Natürliche und synthetische Dämmstoffe in Gebäuden
Holzhaus
Siegel: Energieeffizienz lohnt sich

Serie: Nachhaltiges Bauen - Teil 4

//Gebäude intelligent dämmen

Heizkosten sind in den letzten Jahren drastisch gestiegen. Moderne Heizungen schaffen Abhilfe. Doch vor allem mit der Dämmung von Außenwänden, Dach und Kellerdecke sowie dem Austausch von Fenstern lassen sich Energiekosten senken. Bei der Auswahl des Dämmstoffs für die verschiedenen Anwendungsfälle sind Faktoren wie Wärmeleit- und Wärmespeicherfähigkeit, Feuchteresistenz, Brandverhalten und Gesamtenergiebilanz zu beachten.

„Je besser ein Gebäude gedämmt ist, desto niedriger ist sein Wärmebedarf“, weiß Dirk Mobers von der EnergieAgentur.NRW. Der Energieverlust über die ungedämmten Außenwände trägt bei einem durchschnittlichen Einfamilienhaus laut Umweltbundesamt zu etwa 30 Prozent zu den Wärmeverlusten des gesamten Gebäudes bei. Über das Dach gehen circa 20 Prozent Wärme verloren, durch die Decke eines unbeheizten Kellers ungefähr zehn Prozent der gesamten Wärme. Mit der richtigen Dämmung können diese Wärmeverluste um 70 bis 90 Prozent reduziert werden.

Zur Wärmedämmung werden organische Stoffe wie beispielsweise Zellulose in Hohlräume eingeblasen. Foto: Ingo Bartussek/Fotolia. Zur Wärmedämmung werden organische Stoffe wie beispielsweise Zellulose in Hohlräume eingeblasen. Foto: Ingo Bartussek/Fotolia.

Organische und anorganische Dämmstoffe

Man unterscheidet zwischen drei verschiedenen Gruppen von Dämm-Materialien:

  • Anorganische Dämmstoffe, die aus künstlichen mineralischen Stoffen, zum Beispiel aus Mineralwolle wie Glas- oder Steinwolle, aus geschäumtem Glas, Blähton, Calciumsilikat, Perlit oder Bimsstein bestehen
  • Synthetische organische Dämmstoffe auf Erdölbasis, zum Beispiel Polystyrol oder Polyurethan
  • Organische Dämmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen, zum Beispiel Flachs, Hanf, Stroh, Kork, Kokos, Holzfasern und Zellulose

Für die meisten Anwendungsfälle im Baubereich stehen neben den anorganischen und synthetischen Dämmstoffen auch natürliche Dämmstoffe zur Verfügung. Organische Dämmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen sind in der Regel schadstofffrei. Zudem wird zur Herstellung natürlicher organischer Baustoffe weniger Energie verbraucht. Durch die Nutzung und Verarbeitung entsteht kein gesundheitliches Risiko und das Recyceln der Stoffe ist unbedenklich. An Außen- und Innenwänden oder in Dach- und Deckenkonstruktionen kann zum Beispiel Flachs zum Einsatz kommen. Der Rohstoff hat eine geringe Wärmeleitfähigkeit – und dadurch gute Wärmedämmeigenschaften. Wie Flachs schützt auch Hanf durch natürliche Bitterstoffe gegen Schimmelpilze, Schädlinge oder Nagetiere. Hanfdämmstoffe haben gute Dämmeigenschaften und eignen sich für den Wand-, Decken- und Dachbereich sowie zur Trittschalldämmung.

Energiesparen durch moderne Wärmeisolation. Foto: Alterfalter/Fotolia. Energiesparen durch moderne Wärmeisolation. Foto: Alterfalter/Fotolia.

Energetisches Gesamtkonzept

„Für optimale Ergebnisse sollte eine intelligente Dämmung in ein energetisches Gesamtkonzept integriert werden, das auch Fenster, Heizungen und Gebäudetechnik berücksichtigt“, rät Folke Dettling vom Umweltbundesamt. Der wissenschaftliche Mitarbeiter der Arbeitsgruppe „Stoffbezogene Produktfragen“ erklärt: „Die wichtigste Rolle bei der Wahl eines Dämmstoffs spielt der Einsatzbereich mit seinen Anforderungen an die Eigenschaften: Soll etwa der Keller gedämmt werden, muss ein anderer Baustoff eingesetzt werden als beim Dach. Deshalb sollte nicht mit der Dämmstoffwahl begonnen werden.“ Zunächst sollte geklärt werden, ob ein Dämmstoff wirklich für den Bereich geeignet ist, für den er eingesetzt werden soll. Dabei kann der Einsatz konventioneller Materialien manchmal besser sein – beispielsweise Dämmstoffe aus Mineralwolle oder lose Stoffe, die mit Hilfe von Druckluft in Hohlräume eingeblasen werden. Für die Außenwände von Kellern eignen sich XPS-Dämmstoffe – ein Hartschaum aus Kunststoff – oder Schaumglas. „Das Spektrum für Keller ist schmal“, erklärt Folke Dettling, „da es sich um einen besonders kritischen Bereich handelt: Die falsche Wahl kann zu Bauschäden oder zu sogenannten Wärmebrücken führen, die eine ungleichmäßige Wärmeverteilung zur Folge haben.“

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Serie Nachhaltiges Bauen

Teil 1: Was umfasst nachhaltiges Bauen?
Teil 2: Leicht- und Massivbauweise im Vergleich
Teil 3: Holz, Lehm & Co.: Vor- und Nachteile von ökologischen Baustoffen
Teil 4: Gebäude intelligent dämmen
Teil 5: Umweltfreundliche Materialien für den Innenausbau
Teil 6: Dicke Luft muss nicht sein – Tipps für gutes Raumklima
Teil 7: Gut gedeckt – auf das richtige Dach kommt es an
Teil 8: Heizenergien der Zukunft
Teil 9: Langfristig sparen durch energieeffiziente Häuser
Teil 10: Investitionen in die Zukunft einer Immobilie

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Professionelle Beratung suchen

Der Dämmexperte empfiehlt, sich bei der energetischen Sanierung professionelle Beratung von unabhängiger Seite zu suchen, zum Beispiel bei einem erfahrenden Architekten, einem Energieberater oder bei den Verbraucherzentralen. „Hausherren sollten nicht alles selbst stemmen wollen. Schlimmstenfalls habe ich dann ein Problem gelöst, mir aber zwei neue – zum Beispiel durch Wärmebrücken – aufgebürdet.“ Erste Orientierung bietet auch das Umweltzeichen Blauer Engel des Deutschen Instituts für Gütesicherung und Kennzeichnung e.V. RAL und des Umweltbundesamts: Die Umweltengel 132 für Wärmedämmstoffe und Unterdecken sowie der Blaue Engel 140 für Wärmedämmverbundsysteme geben zusätzlich Orientierung.

Worauf Sie bei der Auswahl der Dämmstoffe achten sollten

Gute Dämmstoffe leiten Wärme kaum weiter – dies ist am sogenannten Lambda-Wert (λ) zu erkennen, der möglichst niedrig sein sollte. Die Wärmeleitfähigkeit eines Dämmstoffes wird in der Wärmeleitfäghigkeitsstufe (WLS) angegeben. Je niedriger dieser Wert ist, desto besser ist der Dämmstoff. Je nach Einsatzgebiet und Art des Bauvorhabens sollten entweder nichtbrennbare (Baustoffklasse A1 oder A2), schwerentflammbare (B1) oder höchstens normalentflammbare (B2) Dämmstoffe verwendet werden. Leichtentflammbare Dämmstoffe der Baustoffklasse B3 dürfen im Bauwesen nicht verwendet werden. Auf Verpackungen sind die verschiedenen Kennzeichnungen für die Wärmeleitfähigkeit und für das Brandverhalten aufgedruckt. Zudem sollten sie das CE-Zeichen tragen (Europäische Norm) oder das Ü-Zeichen (Übereinstimmung mit nationalen Normen).

Sanieren Sie Ihr Haus online

Testen Sie, wie ein verbesserter Wärmeschutz der Außenwände, des Dachs oder der Kellerdecke aussehen könnte: mit dem Online-Ratgeber zur energetischen Gebäudemodernisierung der EnergieAgentur.NRW.

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Weitere Informationen und Tipps rund um das Thema Gebäudedämmung finden Sie unter folgenden Adressen:

Logo Serie Nachhaltig bauen (Bild: NRW.BANK)

Serie

Die Serie „Nachhaltiges Bauen“ gibt einen Überblick über ressourcenschonendes und energieeffizientes Bauen und Sanieren. Welche bewährten, wiederentdeckten und neuen Baustoffe sind zeitgemäß? Wie lassen sich Folge- und Nutzungskosten berechnen? Wann hilft eine Dämmung, wann schadet sie? Was für verschiedene Typen von Energieeffizienzhäusern gibt es? Wie fördert die NRW.BANK die Bauherren? Antworten auf diese und andere Fragen liefert Ihnen die NRW.BANK in Kooperation mit der EnergieAgentur.NRW in dieser Serie.

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