Natürliche Farben und Tapeten für das gesunde Raumklima
Bei der Wahl von Farben und Tapeten ist auf Inhaltsstoffe wie Lösungsmittel und Pigmente achten. Foto: chaoss/Fotolia
Siegel: Energieeffizienz lohnt sich

Serie: Nachhaltiges Bauen - Teil 6

//Dicke Luft muss nicht sein – Tipps für gutes Raumklima

Alles im Lack? Für ein gesundes und wohltuendes Raumklima spielt die richtige Auswahl von Lacken, Farben, Tapeten und Kleister eine große Rolle. Diese sollten aus natürlichen Materialien hergestellt sowie schadstofffrei sein – aus gutem Grund.

Lacke und Farben kommen in Innenräumen vielerorts zum Einsatz. Sie schützen und verschönern zum Beispiel Holzvertäfelungen, Möbel oder Heizkörper. Konventionelle Anstrichprodukte enthalten höhere Anteile an organischen Lösungsmitteln, zum Teil auch mit aromatischen Kohlenwasserstoffen. Auch anorganische und organische Pigmente sind in der Regel darin zu finden.

In konventionellen Farben und Lacken finden sich Konservierungsstoffe, Bindemittel, Weichmacher, Lösungsmittel und diverse Chemikalien, um Schimmel- und Schädlingsbefall zu verhindern. Beim Trocknen verflüchtigen sich einige dieser Zusätze. Das muss auch so sein: Nur so wird der Anstrich schön und beständig. Doch was da in die Luft geht, kann zu gesundheitlichen Problemen führen. Verstärkt wird dies noch durch den reduzierten Luftaustausch in Innenräumen und den in der Regel großflächigen Einsatz dieser Materialien.

Aus den Schalen von Walnüssen werden Farbstoffe gewonnen. Foto: Vasilius/Fotolia Aus den Schalen von Walnüssen werden Farbstoffe gewonnen. Foto: Vasilius/Fotolia

Glänzende Lösungen

Hingegen enthalten natürliche Dispersionsfarben und Naturharzlacke als Bindemittel trocknende Öle (beispielsweise Leinöl) und Naturharze. Die Lösungsmittel dafür werden aus Balsamterpentinöl oder Citrusschalen gewonnen. Ätherische Öle, Alkohol oder Borsalze, die bei korrekter Verwendung für Mensch und Umwelt harmlos sind, sorgen für die Haltbarkeit. Als Farbstoffe dienen natürliche Erden, Naturasphalt, Kreide oder Pflanzenfarben – etwa das Braun von Walnussschalen oder das Gelb aus Kurkuma. Wer will, kann es also auch ungiftig und raumklimafreundlich bunt treiben.

Rolf Buschmann von der Verbraucherzentrale NRW rät trotzdem: „Natürliche Lösungsmittel, sogenannte Terpene, können ebenfalls die Atemwege reizen oder allergische Reaktionen hervorrufen. Deshalb sollte beim Einsatz dieser Stoffe auf richtiges Lüften geachtet werden. Insbesondere während der Verarbeitung, aber auch danach.“

Lacke und Farben bilden zudem immer einen starken Film auf dem Untergrund. Dadurch verlieren Holz oder auch Putz an Offenporigkeit und Atmungsfähigkeit. Feuchtigkeit aus der Raumluft kann schlechter gebunden und die Schimmelbildung begünstigt werden. Für Feuchträume wie Badezimmer gibt es Farben auf natürlicher Basis. Sogenannte Sumpfkalkfarben etwa lassen den Feuchtigkeitsaustausch zu und verzichten dabei auf synthetisches Titanweiß als Pigmente oder Kunstharzbindemittel.

Natürliche Inhaltsstoffe in Farben oder Lacken garantieren aber nicht allein optimale Verträglichkeit. Der Tipp von Rolf Buschmann lautet daher: „Wer selbst testen will, ob er das zu verwendende Material verträgt, sollte ein kleines Stück Holz damit behandeln und über Nacht in einem Glas fest verschließen. Am nächsten Morgen kann die Schnupperprobe gemacht werden. So lässt sich mit einfachen Mitteln feststellen, ob Geruch und Emissionen als unangenehm empfunden werden.“

Tapeten regulieren die Luftfeuchtigkeit und Temperatur, außerdem binden sie Staub und Gerüche. Foto: Marco2811/Fotolia Tapeten regulieren die Luftfeuchtigkeit und Temperatur, außerdem binden sie Staub und Gerüche. Foto: Marco2811/Fotolia

Neue Hülle für die Wand

Tapeten sind nicht nur Deko für die Wände. Sie können einen Teil der Luftfeuchtigkeit aufnehmen oder abgeben, was wichtig ist, um Schimmel zu verhindern. Außerdem beeinflussen sie, wie kühl eine Wand sich anfühlt, und binden Staub, Schmutz und Gerüche.

Handelsübliche Tapeten sollten licht-, wasch-, scheuerbeständig und strapazierfähig sein. Das werden sie aber meist erst durch synthetische Zusätze und chemische Dispersionsfarben. Mitunter kommen Kunststoffe in der Farbe oder gar eine Kunststoffbeschichtung zum Einsatz, die die Aufnahme von Wasserdampf durch die Wand behindert. In der Regel bleiben zugunsten besserer technischer Eigenschaften also Ökologie und Raumklima auf der Strecke.

Als gesundheitlich unbedenklich gelten Papiertapeten aus Zellstoff oder Holzschliff, die mit Naturharzen und -leimen gebunden sind. Zudem sollten Farben ohne schwermetallhaltige Pigmente und optische Aufheller verwendet werden. Papiertapeten können übrigens auch Altpapier enthalten. Bei den beliebten Raufasertapeten sind sogar Altpapieranteile von bis zu 80 Prozent möglich.

Auch beim Tapetenkleister gibt es umwelt- und gesundheitsverträgliche Alternativen ohne Fungizide und Kunstharz auf Erdölbasis. Bei ökologischen Produkten geht es ohne Chemie – allerdings müssen diese auch schneller verbraucht werden.

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Serie Nachhaltiges Bauen

Teil 1: Was umfasst nachhaltiges Bauen?
Teil 2: Leicht- und Massivbauweise im Vergleich
Teil 3: Holz, Lehm & Co.: Vor- und Nachteile von ökologischen Baustoffen
Teil 4: Gebäude intelligent dämmen
Teil 5: Umweltfreundliche Materialien für den Innenausbau
Teil 6: Dicke Luft muss nicht sein – Tipps für gutes Raumklima
Teil 7: Gut gedeckt – auf das richtige Dach kommt es an
Teil 8: Heizenergien der Zukunft
Teil 9: Langfristig sparen durch energieeffiziente Häuser
Teil 10: Investitionen in die Zukunft einer Immobilie

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Als Alternative zur Tapete können die Wände mit Stoffbahnen bespannt werden. Dafür eignen sich viele Stoffe, von Wolle bis hin zu Seide.

Bei der Wahl von Farbe oder Tapeten empfiehlt Rolf Buschmann: „Ist eine Unbedenklichkeit nicht zweifelsfrei auszuschließen, sollte darauf geachtet werden, dass alte Farbreste etwa von Kunststoff- oder Ölfarben oder alte Tapetenreste rückstandsfrei entfernt werden. Sonst können nämlich alte und neue Materialien miteinander reagieren und im schlimmsten Fall schädliche Emissionen freisetzen.“

Damit’s öko wird

Wer sich für natürliche Einrichtungsmaterialien entschieden hat, bekommt selbstverständlich Unterstützung bei der Auswahl. Zahlreiche Umweltsiegel wie der „Blaue Engel“ helfen dabei, die richtigen Lacke, Farben, Tapeten oder Kleister zu finden. Vereinzelt gibt es auch schon sogenannte Öko-Baumärkte, in denen es zu den ökologisch verträglichen Baustoffen auch die entsprechende Beratung gibt.

Der Blaue Engel (Bild: Umweltbundesamt)

Der Blaue Engel

Das Umweltsiegel Blauer Engel ist die erste und älteste umweltschutzbezogene Kennzeichnung der Welt für Produkte und Dienstleistungen. Damit zeichnet das RAL Deutsche Institut für Gütesicherung und Kennzeichnung e.V., in Zusammenarbeit mit dem Umweltbundesamt, seit 1978 Produkte aus, die in ihrer ganzheitlichen Betrachtung besonders umweltverträglich sind – von der Herstellung über die Gebrauchsdauer bis zur Entsorgung. Heute tragen rund 11.700 Produkte und Dienstleistungen in circa 120 Produktkategorien den Blauen Engel.

Kontakt: Dr. Wolfgang Plehn, Leiter des Fachgebiets „Stoffbezogene Produktfragen“ des Berliner Umweltbundesamts, Telefon 0340/2103-3749, E-Mail: wolfgang.plehn@uba.de

Logo Serie Nachhaltig bauen (Bild: NRW.BANK)

Serie

Die Serie „Nachhaltiges Bauen“ gibt einen Überblick über ressourcenschonendes und energieeffizientes Bauen und Sanieren. Welche bewährten, wiederentdeckten und neuen Baustoffe sind zeitgemäß? Wie lassen sich Folge- und Nutzungskosten berechnen? Wann hilft eine Dämmung, wann schadet sie? Was für verschiedene Typen von Energieeffizienzhäusern gibt es? Wie fördert die NRW.BANK die Bauherren? Antworten auf diese und andere Fragen liefert Ihnen die NRW.BANK in Kooperation mit der EnergieAgentur.NRW in dieser Serie.

Förderprogramme und -produkte für Maßnahmen im Bereich regenerativer Energien:

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