Nachhaltige Baustoffe für den Innenausbau
Gilt als besonders schadstoffarm: Korkboden. Foto: bcmedia/Fotolia
Siegel: Energieeffizienz lohnt sich

Serie: Nachhaltiges Bauen - Teil 5

//Der perfekte Baustoff ist gesund und umweltverträglich

Natürlich, ökologisch und stilvoll soll er sein – der perfekte Baustoff für den Innenausbau. Für Wände, Böden, Treppen, Türen oder Decken eines Hauses kommen die unterschiedlichsten Materialien in Betracht: textile, hölzerne, elastische oder mineralische. Der Trend bei der Wahl eines Werkstoffs: Umwelt- und Gesundheitskriterien spielen eine immer größere Rolle.

Auf die Frage nach guten Baustoffen für den Innenbau gibt es mehr als eine Antwort, denn ein Werkstoff ist nicht per se nachhaltig oder ökologisch, erklärt Dr. Wolfgang Plehn, Leiter des Fachgebiets „Stoffbezogene Produktfragen“ des Umweltbundesamts: „Will man ein nachhaltiges Gebäude bauen, kann die Nachhaltigkeit nur im gesamten Kontext des Baugeschehens beurteilt werden. Baue ich etwa in Lehmbauweise ist das zwar an sich nicht schlecht, aber Nachhaltigkeit setzt voraus, dass man weiß, wie Lehm eingesetzt wird. Es hängt immer vom konkreten Fall ab, ob ein Werkstoff gut oder schlecht ist.“

Orientierung zu Umweltleistungen

Materialien wie Bambus, Lehm, Kork oder Kalk werden zwar attraktiver, aber wichtig ist insgesamt, dass ökologisch, emissionsarm und energieeffizient gebaut wird. Zur Orientierung helfen die allgemeingültigen Grundsätze und Methoden des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS) im Leitfaden „Nachhaltiges Bauen“. Auch die „Deutsche Gesellschaft für nachhaltiges Bauen“ fördert nachhaltiges und wirtschaftlich effizientes Bauen mit ihrem DGNB-Zertifizierungssystem zur Planung und Bewertung von nachhaltigen Gebäuden. Zudem legt die internationale Zertifizierungsnorm EPD (Environmental Product Declaration) die Umweltleistung von Bauprodukten fest. Die Europäische Kommission sieht in den EPDs das geeignete Mittel, die Umweltleistung von Bauprodukten zu kommunizieren und das nachhaltige Bauen voranzubringen.

Holz ist vielseitig einsetzbar im Gebäudeinnenbereich, nicht nur als Bodenbelag. Foto: Monster/Fotolia Holz ist vielseitig einsetzbar im Gebäudeinnenbereich, nicht nur als Bodenbelag. Foto: Monster/Fotolia

Diese Initiativen, die Nachhaltigkeit von Werkstoffen festlegen, werden ergänzt durch das Umweltsiegel Blauer Engel des Umweltbundesamts. Für die Vergabe orientiert sich das Umweltbundesamt an der Frage: Ist das Produkt emissionsarm, schützt es also Klima und die Gesundheit? So verursachen manche Werkstoffe Emissionen durch sogenannte flüchtige organische Verbindungen (VOC – Volatile Organic Compounds). „Wenn jemand sensibel – zum Beispiel allergisch – auf Ausdünstungen reagiert, sollte er zur Sicherheit Wandfarben, Lacke, Tapeten, Raufaser und Bodenbeläge verwenden, die mit dem Blauen Engel ausgezeichnet sind“, empfiehlt Wolfgang Plehn. „Denn nur ein emissionsarmes Gebäude ist gesund.“

Bodenbeläge aus Holz

Es kommt nicht nur darauf an, dass der verwendete Werkstoff nachhaltig, sondern darüber hinaus auch wärmedämmend und speicherfähig ist – wie zum Beispiel ein Bodenbelag aus Holz, der durch seine geringe Wärmeableitung punktet. Für Holz spricht zudem die Erneuerbarkeit des Rohstoffs und bei massiven Bodenbelägen die Renovierbarkeit. Bodenbeläge aus Holz gehören im Vergleich zu anderen Belagstypen zu den wenig bis mäßig umweltbelastenden Bodenbelägen.

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Serie Nachhaltiges Bauen

Teil 1: Was umfasst nachhaltiges Bauen?
Teil 2: Leicht- und Massivbauweise im Vergleich
Teil 3: Holz, Lehm & Co.: Vor- und Nachteile von ökologischen Baustoffen
Teil 4: Gebäude intelligent dämmen
Teil 5: Umweltfreundliche Materialien für den Innenausbau
Teil 6: Dicke Luft muss nicht sein – Tipps für gutes Raumklima
Teil 7: Gut gedeckt – auf das richtige Dach kommt es an
Teil 8: Heizenergien der Zukunft
Teil 9: Langfristig sparen durch energieeffiziente Häuser
Teil 10: Investitionen in die Zukunft einer Immobilie

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Traditionsprodukt der Zukunft: Kork

Eine Alternative zu Holz bildet Kork: Dieser wird aus der Rinde der Korkeichen gewonnen – kein Baum muss dafür gefällt werden. Kork mit dem Umweltzeichen ist gesundheitlich unbedenklich und gibt besonders wenig Schadstoffe in die Luft ab. Als Werkstoff ist Kork variabel einsetzbar, etwa als Bodenbelag oder zur Wand- und Dachdämmung. Er ist wärme- und schalldämmend, druckbelastbar und verrottet nicht. Die Bodenbeläge werden am besten mit Klebern verlegt, die ebenfalls den Blauen Engel tragen.

Bambus – die härteste Pflanze der Welt

Eine weitere Alternative zu Holz ist Bambus. Bambusgras gilt als die am schnellsten wachsende Pflanze überhaupt. Die Rekordpflanze ist strapazierfähig, besteht in Drucktests gegen Ziegel und Beton und zeigt in Reißtests, dass sie so fest ist wie Baustahl – und sie ist ökologisch nachhaltig. Experten betrachten das Material als den ökologischen Werkstoff des 21. Jahrhunderts. Bambus eignet sich zum Beispiel als Bodenbelag für Küchen und Nassbereiche.

Lehm wiederentdeckt

Heute in Vergessenheit geraten, dafür schon Jahrhunderte erprobt, ist der Baustoff Lehm. Seit kurzer Zeit erfährt Lehm – zum Beispiel als ökologischer Putz – eine Renaissance. Er hat nichts von seinen Vorteilen eingebüßt: Lehm nimmt schnell Luftfeuchtigkeit auf und gibt sie wieder ab. Damit reguliert er die Luftfeuchtigkeit und verbessert so das Raumklima – ganz natürlich. Auch in der Entsorgung gewinnt Lehm. Er kann direkt in die Natur zurückgegeben werden, da er keine chemischen Zusätze enthält.

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Festzuhalten bleibt: Ein ökologischer Werkstoff für den Innenraum ist nur dann nachhaltig, wenn auch das gesamte Baugeschehen nachhaltig ausgerichtet ist.

Weitere Informationen und Tipps rund um das Thema Gebäudedämmung finden Sie unter folgenden Adressen:

Der Blaue Engel (Bild: Umweltbundesamt)

Der Blaue Engel

Das Umweltsiegel Blauer Engel ist die erste und älteste umweltschutzbezogene Kennzeichnung der Welt für Produkte und Dienstleistungen. Damit zeichnet das RAL Deutsche Institut für Gütesicherung und Kennzeichnung e.V., in Zusammenarbeit mit dem Umweltbundesamt, seit 1978 Produkte aus, die in ihrer ganzheitlichen Betrachtung besonders umweltverträglich sind – von der Herstellung über die Gebrauchsdauer bis zur Entsorgung. Heute tragen rund 11.700 Produkte und Dienstleistungen in circa 120 Produktkategorien den Blauen Engel.

Kontakt: Dr. Wolfgang Plehn, Leiter des Fachgebiets „Stoffbezogene Produktfragen“ des Berliner Umweltbundesamts, Telefon 0340/2103-3749, E-Mail: wolfgang.plehn@uba.de

Logo Serie Nachhaltig bauen (Bild: NRW.BANK)

Serie

Die Serie „Nachhaltiges Bauen“ gibt einen Überblick über ressourcenschonendes und energieeffizientes Bauen und Sanieren. Welche bewährten, wiederentdeckten und neuen Baustoffe sind zeitgemäß? Wie lassen sich Folge- und Nutzungskosten berechnen? Wann hilft eine Dämmung, wann schadet sie? Was für verschiedene Typen von Energieeffizienzhäusern gibt es? Wie fördert die NRW.BANK die Bauherren? Antworten auf diese und andere Fragen liefert Ihnen die NRW.BANK in Kooperation mit der EnergieAgentur.NRW in dieser Serie.

Förderprogramme und -produkte für Maßnahmen im Bereich regenerativer Energien:

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