Finanzierung: Beteiligung statt Fremdkapital
Christoph Büth (links) und Manfred Thivessen leiten als Geschäftsführer gemeinsam die Kapitalbeteiligungsgesellschaft für die mittelständische Wirtschaft in Nordrhein-Westfalen (KBG). (Bild: NRW.BANK)

Mittelstand

//Beteiligung statt Fremdkapital

Ob Unternehmer Neugründungen, Übernahmen oder Investitionen finanzieren wollen – manche Vorhaben scheitern an der zu knappen Eigenkapitalbasis oder es sind keine banküblichen Sicherheiten vorhanden. Einen Ausweg bieten Kapitalbeteiligungsgesellschaften. Darüber sprechen wir mit den Geschäftsführern der Kapitalbeteiligungsgesellschaft für die mittelständische Wirtschaft in Nordrhein-Westfalen (KBG): Manfred Thivessen, zugleich Geschäftsführer der Bürgschaftsbank NRW, und Christoph Büth, Abteilungsleiter Beteiligungskapital Mittelstand im Bereich Unternehmensfinanzierung der NRW.BANK.

Herr Büth, wann sollte ich als Unternehmer Sie anrufen?

Christoph Büth: Wenn Sie geschäftsführender Inhaber eines aufstrebenden Unternehmens sind, Ihre Produkte und Dienstleistungen marktgängig sind und Sie eine klare Vision und Perspektive für das Unternehmen haben. Zum Beispiel, wenn Sie expandieren oder das Unternehmen mit einer Umstrukturierung voranbringen wollen.

Aber ich kann Sie auch dann anrufen, wenn ich gerade ein vielversprechendes Produkt zur Marktreife entwickle, richtig?

Christoph Büth: Dann dürfen Sie mich anrufen, aber dann werden wir nicht über eine Beteiligung der KBG sprechen. Für Unternehmer, die gerade ein innovatives Produkt oder eine innovative Dienstleistung zur Marktreife bringen, gibt es andere Finanzierungsformen wie den NRW.BANK.Seed Fonds. Genausowenig finanziert die KBG übrigens Unternehmenssanierungen und Umschuldungen.

Herr Thivessen, aus welchem Grund gibt es diese Einschränkungen?

Manfred Thivessen: Ganz einfach, weil wir bei einer Beteiligung über eine ganz andere Risikoposition sprechen. Das Risiko ist hier für den Kapitalgeber in der Regel höher als bei einem Kredit. Er wird im Ernstfall gegenüber den Kredit- beziehungsweise Fremdkapitalgebern nachrangig behandelt. Hinzu kommt, dass wir bei einer Beteiligung nicht auf bankübliche Sicherheiten zurückgreifen können.

Das heißt, andersherum gesagt, Sie müssen von einem Unternehmen, an dem sich die KBG beteiligt, seinen Produkten und seiner Leistungsfähigkeit, vollständig überzeugt sein.

Manfred Thivessen: Absolut. Bei unseren Entscheidungen spielen natürlich die einschlägigen Finanzkennzahlen des Unternehmens eine bedeutende Rolle. Aber wir müssen genauso von der unternehmerischen Kompetenz unserer Kunden überzeugt sein. Genauso schauen wir auf die Qualität der Produkte und Dienstleistungen, die über die Beteiligung mitfinanziert werden sollen. 

Christoph Büth leitet auch die Abteilung Mittelstandsfinanzierung im Bereich Beteiligungen der NRW.BANK. (Bild: NRW.BANK) Christoph Büth leitet auch die Abteilung Beteiligungskapital Mittelstand im Bereich Unternehmensfinanzierung der NRW.BANK.
Manfred Thivessen ist zugleich Geschäftsführer bei der Bürgschaftsbank NRW. (Bild: NRW.BANK) Manfred Thivessen ist zugleich Geschäftsführer bei der Bürgschaftsbank NRW.
Service aus einer Hand: Kunden profitieren durch die Verzahnung von KBG, Bürgschaftsbank sowie NRW.BANK. (Bild: NRW.BANK) Service aus einer Hand: Kunden profitieren durch die Verzahnung von KBG, Bürgschaftsbank sowie NRW.BANK. (Bilder: NRW.BANK)

Christoph Büth: Deshalb pflegen wir mit unseren Kunden auch immer ein partnerschaftliches Verhältnis. Mit der KBG, die ihrerseits eng verzahnt ist mit der NRW.BANK und der Bürgschaftsbank NRW, holt sich der Unternehmer ja zusätzliche Finanzkompetenz ins Haus, die er für sein Unternehmen nutzen kann.

Über eine Beteiligung verbessert der Unternehmer seine Eigenkapitalbasis. Was bringt ihm das?

Christoph Büth: Das bringt ihm zusätzlichen unternehmerischen Spielraum. Aus einer besseren Eigenkapitalbasis resultieren bessere Bilanzkennzahlen, was wiederum zu einem besseren Rating führt. Und das erleichtert den Zugang zu weiteren Finanzierungen in Form von Krediten und damit zu günstigeren Kreditkonditionen. Und das ist dann genau die richtige Basis, um zu wachsen, neue Märkte zu erobern oder ein Unternehmen zukunftsfähig umzustrukturieren.

Manfred Thivessen: Sie müssen dabei bedenken, dass Banken ohne eine entsprechend starke Eigenkapitalbasis ein Engagement für das Vorhaben des Unternehmens auch ablehnen können. Dann wäre die gute Idee des Unternehmers von vornherein gescheitert. Und das wollen wir als KBG verhindern.

Über eine Beteiligung der KBG kann ich also fehlende Sicherheiten ausgleichen?

Manfred Thivessen: Zum größten Teil schon. Mit einer Beteiligung der KBG sind unzureichende Sicherheiten dann kein Hemmnis mehr für die Unternehmensentwicklung, gerade bei der Finanzierung von Investitionsvorhaben. Die KBG füllt so eine Lücke in der Finanzierung von mittelständischen Unternehmen – und das in einem Spektrum von 50.000 bis zu einer Million Euro. Hinzu kommt, dass es keine laufende Tilgung gibt, sondern das Kapital erst am Ende der Laufzeit in einer Summe zurückgezahlt wird. So steht das Kapital während der gesamten Laufzeit komplett zur Verfügung.

Was kostet mich das?

Christoph Büth: Das wird individuell vereinbart. Das laufende Entgelt setzt sich dabei aus festen und gewinnabhängigen Anteilen zusammen. Hinzu kommt eine geringe Abschlussgebühr. Auch die Kosten für eine Garantie der Bürgschaftsbank kommen auf den Unternehmer zu. Das rechnet sich aber durch die erwähnten Vorteile etwa auf der Seite des Fremdkapitals.

Gibt es auch für kleine Unternehmen oder Existenzgründer Möglichkeiten, Beteiligungskapital zu erhalten?

Manfred Thivessen: Ja, wir bieten Beteiligungen aus dem sogenannten Mikromezzaninfonds an. Darüber können kleine Unternehmen sowie gewerbliche und umweltorientierte Sozialunternehmen stille Beteiligungen bis 50.000 EUR für eine Laufzeit von zehn Jahren bekommen. Nach sieben Jahren werden die Beteiligungen in drei Jahresraten zurückgezahlt. Neben einer Grundverzinsung von acht Prozent im Jahr kostet es die Unternehmen die Hälfte ihres Jahresgewinns, maximal jedoch 1,5 Prozent der Beteiligungssumme. Außerdem berechnen wir einmalig 3,5 Prozent der Beteiligung als Bearbeitungsentgelt.

Welche Rolle spielen Bürgschaftsbank NRW und NRW.BANK für die KBG?

Manfred Thivessen: In aller Regel sichert die KBG ihre Beteiligungen zu 70 Prozent durch eine Garantie bei der Bürgschaftsbank NRW ab. Das verschafft der KBG wiederum zusätzlichen Handlungsspielraum. Aber es gibt auch noch einen Effekt jenseits der reinen Zahlen: Die NRW.BANK ist ja größter Gesellschafter der KBG, auch an der Bürgschaftsbank ist sie beteiligt. Daraus resultiert eine enge und stetige Zusammenarbeit, die eine kontinuierliche Abstimmung auf direktem Wege ermöglicht.

Christoph Büth: Von dieser Kooperation profitieren die Kunden, weil sie den gesamten Service aus einer Hand erhalten und sie insgesamt nur einen Ansprechpartner haben. Dadurch kennt man sich gegenseitig, was die gemeinsame Arbeit im Alltag deutlich vereinfacht.

Was sagen Sie Unternehmern, die die Sorge haben, durch eine Beteiligung Dritter die Kontrolle über ihre Geschäfte zu verlieren?

Christoph Büth: Das ist in der Tat ein Gedanke, der viele Unternehmer beschäftigt. Aber die Sorge ist unbegründet. Die KBG ist immer stiller Gesellschafter. Wir nehmen also keinen Einfluss auf das operative Geschäft des Unternehmens. Lediglich bei Entscheidungen, die weitreichende Folgen auf die Finanzrelationen des Unternehmens haben, müssen wir an Bord geholt werden. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn weitere Beteiligungen eingegangen oder andere Eigenkapitalmaßnahmen ergriffen werden sollen.

Manfred Thivessen: Es ist so, dass die Unternehmen lediglich ihre Dokumentations- und Informationspflichten gegenüber der KBG erfüllen müssen, so wie sie gegenüber jedem zu erfüllen sind, der sich mit Eigenkapital an dem jeweiligen Unternehmen beteiligt. Wir gehen ja eine Beteiligung ein, weil wir Vertrauen in den Unternehmer und das Unternehmen entwickelt haben und weil wir von seiner Geschäftsidee überzeugt sind. Da gibt es für uns keinen Anlass, operativ tätig werden zu wollen.

Wie lange dauert ein Engagement der KBG?

Manfred Thivessen: Das lässt sich nicht pauschal beantworten. Die Beteiligungsdauer ist immer verschieden und abhängig vom jeweiligen Projekt. Aber eine Eigenkapitalbeteiligung ist prinzipiell immer ein längerfristiges Engagement. Üblich sind Laufzeiten zwischen sieben und zehn Jahren.

Kann man die KBG als Erfolgsgeschichte in der nordrhein-westfälischen Förderlandschaft bezeichnen?

Manfred Thivessen: Daran arbeiten wir! Die KBG ist erst 2010 neu gestartet, da ist der Zeitraum zu kurz, um schon von einer Erfolgsgeschichte zu sprechen. Aber für den Mittelstand in Nordrhein-Westfalen ist die KBG auf jeden Fall ein Glücksfall.

Christoph Büth: Das wird auch über die Nachfrage bestätigt. Anfragen an uns beziehen sich sehr häufig auf Wachstumsvorhaben in Nordrhein-Westfalen. Allein im Jahr 2012 erwarten wir bis zu 15 Neuabschlüsse mit einem Gesamtvolumen von rund 3 Millionen Euro.

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