kaum größer als eine Waschmaschine und für Ein- oder Zweifamilienhäuser geeignet. Die Motoren sind langlebig und verursachen nur geringe Wartungskosten. „Um ein BHKW wirtschaftlich betreiben zu können, muss in der Planung der Anlage der Wärme- und Strombedarf genau angesehen werden, damit der Motor ausreichend ausgelastet ist“, empfiehlt Mobers.

_____________________________________________________________

Serie Nachhaltiges Bauen

Teil 1: Was umfasst nachhaltiges Bauen?
Teil 2: Leicht- und Massivbauweise im Vergleich
Teil 3: Holz, Lehm & Co.: Vor- und Nachteile von ökologischen Baustoffen
Teil 4: Gebäude intelligent dämmen
Teil 5: Umweltfreundliche Materialien für den Innenausbau
Teil 6: Dicke Luft muss nicht sein – Tipps für gutes Raumklima
Teil 7: Gut gedeckt – auf das richtige Dach kommt es an
Teil 8: Heizenergien der Zukunft
Teil 9: Langfristig sparen durch energieeffiziente Häuser
Teil 10: Investitionen in die Zukunft einer Immobilie

_____________________________________________________________

Entscheidungskriterien


Bei der Entscheidung für eine Heizungstechnik spielt der Raumbedarf einer Anlage genauso eine Rolle wie die Kostenentwicklung. Dafür werden zum Vergleich meist Anschaffungskosten, Wartungskosten und Preise der benötigten Brennstoffe über einen längeren Zeitraum von beispielsweise 20 Jahren zusammengerechnet.

Öl- oder Gasheizungsanlagen sind erfahrungsgemäß in der Anschaffung günstiger als alternative Heizungssysteme. Diesen Nachteil gleichen günstigere Betriebskosten und höhere Wärmewirkungsgrade aus, sodass sich die Mehrkosten meist schon nach wenigen Jahren amortisieren. Vergleichsrechnungen sind bei diversen Anbietern und auf verschiedenen Verbraucherportalen zu finden.

Umweltschonende Heizungssysteme und Maßnahmen zur Gebäudemodernisierung für höheren Wärmeschutz werden aus öffentlichen Mitteln gefördert. Dazu finden Sie einen Überblick auf den Internetseiten der EnergieAgentur.NRW sowie der NRW.BANK.

Logo Serie Nachhaltig bauen (Bild: NRW.BANK)

Serie

Die Serie „Nachhaltiges Bauen“ gibt einen Überblick über ressourcenschonendes und energieeffizientes Bauen und Sanieren. Welche bewährten, wiederentdeckten und neuen Baustoffe sind zeitgemäß? Wie lassen sich Folge- und Nutzungskosten berechnen? Wann hilft eine Dämmung, wann schadet sie? Was für verschiedene Typen von Energieeffizienzhäusern gibt es? Wie fördert die NRW.BANK die Bauherren? Antworten auf diese und andere Fragen liefert Ihnen die NRW.BANK in Kooperation mit der EnergieAgentur.NRW in dieser Serie.

Förderprogramme und -produkte für Maßnahmen im Bereich regenerativer Energien:

Energieeffizient Bauen KfW Bankengruppe

Fördermöglichkeiten für Ihr Vorhaben finden

Ich suche Fördermöglichkeiten für
im Förderthema

Eine vollständige Übersicht der Auswahlkriterien bietet Ihnen die  Produktsuche

Ihre Anfrage

* Pflichtfelder Ihre E-Mail-Adresse und die E-Mail-Adresse des Empfängers/der Empfänger werden ausschließlich zu Übertragungszwecken verwendet und anschließend gelöscht.

Feedback

Ihre Bewertung der Seite

Haben Sie ein Anliegen und möchten lieber persönlich in Kontakt mit der NRW.BANK treten? Dann nutzen Sie bitte unsere Kontaktmöglichkeiten.