Vor- und Nachteile von ökologischen Baustoffen
Holzhaus (Foto: Christian Delbert/Shutterstock.com)
Siegel: Energieeffizienz lohnt sich

Serie: Nachhaltiges Bauen - Teil 3

//Holz, Lehm & Co.: Vor- und Nachteile von ökologischen Baustoffen

Ziegel und Mauersteine sind nach wie vor die wichtigsten Baustoffe. Bei knapp 45 Prozent aller im Jahr 2010 fertiggestellten Wohn- und Wirtschaftsgebäude in Deutschland wurden überwiegend diese Materialien verwendet. Aber schon 16 Prozent der Häuser bestehen hauptsächlich aus Holz. Und durch den Trend zum nachhaltigen Bauen erfreuen sich auch andere natürliche Rohstoffe wachsender Beliebtheit. Welche Eigenschaften zeichnen sie aus? Wo liegen die Vor- und Nachteile? Welche Rolle spielen die klimatischen Voraussetzungen?

Holz

Neben Lehm und Natursteinen ist Holz einer der ältesten Baustoffe in der Menschheitsgeschichte. Es ist wegen seiner flexiblen Einsatzmöglichkeiten beliebt, sehr elastisch, hat eine hohe Tragfähigkeit und ist formstabil. Holz eignet sich außerdem gut zur Feuchtigkeitsregulierung. Besonders beliebt machen es seine ökologischen Eigenschaften. Als nachwachsender Rohstoff ist es nahezu unbegrenzt verfügbar und im unbehandelten Zustand schadstofffrei. Während des Wachstums produziert Holz Sauerstoff, speichert gleichzeitig das Treibhausgas Kohlendioxid – und zwar in höheren Mengen als bei der Holzverarbeitung wieder freigesetzt wird. Somit ist die CO2-Bilanz des Werkstoffs positiv.

Nachteil des verbauten Holzes ist, dass es im Außenbereich regelmäßig behandelt werden muss. Um den Witterungseinflüssen standzuhalten, wird es zum Beispiel mit imprägnierenden und färbenden Anstrichen behandelt. Zur Geräuschdämmung eignet es sich nicht gut und erzeugt sogar in geringem Maße eigene Geräusche, wenn es sich dehnt oder zusammenzieht, sprich: arbeitet.

„Mit wärmegedämmten Holzkonstruktionen lassen sich energiesparende Wandaufbauten in der Regel mit geringeren Wanddicken erreichen als bei massiven Mauern“, sagt Dirk Mobers von der EnergieAgentur.NRW. Der Experte weist jedoch auch darauf hin, dass bei solchen Konstruktionen – um Bauschäden zu vermeiden – auf die Luftdichtheit der Konstruktion besonders zu achten ist.

Einfach zu verarbeitender Baustoff: Lehm (Foto: Rosa Frei/Shutterstock.com) Lehm verbessert als Baustoff das Raumklima. Foto: Rosa Frei/Shutterstock.com

Lehm

Lehm ist ein Baumaterial, das mit wenig Energieaufwand produziert wird, einfach zu verarbeiten ist und keine Schadstoffe abgibt. Das wasserlösliche Gesteinsgemisch verbessert sogar das Raumklima, da es Luftfeuchtigkeit aufnehmen und abgeben kann. Als Baustoff eignet es sich auch wegen seiner wärmespeichernden und schalldämmenden Eigenschaften. Außerdem kann Lehm Gebäude gegen Elektrosmog abschirmen.

Durch Verdunsten des beim Anmachen zugegebenen Wassers können beim Lehm jedoch Trocken- und Schwundrisse entstehen. Da er in Feuchtperioden Wasser aufnimmt, sollte Lehm möglichst nicht mit festen Baustoffen verbunden sein, für die diese Eigenschaft problematisch wäre. Feuchtigkeit kann weiterhin Probleme durch Verwitterung und Frostabsprengungen verursachen. Daher ist Lehm nicht für alle klimatischen Bedingungen gleich gut geeignet. Heutzutage wird Lehm vor allem wegen seiner feuchteregulierenden Eigenschaften gerne als Innenputz verwendet.

Kalk

Die Verwendung von Kalk als Bindemittel in Mörtel, Putz und Anstrich reicht bis ins Altertum zurück. Da Kalkputze keine künstlichen Zusatzstoffe enthalten, sind sie für Allergiker besonders geeignet. Jedoch besteht die Gefahr, dass es beim Verarbeitungsprozess wegen der alkalischen Eigenschaften des Kalks zu Verätzungen kommt. Aus Branntkalk (Kalziumoxid) und Sand werden Kalksandsteine hergestellt, die eine sehr hohe Rohdichte aufweisen, also sehr schwer sind. Da sie hohem Druck standhalten, lassen sich mit diesen Steinen dünne, hochbelastbare Wände errichten, die sehr gute Schallschutzeigenschaften besitzen. Allerdings ist die Be- und Verarbeitung wegen der hohen Rohdichte ziemlich aufwändig und kostspielig.

Stroh weist sich durch unkomplizierte Verarbeitung aus, ist dafür aber leicht brennbar. (Foto: halbox/Shutterstock.com) Stroh kann sogar als tragendes Element dienen. Foto: halbox/Shutterstock.com

Stroh

Stroh hat als Bau- und Dämmmaterial ebenfalls eine lange Tradition. Bereits im Fachwerkbau, der von der Antike bis ins 19. Jahrhundert in Europa vorherrschte, kam Stroh zum Einsatz. In den USA wurde mit dem „Nebraska-Stil“ sogar eine Methode entwickelt, bei der Stroh als tragendes Element der Dachkonstruktion dient. Ebenso wie Holz binden Strohhalme das Treibhausgas CO2. Auch kann Stroh als Baustoff ohne energieintensive Verarbeitung hergestellt und mit geringem Transportbedarf beschafft werden. Probleme bereiten die hohe Feuchtigkeitsaufnahme und eine hohe Brennbarkeit. Im aktuellen Baugeschehen findet Stroh als Dämmstoff bei besonders ökologisch orientierten Projekten Anwendung.

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Serie Nachhaltiges Bauen

Teil 1: Was umfasst nachhaltiges Bauen?
Teil 2: Leicht- und Massivbauweise im Vergleich
Teil 3: Holz, Lehm & Co.: Vor- und Nachteile von ökologischen Baustoffen
Teil 4: Gebäude intelligent dämmen
Teil 5: Umweltfreundliche Materialien für den Innenausbau
Teil 6: Dicke Luft muss nicht sein – Tipps für gutes Raumklima
Teil 7: Gut gedeckt – auf das richtige Dach kommt es an
Teil 8: Heizenergien der Zukunft
Teil 9: Langfristig sparen durch energieeffiziente Häuser
Teil 10: Investitionen in die Zukunft einer Immobilie

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Schafwolle und Hanf

Für die Wärmedämmung eignen sich natürliche Rohstoffe wie zum Beispiel Schafwolle oder Hanf besonders gut. Beide Materialien gehören zu den umweltschonenden, nachwachsenden Ressourcen. Gegenüber synthetischen Dämmstoffen haben sie den Vorteil, dass sie nicht in energieaufwändigen Prozessen hergestellt werden müssen und nahezu unbegrenzt verfügbar sind.

Schafwolle kann bis zu einem Drittel des Eigengewichts an Feuchtigkeit aufnehmen, speichern und wieder abgeben. Durch diese Eigenschaft ist sie gut geeignet zur Regulierung des Raumklimas. Darüber hinaus kann Schafwolle Schadstoffe speichern. Sie ist sehr leicht zu verarbeiten und eignet sich aufgrund der Flexibilität gut im Zusammenspiel mit Holzkonstruktionen. Allerdings: Schafwolle muss gegen Schädlingsbefall und für den Brandschutz behandelt werden. Außerdem ist das Material relativ teuer.

Ein ebenfalls vielseitiger Naturbaustoff ist Hanf. Dieses pflanzliche Material wird in erster Linie als Dämmstoff verwendet, in Verbindung mit Lehm kann es aber auch zu Steinen verarbeitet werden. Die häufigste Nutzungsform sind Hanfmatten, die neben der Dämmung auch zur Grundierung für Putz verwendet werden. Das absolut reine, langlebige Naturprodukt eignet sich besonders zur Wärmespeicherung und für den Schallschutz. Auch für die Regulierung der Raumluftfeuchtigkeit weist Hanf gute Eigenschaften auf. Jedoch wird Bauhanf zum Teil mit Polyesterfasern versehen, um das Material zu stützen und für den Brandschutz zu verbessern. Da es noch relativ selten im Bau eingesetzt wird, ist es vergleichsweise teuer.

Förderung umweltverträglicher Bauprojekte

Ökologische Überlegungen gewinnen bei der Neuerrichtung oder der Modernisierung von Gebäuden zukünftig mehr an Bedeutung. Neben Anschaffungs- bzw. Errichtungskosten werden dabei immer häufiger auch Baufolgekosten mit einkalkuliert. Diese umfassen neben den Ausgaben während der gesamten Nutzungs- bzw. Lebensdauer auch Rückbaukosten. „Hier zeigen sich weitere Vorteile natürlicher Baustoffe: Durch sie lassen sich in punkto Rückbau und Entsorgung erhebliche Einsparpotenziale realisieren“, so Dirk Mobers von der EnergieAgentur.NRW. Die NRW.BANK stellt für umweltverträgliche Neubauprojekte ebenso wie für die Gebäudesanierung vielfältige Förderangebote bereit.

Einen Überblick erhalten Sie über die Produktsuche unter www.nrwbank.de > Produktsuche , im Bereich „Wohnen“.

Logo Serie Nachhaltig bauen (Bild: NRW.BANK)

Serie

Die Serie „Nachhaltiges Bauen“ gibt einen Überblick über ressourcenschonendes und energieeffizientes Bauen und Sanieren. Welche bewährten, wiederentdeckten und neuen Baustoffe sind zeitgemäß? Wie lassen sich Folge- und Nutzungskosten berechnen? Wann hilft eine Dämmung, wann schadet sie? Was für verschiedene Typen von Energieeffizienzhäusern gibt es? Wie fördert die NRW.BANK die Bauherren? Antworten auf diese und andere Fragen liefert Ihnen die NRW.BANK in Kooperation mit der EnergieAgentur.NRW in dieser Serie.

Förderprogramme und -produkte für Maßnahmen im Bereich regenerativer Energien:

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