Eine geordnete Nachfolgeregelung ist wichtig für den Fortbestand eines Unternehmens.
Beim Nachfolgeprozess sollten alle Beteiligten für einen reibungslosen Übergang sorgen. Bild: Fotolia ©cirquedesprit

Mittelstand

//Mittelstand: Unternehmensnachfolge erfordert Fingerspitzengefühl und Planung

Eine geordnete Nachfolgeregelung sollte nicht nur ältere Unternehmer beschäftigen. Auch junge Firmenlenker können beispielsweise erkranken oder einen Unfall haben. Ist dann nicht geregelt, wer die Geschäfte führt, kann das Unternehmen schnell wirtschaftliche Schwierigkeiten bekommen. Deshalb lohnt es sich frühzeitig die Frage zu stellen: Wie finde ich einen Nachfolger?

Hat der Unternehmer Nachfahren, so wünscht er sich in der Regel, dass einer von ihnen das eigene Lebenswerk weiterführt. Wer der oder die Auserwählte wird, darüber sollte günstigstenfalls im gesamten Familienkreis Einigkeit herrschen. Dabei ist es hilfreich, objektiv zu sein: Nicht jedem ist eine Unternehmerpersönlichkeit in die Wiege gelegt.

Aber es gibt weitere Gründe, warum eine Nachfolgeregelung innerhalb der Familie manchmal nicht möglich ist. Denn was für viele Unternehmer alter Schule noch selbstverständlich ist, nämlich „selbst“ und „ständig“ für sein Unternehmen da zu sein, verursacht heute bei kleinen und mittelständischen Unternehmen häufig Schwierigkeiten, einen Nachfolger zu finden. Diplom-Volkswirt Thomas Grigutsch von der Industrie- und Handelskammer Wuppertal-Solingen-Remscheid: „Wir stellen branchenübergreifend fest, dass immer weniger Menschen bereit sind, den hohen finanziellen und zeitlichen Einsatz zu leisten, den Unternehmertum nun mal mit sich bringt.“ Deshalb wollen die Kinder eines Firmeninhabers häufig gar nicht die Unternehmensnachfolge antreten. Oft haben sie auch einfach andere berufliche Interessen.

Thomas Grigutsch von der Industrie- und Handelskammer Wuppertal-Solingen-Remscheid (Bild: IHK Wuppertal-Solingen-Remscheid) Thomas Grigutsch, Ansprechpartner zum Thema Unternehmensnachfolge bei der IHK Wuppertal-Solingen-Remscheid. (Bild: IHK Wuppertal-Solingen-Remscheid)

Nachfolger stehen nicht Schlange

Wenn sich in der Familie kein geeigneter Nachfolger findet, sollte man sich rechtzeitig Gedanken machen, wer stattdessen für die Unternehmensübernahme in Frage kommt. Das können Mitarbeiter sein oder auch Externe, die bereits Erfahrung in der Branche haben. Für die Entscheidung ist es in jedem Fall nützlich, ein konkretes Anforderungsprofil des Nachfolgers auszuarbeiten. Findet sich im Mitarbeiterstamm ein geeigneter Kandidat, profitieren alle Seiten davon, dass er das Unternehmen und dessen Besonderheiten bereits gut kennt sowie das Vertrauen des Übergebers hat.

Kommt nur ein externer Nachfolger in Frage, müssen erst Kontakte zu passenden Interessenten hergestellt werden. In diesem Fall helfen neben guter Vernetzung in der jeweiligen Branche unter anderem Messen rund ums Thema Gründen, die örtlichen Kammern, Wirtschaftsförderer oder der entsprechende Fachverband.

Das psychologische Moment

Alle Beteiligten sollten sich darüber im Klaren sein, dass emotionale Aspekte eine nicht zu unterschätzende Rolle spielen – auf unterschiedlichsten Ebenen. Thomas Grigutsch: „Beim Kaufpreis zum Beispiel kommt viel Psychologisches ins Spiel. Übergeber schätzen den Wert der von ihnen aufgebauten Unternehmen oft zu hoch ein und sind überrascht, wenn niemand so viel zahlen will. Dabei wird dann gerne mal vergessen, dass ein Nachfolger ja ein beträchtliches Risiko eingeht.“

Zudem kommt aus der Erfahrung von Thomas Grigutsch ein weiterer Faktor erschwerend hinzu: „Immer wieder stellen wir fest, insbesondere bei einer familieninternen Nachfolge, dass der Inhaber häufig der Meinung ist, der Übernehmer könne das Unternehmen nicht so gut leiten wie er.“ In solchen Fällen ist viel Fingerspitzengefühl und Geduld gefragt. Übergeber sollten akzeptieren, dass ein Nachfolger die Dinge anders sieht und andere Entscheidungen trifft, und versuchen „loszulassen“ – auch wenn es schwer fällt. Alle Beteiligten, auch die Mitarbeiter, sollten sich darüber im Klaren sein, dass der neue Chef nicht das Ebenbild des alten sein kann und sollte. Eine offene Kommunikation ist auch hier ein wichtiger Faktor, damit die Übergabe ein Erfolg wird.

Auf die Planung kommt es an

Sinnvoll ist es, von Anfang an alle Schritte und Ziele schriftlich zu planen sowie Zeitvorgaben zu definieren – wie eine Art Fahrplan. Darin sollten unter anderem die Aufgaben, Kompetenzen und Verantwortungsbereiche von Senior und Übernehmer klar festgelegt sein, schon um mögliches Konfliktpotenzial zu entschärfen. Ferner muss entschieden werden, wie der Nachfolger ins Unternehmen eingebunden wird: nach und nach oder ad hoc, als Angestellter, Führungskraft oder Gesellschafter. Sehr wichtig ist es, die Mitarbeiter zu informieren und soweit wie möglich mit einzubeziehen.

Egal wie die Nachfolgeregelung letztlich im Detail aussieht, für die meisten Themen gibt es ausführliche Beratungs- und Coachingangebote etwa bei Industrie- und Handelskammern, Handwerkskammern oder Wirtschaftsförderungsgesellschaften. Auch Anwälte oder Notare sowie Banken und Sparkassen stehen mit Rat und Tat zur Seite. Zudem gibt es für den Unternehmernachwuchs an zahlreichen Hochschulen in NRW spezielle Studiengänge wie Entrepreneurship oder Management, in denen das Know-how der Unternehmensführung vermittelt wird.

Besser heute als morgen

Vor allem gilt: Je früher, desto besser. Häufig wird eine Übergabe zu lange hinausgezögert, weil die Dauer der Übergangsphase unterschätzt wird. Eine Übergabe zu realisieren dauert mitsamt der Planungsphase im Schnitt fünf Jahre.

Für eine frühzeitige Nachfolgeregelung spricht übrigens noch ein ganz anderer wichtiger Punkt: Banken machen Kreditvergaben und Kreditkonditionen nicht zuletzt davon abhängig, ob ein Unternehmer für den Notfall einen qualifizierten Nachfolger benannt hat.

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